Mittwoch, 01.07.2020

Das Unternehmen Holzhauer-Pumpen fertigt Pumpstationen für die Wasserversorgung und gehört zur Obermark-Gruppe. Quelle: Michael Hudler / Holzhauer

Zukunftsmärkte

„Was gut für Europa ist, ist auch gut für Deutschland“

Klare Regeln zum Brexit wären gut, doch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft kann weitaus mehr bewegen: im Gespräch mit Peter Sewing, Geschäftsführer der Obermark-Gruppe.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat kürzlich betont, er wünsche sich nach der Corona-Pandemie eine „Renaissance der Marktwirtschaft, um im globalen Wettbewerb dauerhaft bestehen zu können“. Das klingt schon mal gut. Denn um wettbewerbsfähig zu sein, braucht es Verantwortlichkeit, Innovation und Mut – allesamt Eigenschaften, die sich auch unter dem Begriff „Unternehmertum“ subsummieren lassen. Unternehmertum zeichnet vor allem mittelständische Unternehmen aus, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft – sowohl im Hinblick auf wirtschaftliche Aspekte als auch auf ein Wertesystem, das von Nachhaltigkeit und Verantwortung geprägt ist. 

Peter Sewing ist Geschäftsführer der Obermark-Gruppe, einer Industrieholding mit insgesamt sieben mittelständischen Portfoliounternehmen.

Bildquelle: Michael Hudler / Obermark

 

Deutsche EU-Ratspräsidentschaft: Vorteile für Mittelständler unklar

Was wir Mittelständler nun jedoch von der deutschen EU-Ratspräsidentschaft erwarten können, ist zumindest mir noch nicht klar. Wie so oft ziehen große Zahlen – Umsätze, Arbeitsplätze – die Aufmerksamkeit auf sich. Dabei stünde es Deutschland gut zu Gesicht, gerade bei kleineren Unternehmen EU-weit einen deutlicheren Schwerpunkt zu setzen. Genau dazu sollte die deutsche EU-Ratspräsidentschaft genutzt werden: den europäischen Mitgliedsstaaten die Stärken von Familienunternehmen aufzuzeigen. Denn letztlich werden es vor allem die Familienunternehmen sein, die nach der Corona-Krise den Aufschwung tragen.

Es wird darum gehen müssen, Unternehmen zu stärken, die vor der Krise ein funktionierendes und zukunftsträchtiges Geschäftsmodell hatten – und es auch danach noch haben. Und es gilt, die Digitalisierung und die Nachhaltigkeitsorientierung der Unternehmen, die gerettet und gestärkt werden, zu fördern. Ich finde es daher wichtig, dass Deutschland gerade in dieser Zeit des Wandels die EU-Ratspräsidentschaft innehat.

 

Mittelstand braucht klares Regelwerk

Gerade jetzt braucht es Klarheit, beispielsweise beim Brexit. Noch immer ist unklar, wie die Regeln nach dem Austritt Großbritanniens lauten. Unternehmen müssen sich jedoch möglichst frühzeitig auf ein neues Setting einstellen können. Das gilt auch für den europäischen Wiederaufbaufonds: Deutschland wird von den Mitteln profitieren, die von der EU zur Rettung und zum Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft bereitgestellt werden, jedenfalls sofern sie bestimmte Anforderungen erfüllen.

Etwas vereinfachend gesagt: Was gut für Europa ist, ist auch gut für Deutschland – gesellschaftlich und wirtschaftlich. Das Verständnis hierfür muss in der deutschen Gesellschaft und Wirtschaft immer wieder geweckt werden.