Freitag, 15.06.2018
Solide Vorbereitung: Um den windigen Brexit-Plänen der britischen und EU-Regierung nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, sollten Mittelständler auf mögliche Probleme jetzt schon konkrete Lösungen finden.

Bildquelle: Ramon Portelli/Thinkstock/Getty Images

Solide Vorbereitung: Um den windigen Brexit-Plänen der britischen und EU-Regierung nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, sollten Mittelständler auf mögliche Probleme jetzt schon konkrete Lösungen finden.

Zukunftsmärkte
Neuer Leitfaden

Wie kann sich der Mittelstand auf den Brexit konkret vorbereiten?

Neue Zölle, komplizierte Ursprungsregeln, ungültige Markenrechte und hürdenreiche Entsendungen sind nur einige Probleme, die Mittelständler durch den Brexit bekommen. Ein neuer Leitfaden zeigt Lösungen auf und gibt Handlungsempfehlungen.

Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen wird vom Brexit direkt oder indirekt betroffen sein. Ob er – wie ursprünglich beschlossen – Ende März 2019 vollzogen wird oder dank Übergangsphase erst einige Monate später, ändert nichts an dem Faktum: Es ist höchste Zeit für mittelständische Unternehmer, sich mit den möglichen konkreten Auswirkungen des Brexit zu beschäftigen und Vorkehrungen zu treffen, um die negativen Folgen fürs eigene Geschäft gering zu halten.

„Es ist klug, konkrete Fragen aus dem unternehmerischen Alltag und quer durch alle betrieblichen Funktionen zu stellen“, rät Hans-Toni Junius, der Vorsitzende des gemeinsamen Mittelstandsausschusses vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA). So könnte ein Unternehmer erkennen, wo Prozesse möglicherweise angepasst werden müssen – schon bevor die Änderungen in Kraft treten.

Die beiden Verbände haben daher gemeinsam mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) den Leitfaden „Der Brexit kommt – Was ist zu tun?“ herausgebracht, in dem Unternehmen Antworten auf 111 Fragen im Zusammenhang mit dem anstehenden Brexit erhalten. 

Neue Zölle auch bei Export in Drittstaaten

Eine wichtige Thematik für deutsche Mittelständler sind möglicherweise neu anfallende Zölle im Geschäft mit Großbritannien. Sowohl im direkten Warenaustausch könnten Abgaben fällig werden als auch bei Handelsbeziehungen mit Drittstaaten. Denn wenn britische Vorprodukte bei der Herstellung deutscher Produkte verwendet werden, gelten andere Ursprungsregeln.

Freihandelsabkommen, die zwischen der EU und einem dritten Export-Zielland gelten, werden dann nicht mehr greifen. Das erhöht für Mittelständler die Kosten für den Export. Der Brexit-Leitfaden rät, die Kalkulationen für Zolltarife schon jetzt anzupassen und zu prüfen, ob Vorprodukte aus Großbritannien durch solche aus einem anderen EU-Mitgliedsstaat ersetzt werden können. In jedem Fall, so warnt der Leitfaden, sollten Unternehmen mit einem steigenden bürokratischen Aufwand rechnen.

Markenrecht und Arbeitskräftemobilität

Zudem enthält der Leitfaden von BDI, BDA und VBW Details zur Überarbeitung von Verträgen mit britischen Partnern, zu notwendigen Patent- und Markenrechtsanpassungen und gibt Tipps für die Umschichtung von Krediten und Versicherungspolicen. Zudem finden Unternehmer, die deutsche Mitarbeiter nach Großbritannien entsandt haben oder entsenden möchten, Hinweise, wie sie dies managen können.

„Was die EU und Großbritannien bislang verhandelt haben, hilft Unternehmen nicht weiter“, kritisiert Hans-Toni Junius vom BDI und fordert Details zum künftigen Verhältnis über den Ärmelkanal hinweg. „Gerade mittelständische Unternehmen brauchen endlich  Klarheit darüber, welche Regeln und Verfahren ab Ende März 2019 gelten.“