Dienstag, 10.11.2015

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Zollagenten stehen Mittelständlern bei der komplexen Zollabwicklung im Ausland zur Seite.

Zukunftsmärkte
Weltweite Exportabwicklung

Wann Sie einen Zollagenten brauchen

Der Export von Maschinen an ausländische Kunden stellt deutsche Mittelständler immer wieder vor große Herausforderungen bei der Zollabwicklung. Abhilfe bieten Zollagenten. Doch in welchen Ländern ist ihre Unterstützung wirklich notwendig?

Für jede Warenlieferung in Länder außerhalb der EU ist inzwischen eine elektronische Ausfuhranmeldung erforderlich. Diese erfolgt über das IT-Verfahren ATLAS-Ausfuhr. Die Anschaffung der ATLAS-Software bedeutet aber erhebliche Lizenz- und Personalkosten und ist somit nur für Unternehmen mit einer großen Zahl von Exportvorgängen sinnvoll. Für Firmen mit kleinerem Exportgeschäft lohnt sich die Beauftragung einer deutschen Zollagentur, die sich dann um die Kommunikation mit der Zollbehörde im Zielland kümmert.

Zollagent ist in Deutschland keine anerkannte Ausbildung, gemeinhin handelt es sich um Kaufleute, die sich auf das Thema Zoll spezialisiert haben. Einen ersten Anhaltspunkt bei der Auswahl eines Zollagenten bietet das AEO-Zertifikat der EU, das den Träger als zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (Authorized Economic Operator) kennzeichnet.

Inhaber dieses Zertifikat sind vom Zoll in Hinsicht auf ihre Buchführung, die bisherige Einhaltung von Zollvorgaben und Sicherheitsstandards geprüft worden und gelten somit als besonders sicher und vertrauenswürdig. Des Weiteren profitieren sie vom Wegfall oder der Vereinfachung bestimmter Prüfungs- und Anmeldeverfahren, wodurch sie eine schnellere Zollabwicklung gewährleisten können. Außerhalb der EU bestehen Anerkennungsabkommen für das AEO-Zertifikat mit China, den USA, der Schweiz, Norwegen und Japan.

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Zollagenten für die Einfuhrabwicklung im Zielland

Hat die Ware die Ausfuhrabwicklung des deutschen Zoll hinter sich, sind die Zollbehörden im Zielland die nächste Station. Die Zusammenarbeit mit einem lokalen Zollagenten hat zunächst den Vorteil, dass dieser mit den kulturellen Besonderheiten vor Ort vertraut ist. Er kennt die aus deutscher Sicht oft undurchsichtigen und bürokratischen Verfahren und pflegt regelmäßigen Kontakt zu den Zollbehörden.

Zudem ist in vielen Ländern die Einfuhrabwicklung nur durch einen staatlich geprüften Vertreter möglich, der vor Ort als juristische Person registriert ist. Für Unternehmen, die über keine Niederlassung oder Registrierung im Zielland verfügen, bedeutet dies, dass sie sich an einen Zollagenten wenden müssen. Ein passender Vertreter kann über die AHKs oder auf Empfehlung des Kunden gefunden werden.

Zollagenten sind je nach Land unterschiedlich wichtig. So ist in Russland die Abwicklung von Im- und Exporten ohne einen staatlich zertifizierten Zollrepräsentanten nicht möglich. In Südafrika ist es dagegen nur notwendig, einen Zollagenten einzuschalten, wenn das Unternehmen keine Registrierung vor Ort besitzt. Auch in Brasilien arbeiten die „despachantes“ genannten Zollagenten oft eng mit den Speditionen zusammen und vertreten Unternehmen ohne eigene Niederlassung. Für die Türkei ist aufgrund zahlreicher Zusatzzölle die genaue Berechnung der Einfuhrabgaben sehr komplex. Daher ist es sinnvoll eine Zollagentur einzuschalten, die über eine entsprechende Zollsoftware zur Recherche verfügt.

Info

Diese Länder erfordern einen lokalen Zollagenten

Russland
Im- und Exporte muss ein staatlich zertifizierter Zollrepräsentant abwickeln

Südafrika
Zollagent ist notwendig, wenn die deutsche Firma vor Ort nicht registriert ist

Brasilien
Zollagenten vertreten Unternehmen ohne eigene Niederlassung

Türkei
wegen zahlreicher Zusatzzölle ist die genaue Berechnung der Einfuhrabgaben sehr komplex. Eine Zollagentur verfügt über die richtige Zollsoftware zur genauen Recherche.

Zollagent übernimmt auch Zertifizierung

Einige Zollagenturen bieten auch Hilfe beim Export in Länder mit Zertifizierungspflichten an. So ist etwa für den Import von bestimmten Produktgruppen in China ein CCC-Zertifikat (China Compulsory Certificate) erforderlich und in Russland ein GOST-Zertifikat (russisch: Staatlicher Standard). Beide sind mit der europäischen CE-Kennzeichnung vergleichbar und betreffen unter anderem elektronische Geräte, aber auch Bauteile für die Automobilindustrie, Spielwaren und Kosmetika.

Der Zertifizierungsprozess durch die jeweiligen Behörden ist äußerst komplex und erfordert viel Zeit. Daher sollten Firmen prüfen, ob die eigenen Produkte von der Zertifizierungspflicht betroffen sind. Um bei der Antragstellung und Zollabwicklung nichts falsch zu machen, sollten sie sich kompetente Hilfe im Zielland suchen.