Montag, 26.08.2019
Keine Berührungsängste: Der Maschinenbauer Amicra finanziert sich seit der Gründung mit Hilfe von verschiedenen Investoren.

Foto: ASM AMICRA Microtechnologies GmbH

Keine Berührungsängste: Der Maschinenbauer Amicra finanziert sich seit der Gründung mit Hilfe von verschiedenen Investoren.

Finanzierung
Gesellschafterwechsel

Investorensuche: Darauf sollten Mittelständler achten

Amicra-Mitgründer Rudolf Kaiser musste sich in der Geschichte des Unternehmens schon häufiger auf einen neuen Investor einstellen. Er weiß, worauf man bei der Suche nach einem Geldgeber achten sollte.

Schon bei der Gründung ihres Unternehmens Amicra im Jahr 2001 holten Rudolf Kaiser und Horst Lapsien externe Investoren mit an Bord, in Form eines Pilotkunden und eines ehemaligen Arbeitgebers. „Wir kamen beide von der technischen, von der Produktseite“, erinnert sich Kaiser heute. Zudem waren die Investitionskosten für ihn und seinen Geschäftspartner zu hoch. „Ein Unternehmen ohne Geldgeber zu gründen, geht nur sehr schwer.“

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Das galt im Falle von Amicra umso mehr. Zum einen, weil von vornherein die Internationalisierung auf dem Programm stand – und gezielt forciert wurde. Schon der zweite Kunde des Maschinenbauers war ein amerikanischer, auch heute macht das Unternehmen, das sein Hauptgeschäft mit Hochgenauen Die-Bonder (Montageautomaten) in der Halbleiterindustrie und der Optoelektronik macht, gerade einmal 5 Prozent des Umsatzes in Europa. Zum anderen geriet der für Amicra wichtige Fiberoptikmarkt unmittelbar nach der Gründung des Unternehmens in eine jahrelange Krise.

Glück bei der Investorensuche

Rudolf Kaiser ist Geschäftsführer von Amicra.

Foto: ASM AMICRA Microtechnologies GmbH

Rudolf Kaiser ist Geschäftsführer von Amicra.

Amicra selbst konnte sich unter anderem dadurch retten, dass es sich vorrübergehend auf die Wurzeln besann und Sondermaschinenbau im Bereich von hochgenaue Plazieren entwickelte. Der Pilotkunde und Gründungsgesellschafter, der infolge der Krise in die Insolvenz ging, wurde erst durch einen weiteren externen Investor und dann nach einigen Jahren durch die Investmentgesellschaft der lokalen Sparkasse ersetzt. Die wiederum war auch dabei, als 2013 im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit dem auf mittelständische Unternehmen spezialisierten Private-Equity-Investor Co-Investor eine weitere Investmentgesellschaft einstieg – und sich der Anteil von Hr. Kaiser und Hr. Lapsien von jeweils 32 auf jeweils 15 Prozent etwa halbierte. „In unserer Arbeit hat das aber kaum einen Unterschied gemacht, auch vorher schon wurden die Entscheidungen gemeinsam mit den unterschiedlichen Gesellschaftern getroffen“, sagt Kaiser.

Ihm ist aber auch bewusst, dass sie durchaus Glück hatten bei der Investorensuche. „Es ist schon ein Unterschied, ob man in ein Maschinenbauunternehmen investiert oder in eine Softwarefirma“, sagt er, und das müssten auch Investoren erkennen. „Man braucht viel mehr Kapital, vor allem um Aufträge vorzufinanzieren, und um Demonstrationsanlagen zu bauen.“ Daher sei es sinnvoll, wenn die Investoren Erfahrung in der Branche hätten – oder es zumindest einen Mittler gebe, dem beide vertrauen. Bei Amicra wurde zum Beispiel auf Vorschlag der Investoren ein externer und technisch versierter Gründer als regelmäßiger Gast zu Beiratssitzungen eingeladen. „Es ist wichtig, dass man in einem kleinen Kreis mit jemandem diskutieren kann, der ähnliches erlebt hat wie man selbst“, sagt Kaiser rückblickend. 

 

Ziel: Wachstum des Unternehmens

Neben dieser Vernetzung mit solchen „Sparringspartnern“ habe Amicra auch vom strategischen Know-how profitiert. „Die Investoren haben uns zwar strategisch geleitet, aber nicht die Strategie vorgegeben“, sagt Kaiser. „Sie haben vor allem dafür gesorgt, dass wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren.“ Wobei das Ziel vor allem im Unternehmenswachstum lag – schließlich wolle der Investor irgendwann mit Gewinn wieder aussteigen. Das müsse man sich immer wieder bewusst machen, sagt Kaiser. Bei Amicra klappte das mit dem Wachstum: zwischen 2013 und 2017 stieg der Umsatz von rund 8 auf rund 30 Millionen Euro.

Aber bei allen Zahlen muss es auch menschlich passen. „Das ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt“, glaubt Kaiser. Dabei spiele aber auch Glück eine Rolle, da der gewünschte Investor auch zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen muss. „Es kann zum Beispiel immer sein, dass der eigentliche Wunschinvestor zwar grundsätzlich interessiert ist, aber momentan keine Ressourcen dafür hat, oder lieber ein größeres Investment tätigen will.“

Für Rudolf Kaiser und Amicra dürfte die Investorensuche fürs Erste aber ohnehin abgeschlossen sein. Denn seit April 2018 gehört das Unternehmen als eigenständige Tochter zum ASMPT-Konzern. Alle bisherigen Gesellschafter haben ihre Anteile an das Unternehmen aus Singapur verkauft. Beide Gründer, Kaiser und Lapsien, bleiben Geschäftsführer von ASM Amicra, sind dort aber jetzt angestellt.