Mittwoch, 03.09.2014
Hongkong

YiuCheung/iStock / Thinkstock / Getty Images

Das Renminbi-Clearing vieler Unternehmen erfolgt bislang meist über die Sonderwirtschaftszone Hongkong.

Zukunftsmärkte
Einfachere Geschäfte erwartet

Warum deutsche Firmen den Renminbi nutzen

Der Renminbi ist in aller Munde. Banken wollen Mittelständlern die Nutzung der China-Währung schmackhaft machen. Für viele hat das auch handfeste Vorteile.

23 Prozent der deutschen Unternehmen mit Chinageschäft verwendet bereits die chinesische Währung Renminbi. Damit liegt - knapp hinter Frankreich – im internationalen Vergleich in der Nutzung vorne. Gegenüber dem Vorjahr sind das nochmals neun Prozent mehr. Dies zeigen Ergebnisse einer HSBC-Studie zur Internationalisierung des Renminbi unter gut 1.300 Unternehmen in elf Ländern weltweit.

China: Mehr Verhandlungsspielraum durch Renminbi

Der Fokus vieler deutscher Mittelständler in China hat sich in den vergangenen Jahren von Einkauf und Produktion stark in Richtung Verkauf verlagert. Damit stellt sich zwangsläufig auch die Frage nach der Fakturierung bei diesen Geschäften. „Bei unseren Kunden vor Ort haben wir schon immer in Renminbi fakturiert“, sagt Matthias Wehrle, Fachbereichsleiter Finanzbuchhaltung bei Testo, einem Mittelständler, der portable und stationäre Messtechnik entwickelt und produziert. Seit 2012 wickelt das Unternehmen den kompletten China-Zahlungsverkehr in Renminbi ab.

Die Hauptgründe für die Nutzung sind der HSBC-Studie zufolge Geschäftspartner, die auf die Nutzung der Volkswährung drängen oder die Vermeidung von Wechselkursrisiken. „Wir versuchen, das Währungsrisiko komplett zur Muttergesellschaft nach Deutschland zu ziehen und entsprechend abzusichern“, erklärt Testo-Fachbereichsleiter Matthias Wehrle. So werden Geschäfte besser kalkulierbar. Aber auch Vorteil bei Preisverhandlungen werden als Gründe für die Nutzung angeführt – vor allem bei deutschen Unternehmen. „Bis zu 5 Prozent Preisnachlässe sind bei Verhandlungen drin“, sagt Gabriele Schnell, Head of Payments and Cash Management Germany bei der HSBC in Düsseldorf.

Unternehmen bei Einführung des Renminbi zögerlich

Sind deutsche Unternehmen bei der Nutzung des Renminbi im Unternehmen schon vorne dabei, so zeigt sich beim Blick auf die Zahlen jener Firmen, die die Einführung planen, hierzulande im unternationalen Vergleich ein sehr zurückhaltendes Bild. Lediglich 3 Prozent haben vor, die Währung künftig in ihrem China-Geschäft einzusetzen. „Wer hierzulande glaubt, der Renminbi lohne sich für ihn, verwendet ihn meist bereits“, urteilt Sven Jürgensen, Head of FX Sales und Renminbi-Experte bei HSBC. Weltweit liegt dieser Anteil bei 32 Prozent.

Bei Abicor Binzel, einem hessischen Mittelständler, der Schweißbrenner herstellt und diese weltweit vertreibt, wird die Umstellung auf Renminbi im China-Geschäft gerade geprüft. „Die Geschäftswährung zwischen China und dem Rest der Binzel-Welt ist der Dollar“, erklärt Holger Saalmann, der sich als CFO auch mit Währungsfragen auseinandersetzt. Momentan würden die Vorteile einer Renminbi-Nutzung gegenüber dem Dollar noch nicht überwiegen – übrigens laut HSBC-Studie der Hauptgrund für die Nicht-Nutzung unter deutschen Unternehmen. Mehr als jeder zweite Betrieb hierzulande fürchtet einen komplizierten Umstellungsprozess.

Mittelfristig hoffen Experten, dass vor allem das künftig mögliche Renminbi-Clearing in Frankfurt die chinesische Volkswährung noch näher an deutsche Mittelständler heranbringt. In Frankfurt hat Ende August die Clearing-Stelle der Bank of China ihre Pforten geöffnet. Die größte in Deutschland tätige chinesische Bank hatte dafür im Juni den Zuschlag erhalten. „Dadurch wird der Renminbi jetzt auch hierzulande immer präsenter“, erläutert Gabriele Schnell.

Renminbi-Clearing: Aufnahme im November erwartet

Nach der ersten Euphorie rund um die Bekanntgabe des Clearing in Frankfurt anlässlich des Staatsbesuchs des chinesischen Präsidenten Xi Jinping Ende März war es danach selbst unter Experten noch umstritten, ob ein Clearing-Center nach Frankfurt kommt. Auch London, Paris und Luxemburg waren im Rennen.

Mit der offiziellen Eröffnung der Clearing-Stelle scheint diese Ungewissheit vorerst vom Tisch zu sein. „Bislang konnte ein Unternehmen zwar ein Renminbi-Konto eröffnen, aber nicht tauschen“, erklärt Kristina Köhler-Coluccia, Geschäftsführerin des Asien-Beratungshauses Köhler Group. Bis die ersten Zahlungen in der chinesischen Währung in Frankfurt abgewickelt werden können, werden allerdings noch einige Wochen oder gar Monate vergehen. Bei der HSBC in Düsseldorf rechnet Gabriele Schnell damit, dass es im vierten Quartal so weit sein wird, dass die Bank of China dann auch faktisch Zahlungen in Renminbi abwickeln kann. Die Bank of China selbst peilt Anfang November als Startdatum an.

Trotz aller Euphorie, die das Renminbi-Clearing hierzulande teilweise ausgelöst hat, melden sich auch kritische Stimmen zu Wort. So brächte das Clearing in Frankfurt im Vergleich zum Clearing in Hongkong etwa den Unternehmen kaum Vorteile, weil Frankfurt nicht direkt an das Clearing System CNAPS-System angeschlossen ist, wie ein Experte aus Bankkreisen gegenüber dem Markt und Mittelstand-Schwestermagazin Der Treasurer erklärte. Dies wurde seitens der Bank of China auch bestätigt. Die Zahlung muss daher erst nach China weitergeleitet werden. „Rechnet man die Zeitverschiebung mit ein, wird ein gleichtätiges Clearing kaum möglich sein“, sagt er.

Auch dürfte das Clearing in Frankfurt hauptsächlich für jene Unternehmen interessant sein, die die Umstellung auf Renminbi erst planen - und das sind laut HSBC-Studie lediglich 3 Prozent. Für Unternehmen, die jetzt schon den Renminbi nutzen, wird die Clearing-Stelle keine große Rolle spielen. „Denn ob das Clearing in Frankfurt oder in Hongkong passiert, ist für uns letztlich egal“, sagt Matthias Wehrle von Testo.

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