Dienstag, 23.03.2021

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Private Geldanlage: In Krisenzeiten wird das Aktieninvestment zur Pflicht.

Finanzierung
Gastbeitrag

Geld anlegen in der Krise: Warum man jetzt in Aktien investieren sollte

Negativzins und Inflationsgefahr – Wer jetzt nicht investiert und weiterhin aufs Sparen setzt, wird sein Geld verlieren. Warum Aktieninvestments sinnvoller sind und was das mit dem Mindset zu tun hat.

UMWA

Ulrich Müller ist Börseninvestor und -experte mit 27 Jahren Erfahrung an der Börse. Er ist Gründer der Ulrich Müller Wealth Academy.

Wir müssen von Sparern zu Investoren werden, sonst verlieren wir unser Geld. Gerade die Deutschen tun sich jedoch schwer mit dem Investieren. Sie gelten allgemein als aktienscheu. Laut Deutschem Aktieninstitut legten im Vergleich zu 2019 im letzten Jahr zwar 2,7 Millionen Menschen mehr Geld in Aktien, Aktienfonds oder börsengehandelter Indexfonds an. Jedoch ist der Anteil an der Bevölkerung mit 17,4 Prozent im Gegensatz zu den 40 Prozent Girokonto- und 37 Prozent Sparbuch-Sparern immer noch gering. Woran liegt das?

Die Gründe der Aktienscheu sind vielfältig. Insbesondere beim Geldanlegen lassen sich aber viele von ihrer Angst leiten, was zu überstürzten und verlustreichen Handlungen führt. Man spricht hier auch vom falschen Mindset. Das Mindset oder auch Mentalität ist die innere Haltung eines Menschen mit seinen Denkweisen, Überzeugungen und Verhaltensmustern. Geht es bei diesen Denk- und Verhaltensweisen ums Geld, spricht man auch vom Money-Mindset. Das Money-Mindset des Sparers ist schwach. Es zeichnet sich durch die Angst vorm Geldverlust aus. Aktien sehen Sparer ausschließlich als spekulative Geldanlage, welche Pleiten, Krisen und Börsencrashs auslöst.

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Von der anderen Seite betrachtet, bieten Börsencrashs jedoch günstige Kaufgelegenheiten für Aktien. Und mit der richtigen Strategie verliert keiner so leicht sein Geld, sondern steigert seine Rendite langfristig. Viele Sparer wissen zudem nicht, dass sie gerade mit dem vermeintlich sicheren Sparbuch- oder Girokontosparen ihr Geld entwerten. Die Angst führt demnach zu falschen Annahmen über das Sparen und Investieren. Ein Blick auf die Zahlen, Daten und Fakten hilft, die Angst zu besiegen und fördert das Money-Mindset.

Aktiencrash als Einstieg nutzen

Viele Sparer haben Angst vor großen Pleiten und Aktiencrashs. Das muss nicht sein, das Beispiel vom Corona-Crash beweist es. Vor einem Jahr schlugen weltweit die Corona-Pandemie und mehrere Lockdowns auf die Börsen ein. Am 9. März 2020 brach der Deutsche Aktienindex zum Handelsstart um 8,2 Prozent ein, so viel wie zuletzt am 11. September 2011. Weitere Indizes wie der Dow Jones und der Eurostoxx 50 folgten in der darauffolgenden Zeit mit einem Minus von knapp 40 Prozent. An den Börsen gab es nur noch ein Wort: Crash. Die Aktienmärkte erholten sich jedoch rasant und stiegen zu neuen Höchstständen auf. Spätestens jetzt, ein Jahr nach dem Corona-Crash, ärgern sich Aktienmuffel besonders beim Blick ins Sparbuch. Ihre Sparbuch-Zinsen gehen gegen Null und viele Aktien stiegen. Der deutsche Aktienindex legte beispielsweise seit dem Corona-Crash im März um 70 Prozent zu. Mancher Sparer wog sich mit seinem Geld auf dem Girokonto oder Sparbuch damals in Sicherheit. Ein Fehler, denn Aktien-Crashs eröffnen beste Chancen für einen günstigen Einstieg. Sparer sollten die hohen Renditen nicht so leichtfertig verschenken.

Keine Rendite verschenken

Nach einer Studie der deutschen Bundesbank ließen die Deutschen im dritten Quartal 2020 rund 2,7 Billionen Euro nahezu zinslos auf Bankkonten liegen. Die Zinsen betrugen oftmals nur 0,01 Prozent oder weniger pro Jahr. Durch ihr Sparverhalten verschenken sie bei einer möglichen 2 Prozent Rendite pro Jahr rund 54 Milliarden. Wobei mit Aktieninvestments oft deutlich höhere Renditen erzielt werden können. Ein Anleger, der zum Beispiel Ende 2008 die Aktie des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble erwarb und 2020 wieder verkaufte, erzielte eine jährliche Rendite von durchschnittlich 8,4 Prozent. Ebenso beim Pharmazie- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson hätten Sparer von 2008 bis 2020 eine jährliche Rendite von durchschnittlich 9,8 Prozent erhalten. Trotz der jährlichen Inflation hätten sie ihr Geld also deutlich vermehren können. Dabei wissen viele nicht, dass sie beim nicht investieren nicht nur Geld verschenken, sondern auch Geld verlieren. Die Inflation sollten Sparbuch-Sparer unbedingt berücksichtigen.

Inflation berücksichtigen

Die derzeitige expansive Geldpolitik führt dazu, dass die Geldmenge ansteigt. Damit steigen auch die Preise für Waren und Dienstleitungen. Sparer, die ihr Geld auf dem Konto horten, werden zusehen, wie die Inflation den Wert ihres Geldes verringert. Bei 1,4 bis 1,9 Prozent jährlicher Inflationsrate verlieren die Sparer jedes Jahr Geld. Aktien dagegen schützen Anleger vor der Inflation, weil Unternehmensanteile gekauft werden und somit in Sachwerte investiert wird. Es kommt aber auf die Auswahl an. Wichtig ist, die Branche und die fundamentalen Daten der Aktiengesellschaften mit Blick auf die Inflation zu betrachten. Wenn ein Unternehmen global handelt, ist es besser geschützt, weil die Inflationsraten in einzelnen Ländern verschieden sind. Wer zudem unverzichtbare Produkte herstellt, hat oft Preissetzungsmacht und kann höhere Produktpreise durchsetzen. Große Konzerne der Nahrungsmittel- und Konsumgüterbranche können demzufolge den sicheren Hafen bieten. Plus die richtige Strategie, steht der Rendite nichts mehr im Wege.

Die richtige Strategie wählen

Aktien sind vom Grundsatz her eine spekulative Geldanlage. Bilanzskandale, Bankenpleiten und Dotcom-Blase bestätigen dies. Mit Blick auf verlustreiche Börsenereignisse lassen sich die Ängste der Deutschen auch nachvollziehen. Sie verstehen die Gründe für Pleiten und Krisen jedoch selten im vollen Umfang. Zudem wird über mögliche Szenarien und Wahrscheinlichkeiten nicht nachgedacht. Wie wahrscheinlich ist ein Aufschwung oder weiterer Abschwung nach einem Crash? Und was muss eintreten, damit es in die eine oder andere Richtung geht? Dabei müssen Anleger einer passiven Strategie sich diese Fragen gar nicht stellen. Mit einer langfristig diversifizierten Buy and Hold Strategie von Indexfonds oder Einzelaktien übersteht man Krisen, indem man seine Aktienwerte nicht berührt und bei niedrigen Kursen dazukauft. Das ist antizyklisches Handeln, entgegen dem Trend der Masse. Hier liegt der Schlüssel für erfolgreiches und sicheres Investieren.

Die Zahlen, Daten und Fakten zum Sparen oder Investieren machen deutlich, dass in Krisenzeiten das Aktieninvestment zur Pflicht wird. Angst führt zu falschen Annahmen, die keinen Schutz vorm Geldverlust bietet. Sparer, die jetzt nicht investieren, werden ihr Geld verlieren. Zunächst gilt für sie ihre Aktien-Angst und Sicherheitsdenken zu überwinden. Sich dabei die Fakten bewusst zu machen und diese langfristig ins Handeln zu übertragen, sind die richtigen Schritte zu einem starken Money-Mindset.

Der Börseninvestor und -experte Ulrich Müller hat 27 Jahre Erfahrung an der Börse und ist Gründer der Ulrich Müller Wealth Academy. Vor der Gründung der Wealth Academy war der studierte Finanzwirt 14 Jahre als Investmentberater tätig. Über Jahre entwickelte er seine eigene Analyse und Bewertungssysteme, die er in der Academy nun an private Anleger weitergibt.

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