Dienstag, 20.05.2014

Bildquelle: Deutsche Bahn AG

Zukunftsmärkte
EU und China unterzeichnen Abkommen

Zoll: China-Export für AEO wird einfacher

Die EU-Mitgliedsstaaten und China wollen zollrechtliche Sicherheits-Zertifizierungen von AEO gegenseitig anerkennen. Es ist nach den Verträgen mit den USA und Japan das dritte Abkommen dieser Art.


Die EU und China rücken in Sachen Zollwesen enger zusammen. Die beiden Wirtschaftsräume haben ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung ihrer Sicherheitsinitiativen und -zertifizierungen von Unternehmen unterzeichnet. Mit diesem Abkommen verpflichten sich die EU und China, als vertrauenswürdig angesehene Wirtschaftsteilnehmer (AEO) der jeweils anderen Seite anzuerkennen, damit diese Unternehmen zügiger kontrolliert werden können und die Zollabfertigung mit weniger Verwaltungsaufwand verbunden ist.

Weitere Beiträge zu den Themen „Zoll“ und „Export“ finden Sie auf unseren Themenseiten.

Export-Erleichterung erfordert Zertifizierung

Für deutsche Mittelständler bedeutet das, dass künftige jene Unternehmen beim China-Export mit Vorteilen rechnen dürfen, die den Status eines „zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten“ (AEO – authorized economic operator) der Stufe S oder F besitzen. Für sie wird der Export schneller, zuverlässiger und planbarer, weil weniger einzelfallbezogene Kontrollen vor einer Versendung anstehen.

Innerhalb der EU gibt es drei Stufen des zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten. Die unterste Stufe, AEO C („customs simplification“) ermöglicht den Unternehmen eine vereinfachte Zoll-Abfertigung. Für Firmen mit dem Zertifikat AEO S („security and safety“) reduziert sich die Menge an erforderlichen Unterlagen und Genehmigungen beim Export nochmals, sie werden als sicher und vertrauenswürdig angesehen. AEO F („Full“) ist eine Kombination beider Zertifikate. Der jeweilige Status wird vom Zoll bei Im- und Export im Vertragspartnerstaat risikomindernd berücksichtigt. „Der AEO-Status macht sich beim Zoll im Partnerland positiv bemerkbar“, erklärt ein Zoll-Experte gegenüber Markt und Mittelstand. Die Folge sind reduzierte Kontrollen und die Berücksichtigung des entsprechenden Status bei anderen sicherheitsbezogenen Maßnahmen. Derzeit sind in der EU etwa 15 000 Unternehmen als zugelassene Wirtschaftsbeteiligte (AEO) zertifiziert. Eine Pflicht zur Zertifizierung besteht allerdings nicht.

Export nach China schneller und planbarer

Auch wenn die Details des Abkommens zwischen der EU und China im Einzelnen noch fehlen, so erwarten Experten auf Basis der Erfahrungen mit den USA und Japan auch beim China-Export eine deutliche Vereinfachung, was die Zoll-Abwicklung betrifft. Wie auch schon in den anderen beiden Fällen sieht das Abkommen eine gegenseitige Anerkennung der nationalen Sicherheitszertifikate vor.

Algirdas Šemeta, EU-Kommissar für Steuern und Zollunion, der das Abkommen unterzeichnet hat, nennt neben der besseren Planbarkeit und der Schnelligkeit beim Export noch einen weiteren Vorteil des Abkommens, nämlich, dass „sich die Zollbehörden verstärkt auf diejenigen Bereiche konzentrieren können, in denen die wirklichen Risiken liegen.“

Mehr Export-Eigenverantwortung für Mittelständler

Dass der Zoll die Unternehmen vermehrt in die Eigenverantwortung entlässt, bestätigt auch Sandra Webster, Leiterin Auftragsmanagement Export beim Mittelständler Schmalz aus dem Schwarzwald. „Der Zoll verlagert viele Arbeitsschritte in die Betriebe, so bleibt mehr Zeit für die Kontrolle. Das Unternehmen hat seit Anfang 2012 den Status eines AEO C Wirtschaftsbeteiligten, der AEO F ist in Vorbereitung. Der Prozess von der Vorbereitung der Zertifizierung bis zur Erlangung des Status hat in etwa ein Jahr in Anspruch genommen.

Während Deutschland in den Verhandlungen der entsprechenden Abkommen der EU mit den USA und mit Japan direkt beteiligt war, hatten dieses Mal andere Mitgliedsstaaten die Federführung. Auf Seiten der EU verhandeln jeweils etwa drei bis vier Mitgliedsstaaten. Unterzeichnet wurde das Abkommen bereits, mit einer Veröffentlichung der Details zur Ausgestaltung und Abwicklung wird ihn den nächsten Wochen gerechnet.