Freitag, 14.03.2014
Zukunftsmärkte
High Potentials in Wachstumsmärkten finden und binden

Was Fachkräfte in China und Brasilien wollen

Der Wettbewerb um Fachkräfte in China und Brasilien ist groß, gerade für Mittelständler. Wer aber weiß, welche Anforderungen sie stellen, sichert sich Wettbewerbsvorteile.


Ein hohes Gehalt und ein sicherer Arbeitsplatz. So lauten die Anforderungen vieler deutscher Fachkräfte. International hingegen liegen die Prioritäten von Fachkräften oft anders. Gerade in China und Brasilien lohnt es sich für Mittelständler die feinen Unterschiede zu kennen. Denn der Wettbewerb um Fachkräfte vor Ort ist groß. So legen Fachkräfte in China vor allem Wert auf gute Aufstiegschancen im Unternehmen, wie eine neue Studie von Staufen zum Thema „War for Talents“ zeigt. „Der Wettbewerb in China ist riesig“, bestätigt auch Markus Franz, Leiter des Akademie-Bereichs bei Staufen und ehemaliger Geschäftsführer des Unternehmens in Shanghai. Er hat selbst Erfahrung mit der Mitarbeitersuche und –bindung in China. Gerade für Mittelständler könne die Fachkraftsuche in China herausfordernd sein, betont er. Unternehmen, die wissen was Fachkräfte in China wollen und wie diese zu behandeln sind, räumt er jedoch gute Chancen ein.

Fachkräfte in China schätzen vor allem eine gute Bezahlung (99 Prozent wichtig bis sehr wichtig), gute Aufstiegsmöglichkeiten (97 Prozent wichtig bis sehr wichtig), sowie einen sicheren Arbeitsplatz (97 Prozent wichtig bis sehr wichtig). Eine anspruchs

Fachkräfte in China schätzen vor allem eine gute Bezahlung (99 Prozent wichtig bis sehr wichtig), gute Aufstiegsmöglichkeiten (97 Prozent wichtig bis sehr wichtig), sowie einen sicheren Arbeitsplatz (97 Prozent wichtig bis sehr wichtig). Eine anspruchsvolle Arbeit halten dagegen nur 55 Prozent der chinesischen Fachkräfte für wichtig bis sehr wichtig.

Deutsche Unternehmen und chinesische Fachkräfte

„Grundsätzlich haben deutsche Unternehmen in China ein sehr gutes Image“, sagt Franz. Gerade mit deutschen Maschinen, Autos und Konsumgütern umgeben sich chinesische Unternehmen und Konsumenten gerne. Auch für Fachkräfte besitzen deutsche Marken daher Anziehungskraft. Doch von den hochausgebildeten Fachkräften, den High Potentials, gibt es in China, gemessen am Bedarf, zu wenig. Zwar ist der Anteil an Akademikern in China sehr hoch, erklärt Franz, wirkliche High Potentials mit Praxis-, Arbeits- und Teamerfahrung gäbe es aber nur wenige. Um diese ist der Wettbewerb umso größer. Wichtig ist für sie vor allem eine hohe Entlohnung, gute Aufstiegschancen und die Möglichkeit, sich neues Wissen anzueignen.

Laut Studie bewerten 97 Prozent der befragten Fachkräfte aus China es als wichtig oder sehr wichtig, dass das Unternehmen gute Aufstiegsmöglichkeiten bietet. Da der Loyalitätsfaktor für chinesische Fachkräfte oft eine eher untergeordnete Rolle spielt, ist es außerdem wichtig, dass sich die Fachkräfte im Unternehmen wohlfühlen und so eine enge Bindung zum Unternehmen aufbauen.

Um dies zu erreichen, rät Franz zu verschiedenen Ansätzen. So müssen das Umfeld und das Verhältnis zur Führungskraft stimmen. „Gerade Fachkräfte, die bereits wertvolle Auslandserfahrung mitbringen, wollen oft kein zu striktes Verhältnis zu ihrem Chef, sondern sind Fordern, Fördern und Mentoring gewohnt.“ Ansprechende Entlohnungspakete und Fortbildungen, die für jedes Geschäftsjahr neu geplant werden sollten, seien außerdem Anreize. Erfolgreiche Unternehmen seien grundsätzlich ansprechend für Fachkräfte, auch Nischenführer und wachsende Unternehmen sind dabei für chinesische Fachkräfte interessant.

Mittelständler: Fachkräfte in China selbst ausbilden

„Mittelständler sollten sich vor allem fragen: Was kann ich bieten, was andere nicht bieten?“, rät Franz Unternehmern. Sind hohe Gehälter für Mittelständler nicht immer möglich, um die High Potentials anzuwerben, besteht immer noch die Möglichkeit, Fachkräfte selbst aus- und fortzubilden. So besitzen viele Fachkräfte in China den nötigen theoretischen Background, bräuchten aber mehr praktische Erfahrung, um zeitnah möglichst effizient eingesetzt zu werden.

Franz rät Mittelständlern deshalb, selbst Programme aufzusetzen und Fachkräfte nach eigenen Vorstellungen und Bedarfen weiter- und auszubilden. Eine Möglichkeit, um hier Anreize zu schaffen, ist ein Bonussystem. Nehmen Arbeitnehmer an einem Entwicklungsprogramm teil und schließen dieses erfolgreich ab, so erhalten sie eine Bonuszahlung. Von diesem System profitieren nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Arbeitnehmer. Besonders das deutsche duale Ausbildungssystem ist in China bekannt und beliebt. Wollen Mittelständler ihre Fachkräfte darüber hinaus motivieren, so sind auch Besuche im Headquarter eines Mittelständlers in Deutschland und ähnliche Incentives für chinesische Mitarbeiter von großem Interesse.

Fachkräfte in Brasilien schätzen, wie auch Fachkräfte in China, vor allem gute Aufstiegschancen in Unternehmen als wichtig bis sehr wichtig ein (98 Prozent). Gute Bezahlung (99 Prozent wichtig bis sehr wichtig und einen sicheren Arbeitsplatz (93 Prozen

Fachkräfte in Brasilien schätzen, wie auch Fachkräfte in China, vor allem gute Aufstiegschancen in Unternehmen als wichtig bis sehr wichtig ein (98 Prozent). Gute Bezahlung (99 Prozent wichtig bis sehr wichtig und einen sicheren Arbeitsplatz (93 Prozent) schätzen außerdem viele Brasilianer. Im Gegensatz zu chinesischen Fachkräften schätzen Fachkräfte in Brasilien eine anspruchsvolle Tätigkeit oft als wichtig bis sehr wichtig ein (80 Prozent).

Fachkräfte in Brasilien aufstiegsorientiert

Das Image deutscher Unternehmen ist auch in Brasilien sehr gut. Gleich nach US-amerikanischen und britischen Unternehmen gelten deutsche Unternehmen als besonders ansprechende Arbeitgeber. Dabei schätzen 98 Prozent der Fachkräfte dort gute Aufstiegsmöglichkeiten als wichtig oder sehr wichtig ein. Nur 81 Prozent der deutschen Fachkräfte hingegen halten gute Aufstiegsmöglichkeiten für wichtig bis sehr wichtig. Eine gute Bezahlung, sowie einen sicheren Arbeitsplatz halten 99 Prozent beziehungsweise 93 Prozent der Brasilianer für wichtig oder sehr wichtig.

Neben einem großzügigen Gehalt sollten Mittelständler in Brasilien also weitere Anreize setzen, um Fachkräfte zu finden und an das Unternehmen zu binden. Hierzu gehören zum Beispiel Krankenversicherungen oder Fahrtkosten- und Verpflegungszuschüsse. Auch sind Firmenwagen und Zusatzversicherungen für Führungs- und Fachkräfte interessant. 
Während in China deutsche Unternehmen das beste Image genießen, liegen in Brasilien US-amerikanische und britische Unternehmen vorne. Doch auch in Brasilien genießen deutsche Unternehmen unter Fachkräften grundsätzlich ein sehr positives Image.

Während in China deutsche Unternehmen das beste Image genießen, liegen in Brasilien US-amerikanische und britische Unternehmen vorne. Doch auch in Brasilien genießen deutsche Unternehmen unter Fachkräften grundsätzlich ein sehr positives Image.

Quellen: Staufen, Markt und Mittelstand