Dienstag, 22.03.2016
Zukunftsmärkte
Geschäftsgründung

Wann sich ein Joint Venture in China lohnt

Lange Zeit war die Gründung eines Joint Ventures für deutsche Firmen die einzige Möglichkeit, in China ein Geschäft anzusiedeln. Mittlerweile ist die Gesellschaftsgründung liberalisiert – dennoch lohnt sich häufig ein Joint Venture. Beispielsweise für den Kontaktnetz-Aufbau und beim Landerwerb.
Es gibt viele Möglichkeiten für ausländische Investoren, in den chinesischen Markt einzutreten. Joint Ventures sind potentiell problematisch, aber eine lohnende Option.

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Es gibt viele Möglichkeiten für ausländische Investoren, in den chinesischen Markt einzutreten. Joint Ventures sind potentiell problematisch, aber eine lohnende Option.

Zu Beginn der Öffnung Chinas waren Joint Ventures die einzige legale Möglichkeit für den Eintritt eines ausländischen Investors in den lokalen Markt. Mittlerweile wurde der Markt liberalisiert und Unternehmen mit ausschließlich ausländischem Investitionsanteil, sogenannte Wholly Foreign Owned Enterprises (WFOE), sind die bevorzugte Form der Gründung.

In einigen Branchen jedoch besteht die Joint-Venture-Pflicht weiter. Beispielsweise müssen sich ausländische Firmen für ein Engagement in der Logistikbranche, beim Automobilbau, in der Chemieindustrie und bei Bildungsangeboten einen chinesischen Partner suchen.

China: Joint-Venture-Partner bringt Kontakte mit

In der Unternehmenspraxis haben Joint Ventures keinen guten Ruf. Denn einige deutsche Firmen wurden von ihren chinesischen Partnern enttäuscht oder übervorteilt. Doch in vielen Fällen sind Probleme vermeidbar. Und auch wenn keine Pflicht zur Bildung eines Joint Ventures besteht, kann eine Partnerschaft mit lokalen Unternehmen sinnvoll sein.

So sind die richtigen Kontakte essenziell, um in China erfolgreich zu sein. Das betrifft nicht nur wichtige behördliche Stellen, sondern auch Geschäftspartner und den Zugang zu Kunden. Ein lokaler Joint-Venture-Partner bringt ein bestehendes Kontaktnetzwerk in die Gemeinschaftsfirma ein. Er kennt gute Zulieferer und verlässliche Dienstleister. Daher spart eine deutsche Firma viel Zeit, indem sie eine Partnerschaft eingeht.

Joint Ventures haben besseren Zugang zu Land und Lizenzen

Auch bestehende Kundenkontakte sind von großem Wert. Sie erleichtern den Zugang zum chinesischen Absatzmarkt und sorgen dafür, dass die Tochter schnell Umsätze erzielt. Darauf kann die Firma andauernden Erfolg aufbauen.

Ein entscheidender Vorteil von Joint Ventures gegenüber 100-prozentigen Tochterfirmen ist die Möglichkeit, Zugriff auf bestehende Landnutzungsrechte oder Lizenzen in China zu erhalten. Dieser Aspekt kommt besonders dann zum Tragen, wenn keine neuen Landnutzungsrechte oder Lizenzen an besonders attraktiven Orten ausgestellt werden.

Info
Gesetzliche Regeln für die Geschäftsgründung in China
JV-Pflicht                  eingeschränkte Formwahl         freie Formwahl
LogistikFinanzdienstleistungIT-Dienstleistung
AutomobilbauerWirtschaftsberatungTourismus
ChemieBauwesen
Rohstoffförderung Ingenieursdienstleistung
BildungAutomobilzulieferer
Autor

Richard Hoffmann ist Partner bei der Steuer- und Rechtsberatungskanzlei Ecovis Beijing China. Er ist China Experte für komplexe juristische und steuerrechtliche Fragestellungen und Autor von zahlreichen internationalen Publikationen.

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