Freitag, 12.06.2015
Die Anmeldung der Waren in Mexiko übernimmt ein Zollagent. Tipps und Kontakte erhalten Mittelständler bei den Auslandshandelskammern.

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Die Anmeldung der Waren in Mexiko übernimmt ein Zollagent. Tipps und Kontakte erhalten Mittelständler bei den Auslandshandelskammern.

Zukunftsmärkte
Dokumentenflut in Mexiko nicht unterschätzen

Zoll: Ursprungsnachweis sorgfältig ausfüllen

Bei der Deklarierung ihrer Exporte nach Mexiko gibt es für deutsche Mittelständler viele Feinheiten zu beachten. Insbesondere die Warenverkehrsbescheinigung kontrolliert der mexikanische Zoll akribisch.

Vom Freihandelsabkommen zwischen der EU und Mexiko Gebrauch zu machen, klingt einfacher als es ist. Beim Ausfüllen der Zollpapiere gibt es viele Kleinigkeiten zu beachten. Und auch die Zahlungsabwicklung mit dem Partner vor Ort kann schwierig sein.

Gemäß des Abkommens können sämtliche Industriegüter aus Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zollfrei nach Mexiko eingeführt werden. Um von der sogenannten Präferenzregelung profitieren zu können, muss deren Warenursprung in der Lieferantenerklärung aber ausdrücklich dargestellt sein. Die Angaben erfolgen in Form der Warenverkehrsbescheinigung EUR.1. Auch die HS-Position der Ausfuhrwaren müssen Exporteure auf dieser Bescheinigung angeben.

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EUR.1 nicht immer nötig

Bei einem Warenwert von weniger als 6.000 Euro reicht eine einfache Ursprungserklärung auf der Handelsrechnung als Präferenznachweis. "Mittelständler sollten vor dem Versand prüfen, ob ihre Lieferung unter diese Wertgrenze fällt", rät Isabel Ludwig, Zollrechtsexpertin der Kanzlei Rödl & Partner. Eine Hilfestellung zum Ausfüllen der EUR.1-Erklärung bietet der deutsche Zoll auf seiner Website an.

Die Ursprungsnachweise sind ab Ausstelldatum zehn Monate gültig. Wichtig ist, dass die exportierten Waren auf direktem Wege von der EU nach Mexiko gelangen. Bei voriger Zwischenlieferung in ein Drittland gelten die Präferenzregelungen nicht. Auch Waren, die in einem Drittland hergestellt wurden und über die EU nach Mexiko geliefert werden, haben keinen Anspruch auf Zollfreiheit.

Zollagent meldet Waren an

Die Warenanmeldung nimmt in Mexiko ein staatlich zertifizierter Zollagent vor. Er kontrolliert die richtige Deklarierung der eingeführten Güter und signiert alle Dokumente. Ein vertrauenswürdiger Partner kann Mittelständlern bei der Auswahl des Zollagenten helfen. Dieser Partner kann anschließend auch den Aufbau von Kundenbeziehungen oder die Vertriebsabwicklung vor Ort unterstützen. "Damit es dabei keine Probleme gibt, rate ich Firmen, die Wahl des Zollagenten gut zu überlegen und eine Person nicht nur wegen seines niedrigen Preises zu beauftragen", sagt Isabel Ludwig.

Laut Zollgesetzgebung kann sich jede in Mexiko geborene natürliche Person vom örtlichen Finanzministerium als Zollagent ermächtigen lassen. Speditionen verfügen meist über gute Kontakte. Auch die Industrie- und Auslandshandelskammern können wertvolle Tipps geben.

Neues Onlineportal vereinfacht die Prozedur

Deutlich vereinfacht wurden die Zollprozeduren mit Einführung des Onlineverfahrens im Jahr 2012. Alle benötigten Dokumente können nun zentral auf einer Plattform der Regierung  (dem "Ventanilla Unica") hochgeladen werden. Dazu zählen auch die Rechnungsdaten, die den Warenwert nachweisen. Das Internetportal prüft die Einfuhrdokumente und leitet sie an die Zollstellen weiter. Nach Übermittlung der Daten erstellt das System eine sogenannte COVE-Nummer, über die sich der Exporteur auf der Zollanmeldung identifiziert. Durch die Etablierung des Onlineverfahrens will sich der mexikanische Zoll vor falschen (beziehungsweise zu niedrigen) Angaben zum Warenwert schützen. Stichprobenartig veranlasst das elektronische System daher auch nähere Kontrollen der eingeführten Güter.

Info

  • Handelsrechnung in spanischer Sprache ab Warenwert von 300 US-Dollar
  • Zollanmeldung

  • internationalen Frachtbrief, Konnossement oder Luftfrachtbrief in spanischer Sprache

  • Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 ab Warenwert von 6.000 Euro
  • bei Warenwert von unter 6.000 Euro einfaches Ursprungszeugnis

  • gegebenenfalls Einfuhrlizenzen, gesundheitsamtliche Bescheinigungen oder Inspektionszertifikate

  • detaillierte Packliste

    Quelle: Germany Trade & Invest

Für die Zahlung von Lieferungen empfiehlt das Außenwirtschaftsportal Bayern das Akkreditivgeschäft. Hierbei verpflichtet sich die Bank des Importeurs rechtlich, gegenüber dem Exporteur oder dessen Bank fällige Rechnungen zu begleichen, sobald die Lieferung eingetroffen ist. Da das Akkreditiv für beide Seiten mit Gebühren verbunden ist, versuchen mexikanische Handelspartner hin und wieder, dessen Abschluss zu vermeiden. In diesem Fall können sich die Handelspartner auch auf die Vorauszahlung eines Teils oder der gesamten Lieferkosten einigen. Dies bevorzugen einige mexikanische Kunden. Auch Bankgarantien sind ein sicherer Zahlungsweg.