Dienstag, 01.12.2015
Durch Zollbegünstigungen gelangen Importgüter günstiger zum indischen Kunden.

Bildquelle: moodboard/Thinkstock/Getty Images

Durch Zollbegünstigungen gelangen Importgüter günstiger zum indischen Kunden.

Zukunftsmärkte
Kooperation mit Importeur ist entscheidend

Zollbegünstigungen in Indien

In Indien profitieren deutsche Mittelständler von Zollbegünstigungen. Besonders lohnend ist dies für Exporteure von Investitionsgütern. Markt und Mittelstand hat zusammengestellt, welche Branchen die Zollbegünstigungen noch nutzen können und wie.

Vonseiten der indischen Regierung gibt es eine ganze Reihe außertariflicher Zollvergünstigungen, die die indische Exportwirtschaft stärken sollen. Davon können auch deutsche Zulieferer profitieren, etwa Hersteller von Ausrüstung und Maschinen.

Generell brauchen Firmen eine Genehmigung (Licence) des indischen Generaldirektorats für Außenhandel (DGFT), um Zoll- und Steuervergünstigungen in Anspruch nehmen zu können. Die Lizenz muss der indische Importeur beantragen und bei der Einfuhr den Zollbehörden vorlegen. Eine frühzeitige Absprache mit dem indischen Kunden ist also von großer Bedeutung. 

Das DGFT veröffentlicht regelmäßig die sogenannten SIONs (Standard Input Output Norms), in denen der Bedarf an Importen im Verhältnis zu Exporten ermittelt wird. Diese Messgröße ist wichtig, wenn es darum geht, die abgabenfreie Importmenge festzulegen und variiert je nach Produktgruppe. Den ermittelten Bedarf vermerkt das DGFT in der Lizenz (entitlement). Die aktuellen Listen sind über die Internetpräsenz des DGFT verfügbar.

Programmvielfalt für Zollbegünstigungen

Waren, die zu Exportgütern weiterverarbeitet werden, können über das „Advanced Authorization Scheme“ (AAS) zollfrei eingeführt werden. Dies gilt besonders für Energieträger wie Öl, aber auch für die Zulieferung anderer Komponenten wie Kunststofferzeugnisse und Textilien. Das DGFT legt auf Grundlage der SION den Bedarf an Importwaren fest und vermerkt diesen in der Lizenz (entitlement). Nur für das AAS gilt, dass der Normenausschuss der Außenhandelsbehörde das Verhältnis von Import- und Exportwaren festlegt, falls keine SIONs für die Exportwaren existieren.

Eine enger gefasste Variante der Zollbegünstigung bietet das „Duty Free Import Authorization Scheme“ (DFIA). Es ermöglicht die abgabenfreie Einfuhr von bewilligten Vorprodukten wie Treibstoff, Öl, Energieträgern und Katalysatoren zur Herstellung von Exportgütern. Voraussetzung ist hier aber, dass eine entsprechende SION-Norm vorhanden ist.

Info

Zollbegünstigungen beim Import nach Indien

Advanced Authorization Scheme (AAS): Zollfreie Einfuhr von Komponenten, die in Exportgütern weiterverarbeitet werden. Mengenlizenz wird anhand der SION-Norm erteilt.

Duty Free Import Authorization Scheme (DFIA): Ermäßigter Zollsatz von 5 Prozent bei der Einfuhr von Vorprodukten wie Treibstoff, Öl, Energieträgern und Katalysatoren, die zur Herstellung von Exportgütern benötigt werden. Vorhandene SION-Norm notwendig.

Export Promotion Capital Goods Scheme (EPCG): Zollfreier Import von Investitionsgütern, die für die Herstellung sowie die Vor- und Nachbearbeitung von Exportgütern verwendet werden.

Regenerative Energien: fünfprozentiger Zollsatz beim Import von Ausrüstung und Geräten, die für den Bau von Kraftwerken zur Produktion von Strom aus regenerativen Energiequellen eingesetzt werden.

Zollbegünstigter Import von Investitionsgütern

Das „Export Promotion Capital Goods Scheme“ (EPCG) richtet sich an Importeure von Investitionsgütern wie Fertigungsmaschinen oder Computersoftware, die für die Herstellung sowie die Vor-und Nachbearbeitung von Exportgütern verwendet werden. Mit der entsprechenden Lizenzierung durch das DGFT und einem vorgeschriebenen Exportanteil können in Indien ansässige Firmen Investitionsgüter zu einem Zollsatz von 5 Prozent importieren. Im Agrarbereich kann dieser Zoll auch ganz entfallen.

Auch in der Nahrungsmittelindustrie werden vom DGFT lizenzierte indische Importeure von Investitionsgütern begünstigt. Die importierten Maschinen müssen für die Herstellung von für den Export vorgesehenen Lebensmitteln erworben worden sein. Pro Lizenzjahr ist eine Befreiung von Einfuhrabgaben in Höhe von 5 Prozent des FOB-Exportwertes vorgesehen.

Förderung auch von erneuerbaren Energien

Von Begünstigungen können auch Unternehmen aus der regenerativen Energiebranche profitieren. Seit 2005 gilt ein reduzierter Zollsatz von 5 Prozent für den Import von Ausrüstungen und Geräten, die für die Errichtung von Kraftwerken zur Produktion von Strom aus regenerativen Energiequellen benötigt werden. Dieser begünstigte Zollsatz gilt seit 2011 auch für Ausrüstung und Instrumente zur Errichtung von Solarkraftwerken. Um diese Zollbegünstigung in Anspruch zu nehmen, benötigt ein Unternehmen die Bewilligung des zuständigen Energieministeriums.

Zusätzlich gibt es in Indien seit 2005 ein „Accredited Clients Programme“ (ACP), das besonders vertrauenswürdigen indischen Importeuren Erleichterungen bei der Zollabwicklung und Warenüberprüfungen zugesteht. Aufgrund des hochaufwendigen Anerkennungsprozesses haben bisher jedoch nur sehr wenige Unternehmen diesen Status inne. Trotzdem empfiehlt es sich für deutsche Unternehmen zu überprüfen, ob sie diese Zollerleichterungen über ihren indischen Kunden in Anspruch nehmen können.

Aufgrund der Vielzahl von Möglichkeiten zur Zollbegünstigung empfiehlt es sich, frühzeitig Informationen zu den genauen Voraussetzungen einzuholen und mit dem indischen Kunden in Kontakt zu treten, ohne den die Beantragung einer Lizenz nicht möglich ist. Hilfestellung bieten sowohl die AHK in Indien als auch die Büros des DGFT, die in mehreren großen indischen Städten zu finden sind.