Mittwoch, 21.06.2017
„Wir sind Mittelstand“

Wo muss die Politik ran?

Im September wird ein neuer Bundestag gewählt. Was sich die Unternehmen von der Politik wünschen, haben wir sieben von ihnen gefragt.

Mit rund 34 Milliarden Euro hat die Bundesregierung 2014 bis 2016 die Forschung und Entwicklung in Deutschland gefördert. Damit sollen die Innovationsprozesse auch in kleinen und mittleren Unternehmen unterstützt werden. Was die Politik außerdem für die Wirtschaft tun sollte, sagen sieben Unternehmer.

Nils Beckmann, Gesellschafter, delta pronatura Dr. Krauss u. Dr. Beckmann KG, Egelsbach „Der Mittelstand stellt mehr als zwei Drittel der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Deutschland und ist somit das Rückgrat unserer Wirtschaft. Ich sehe aber oft, dass Politik und Presse ihren Schwerpunkt auf die Groß-Konzerne legen. Ein Nachteil für uns Mittelständler, denn wir brauchen diese Öffentlichkeit mindestens genauso. So haben wir zum Beispiel wesentlich mehr Aufwand, um qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen, obwohl wir sehr interessante Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätze bieten. Hinzu kommen Standortnachteile, weil wir am Rand der Ballungsgebiete unterversorgt sind in Bezug auf Highspeed Internet oder Breitband Anschlüssen. Ich wünsche mir also, dass die Politik mehr auf die Bedürfnisse des Mittelstands eingeht. Insofern freue ich mich sehr über den Besuch von Ministerpräsident Volker Bouffier zur Grundsteinlegung unseres neuen Hochregallagers, dem ersten Bauabschnitt im Rahmen einer zweistelligen Millionen-Investition am Standort Egelsbach.“<b>Nils Beckmann</b>, Gesellschafter, delta pronatura Dr. Krauss u. Dr. Beckmann KG, Egelsbach<br>
„Der Mittelstand stellt mehr als zwei Drittel der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Deutschland und ist somit das Rückgrat unserer Wirtschaft. Ich sehe aber oft, dass Politik und Presse ihren Schwerpunkt auf die Groß-Konzerne legen. Ein Nachteil für uns Mittelständler, denn wir brauchen diese Öffentlichkeit mindestens genauso. So haben wir zum Beispiel wesentlich mehr Aufwand, um qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen, obwohl wir sehr interessante Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätze bieten. Hinzu kommen Standortnachteile, weil wir am Rand der Ballungsgebiete unterversorgt sind in Bezug auf Highspeed Internet oder Breitband Anschlüssen. Ich wünsche mir also, dass die Politik mehr auf die Bedürfnisse des Mittelstands eingeht. Insofern freue ich mich sehr über den Besuch von Ministerpräsident Volker Bouffier zur Grundsteinlegung unseres neuen Hochregallagers, dem ersten Bauabschnitt im Rahmen einer zweistelligen Millionen-Investition am Standort Egelsbach.“Ramin Assadollahi, Gründer und CEO, ExB Labs GmbH, München „Künstliche Intelligenz wird menschliche Arbeit nicht ersetzen, sondern erleichtern. Denn sie gibt spezifisch menschlichen Fähigkeiten mehr Raum, indem sie uns geistige Fließbandarbeit abnimmt. Kann ein Arzt KI-gestützt tausende Forschungsarbeiten im Nu zur Diagnose heranziehen, kann er sich gezielter und mit mehr Zeit um seine Patienten kümmern. Wenn auch die Politik diese Potenziale der KI weiter fördert, können wir unserem Ruf als ‚Dichter und Denker‘ gerecht werden.“<b>Ramin Assadollahi</b>, Gründer und CEO, ExB Labs GmbH, München<br>
„Künstliche Intelligenz wird menschliche Arbeit nicht ersetzen, sondern erleichtern. Denn sie gibt spezifisch menschlichen Fähigkeiten mehr Raum, indem sie uns geistige Fließbandarbeit abnimmt. Kann ein Arzt KI-gestützt tausende Forschungsarbeiten im Nu zur Diagnose heranziehen, kann er sich gezielter und mit mehr Zeit um seine Patienten kümmern. Wenn auch die Politik diese Potenziale der KI weiter fördert, können wir unserem Ruf als ‚Dichter und Denker‘ gerecht werden.“Rainer M. Richter, Direktor Zentral- und Osteuropa, SentinelOne, Bad Homburg „Es ist schon erstaunlich, wie gerade von Seiten der Politik die im Mai 2018 in Kraft tretende EU-Datenschutzgrundverordnung praktisch ignoriert wird. Egal ob es sich dabei um die Verwendung von aktuellen Technologien handelt oder um die Konsequenzen für das jeweilige Management. Vielleicht hat der schwerwiegende Ransomware-Angriff „WannaCry“ zum dringend nötigen Umdenken geführt.“<b>Rainer M. Richter</b>, Direktor Zentral- und Osteuropa, SentinelOne, Bad Homburg<br>
„Es ist schon erstaunlich, wie gerade von Seiten der Politik die im Mai 2018 in Kraft tretende EU-Datenschutzgrundverordnung praktisch ignoriert wird. Egal ob es sich dabei um die Verwendung von aktuellen Technologien handelt oder um die Konsequenzen für das jeweilige Management. Vielleicht hat der schwerwiegende Ransomware-Angriff „WannaCry“ zum dringend nötigen Umdenken geführt.“Marion Winkler, General Manager, Exact Software Germany GmbH, Frankfurt „Internationale Investitionen und florierende Exporte zeigen: der Wirtschaftsmotor in Deutschland brummt – Techniken wie Cloud und Industrie 4.0 sei Dank. Die Politik sollte diese Entwicklungen unterstützen und für Unternehmen die Basis schaffen, digitale Prozesse länderübergreifend und einfach zu gestalten. Das bedeutet Abbau bürokratischer Hürden und Ausbau der intereuropäischen Zusammenarbeit, konkret etwa durch bessere Breitband-Infrastruktur. Nur so kann Digitalisierung nachhaltig sein und Deutschland langfristig von den technologischen Möglichkeiten profitieren.“<b>Marion Winkler</b>, General Manager, Exact Software Germany GmbH, Frankfurt<br>
„Internationale Investitionen und florierende Exporte zeigen: der Wirtschaftsmotor in Deutschland brummt – Techniken wie Cloud und Industrie 4.0 sei Dank. Die Politik sollte diese Entwicklungen unterstützen und für Unternehmen die Basis schaffen, digitale Prozesse länderübergreifend und einfach zu gestalten. Das bedeutet Abbau bürokratischer Hürden und Ausbau der intereuropäischen Zusammenarbeit, konkret etwa durch bessere Breitband-Infrastruktur. Nur so kann Digitalisierung nachhaltig sein und Deutschland langfristig von den technologischen Möglichkeiten profitieren.“Manfred Kappel, Geschäftsführender Gesellschafter Agenda Informationssysteme GmbH & Co. KG, Rosenheim „Als mittelständischer Software-Anbieter außerhalb des Ballungsraumes München konkurrieren wir mit Unternehmen in der Landeshauptstadt um Fachkräfte. Eine Erhöhung der Entfernungspauschale für die tägliche Fahrt zum Arbeitsplatz würde uns helfen, Pendlern echte Anreize zu geben. Die aktuelle Obergrenze von 0,30 Euro pro Entfernungskilometer spiegelt die realen Fahrtkosten längst nicht mehr wieder. Wenn der Gesetzgeber diese entsprechend anpasst, können Mittelständler potenziellen Mitarbeitern ein wesentlich attraktiveres Gesamtpaket anbieten.“<b>Manfred Kappel</b>, Geschäftsführender Gesellschafter Agenda Informationssysteme GmbH & Co. KG, Rosenheim<br>
„Als mittelständischer Software-Anbieter außerhalb des Ballungsraumes München konkurrieren wir mit Unternehmen in der Landeshauptstadt um Fachkräfte. Eine Erhöhung der Entfernungspauschale für die tägliche Fahrt zum Arbeitsplatz würde uns helfen, Pendlern echte Anreize zu geben. Die aktuelle Obergrenze von 0,30 Euro pro Entfernungskilometer spiegelt die realen Fahrtkosten längst nicht mehr wieder. Wenn der Gesetzgeber diese entsprechend anpasst, können Mittelständler potenziellen Mitarbeitern ein wesentlich attraktiveres Gesamtpaket anbieten.“<b>Tobias Wirth</b>, Geschäftsführer, fly-tech IT GmbH & Co. KG, Mering<br>
„Mehr Flexibilität und eine bessere Work-Life-Balance für die Mitarbeiter: Die Digitalisierung macht es eigentlich längst möglich. Als IT-Dienstleister für mittelständische Unternehmen spüren wir in den Führungsetagen allerdings häufig Vorbehalte. Warum? Weil die deutschen Arbeitszeitgesetze flexiblen Formen der Zusammenarbeit im Wege stehen. Weil schon die Einführung eines Kollaborations-Tools Unternehmen in eine rechtliche Grauzone bringen kann. Hier muss die Politik nachbessern.“Anton Kreuzer, CEO, DriveLock SE, München „Die Bundesregierung sollte faire und konkurrenzfähige Umgebungen schaffen. Dazu gehört Bildung und Förderung von Kernkompetenzen in vielen Industriezweigen und Digitalisierung in Behörden. Durch Grenzen-Abschaffung in Europa können Ausländer besser in die Arbeitswelt integriert werden. Das Steuergesetz muss dringend geändert werden, da der Mittelstand die größte Steuerlast trägt. Mit gesetzlicher Flexibilität für Arbeitgeber und -nehmer können Unternehmen besser auf Marktanforderungen reagieren.“<b>Anton Kreuzer</b>, CEO, DriveLock SE, München<br>
„Die Bundesregierung sollte faire und konkurrenzfähige Umgebungen schaffen. Dazu gehört Bildung und Förderung von Kernkompetenzen in vielen Industriezweigen und Digitalisierung in Behörden. Durch Grenzen-Abschaffung in Europa können Ausländer besser in die Arbeitswelt integriert werden. Das Steuergesetz muss dringend geändert werden, da der Mittelstand die größte Steuerlast trägt. Mit gesetzlicher Flexibilität für Arbeitgeber und -nehmer können Unternehmen besser auf Marktanforderungen reagieren.“