Donnerstag, 04.11.2021

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Steuergeld: Der Ruf nach mehr Steuern stößt bei Unternehmen in Deutschland auf Unverständnis.

Finanzierung
Gastbeitrag

Hohe Steuerlast: Unternehmensstandort Deutschland fällt durch

Ein Unternehmen am Standort Deutschland zu betreiben ist eine kostspielige Angelegenheit. Startups, Mittelständler und Familienunternehmen ächzen unter einer im weltweiten Vergleich besonders hohen Steuerlast.

Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021 war eine höhere Besteuerung von Unternehmen und von Reichen in der Diskussion. Forderungen nach einer Reichensteuer, Vermögenssteuer und Digitalsteuer für Tech-Firmen wurden erhoben. Gerade die an den Koalitionsverhandlungen beteiligten Parteien SPD und Grüne riefen besonders laut nach mehr Abgaben. Wohlhabende Menschen sowie große Konzerne sollen stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligt werden, heißt es etwa im Wahlprogramm der Grünen. Die FDP stellt sich hingegen klar gegen Steuererhöhungen und tritt für Senkungen ein. In den Koalitionsverhandlungen der Ampel-Parteien wird bereits klar, dass es zumindest zu keinen Entlastungen für Firmen kommen wird.

Der Ruf nach mehr Steuern stößt bei Unternehmen in Deutschland auf Unverständnis. Denn die Last ist ohnehin groß: Gewerbebetriebe am Standort Deutschland haben 2019 rund 158 Milliarden Euro an Steuern bezahlt. 2020 waren sie coronabedingt mit etwa 126,9 Milliarden Euro etwas geringer. Der Bundesverband der Deutschen Industrie geht von einem deutlichen Anstieg in den kommenden Jahren aus: 2024 werden Betriebe in Deutschland 167 Milliarden Euro an Gewerbe-, Körperschafts- und Einkommensteuer berappen müssen.

International Spitzenreiter in der Besteuerung

Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit nicht (Steuer)-Wettbewerbsfähig. Auf der Rangliste des "Internationalen Index der Steuerwettbewerbsfähigkeit 2020" landet die Bundesrepublik auf Platz 15. Deutlich bessere Bedingungen finden Firmen demnach in Ländern wie Estland, Lettland, der Schweiz, Luxemburg, Litauen und Schweden. Im Bereich der Körperschaftssteuer schafft es Deutschland nur auf den 29. Rang, knapp vor Südkorea oder Japan. Punkten kann das Land mit internationalen Steuervorschriften (Rand 7) und derzeit noch mit der geringen Vermögenssteuer (Rang 11). Estland verfügt aus Unternehmersicht über das beste Steuersystem der OECD. Vier Merkmale sind entscheidend für das gute Abschneiden: Die Körperschaftsteuer in Höhe von 20 Prozent wird nur auf ausgeschüttete Gewinne erhoben. Persönliche Einkommen werden pauschal mit 20 Prozent besteuert, was jedoch nicht für persönliche Dividendenerträge gilt. Zudem muss die Grundsteuer nur für den Wert des Grundstücks berappt werden, andere Werte bleiben außen vor. Ein weiteres Plus für international tätige Unternehmen, die in Estland ihren Sitz haben: Das Steuersystem befreit mit wenigen Einschränkungen die durch inländische Unternehmen im Ausland erzeugten Gewinne von den nationalen Steuer

Firmensitz ins Ausland verlagern als Option

Die vergleichsweise geringe Steuer in Nachbarländern zusammen mit der hohen Steuerlast hierzulande führt unweigerlich dazu, dass sich Gründer genau überlegen, wo sie ihr Unternehmen ansiedeln. Immer häufiger fällt Deutschland in dieser Abwägung durch, denn Steuersätze sind für die Investitionsentscheidungen von enormer Bedeutung. Das eigentlich deutsche Unternehmen Schippke Consulting hat seinen Sitz in der Schweiz. In den vergangenen neun Jahren habe ich im Auftrag von Klienten Gesellschaften unter anderem in der Schweiz, Liechtenstein, Hong Kong, den USA und der Schweiz gegründet.

Laut dem Bundeszentralamt für Steuern mussten Firmen in Bulgarien 2019 beispielsweise nur zehn Prozent an Steuern wie Körperschafts-, Gewerbe- und vergleichbarer Steuern zahlen. Auch in Ungarn, Irland und Zypern sind es kaum mehr. Selbst in Schweden, Dänemark, Norwegen und Portugal liegen die Unternehmenssteuern nur bei rund 22 Prozent. Deutschland verlangt von den Kapitalgesellschaften jedoch 29,9 Prozent vom Gewinn. Auch während der Corona-Krise wurden die Firmen hierzulande nicht entlastet: 2020 stieg Deutschland vom vierten auf den dritten Rang der international höchsten Unternehmensbesteuerung. In Frankreich wurden nur noch 28,9 Prozent fällig – und damit 3,1 Prozentpunkte weniger. In Belgien sank die steuerliche Belastung für Unternehmen 2020 sogar um 4 Prozentpunkte auf 25 Prozent.

Über den Autor

Marc Schippke ist Wirtschaftsberater, gebürtig in Berlin, lebt seit 2014 in der Schweiz und hat seit drei Jahren seinen Zweitwohnsitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sein Unternehmen, die Schippke Wirtschaftsberatung AG, hat mehr als 750 Unternehmerinnen und Unternehmer dabei beraten, wie sie legal ihre Steuerbelastung halbieren, um mehr wirtschaftliche, finanzielle und persönliche Freiheiten für sich und ihre Familien zu gewinnen.

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