Donnerstag, 13.02.2020

Foto: Aktion Plagiarius e.V.

Plagiarius-Gewinner: Die Hersteller des „Nicer Dicer Quick“ entdeckten die chinesische Fälschung (rechts im Bild) auf einer Messe.

Recht & Steuern
Plagiate stammen nicht nur aus China

Produktpiraterie: Unerwünschte Komplimente

Dreiste Fälle von Produktpiraterie öffentlich machen und die Verantwortlichen hinter dem Ideenklau anprangern – das ist Ziel der „Aktion Plagiarius“. Auch in diesem Jahr wurden auf der Messe „Ambiente“ wieder die schamlosesten Fälschungen und Plagiate von Markenprodukten ausgezeichnet.

Erneut Opfer von Produktpiraterie wurde der Küchengerätehersteller „Genius“ aus Limburg: Die Nachahmung seines Schneidegeräts „Nicer Dicer Quick“ aus fernöstlicher Fälscherwerkstatt landete auf dem ersten Platz. Von Produktpiraterie bedroht sind vor allem innovative und designstarke Produkte, deren Entwicklung zwar viel Geld kostet, die sich aber günstig herstellen lassen. Bei solchen Plagiaten sind die Gewinnspannen enorm. Das Gros der qualitativ oft minderwertigen Nachahmungen stammt nach wie vor aus Fernost, vor allem aus China. Dort gilt das Kopieren erfolgreicher Produkte als Kompliment an den Originalhersteller. Auf eine solche Anerkennung können die meisten Unternehmen jedoch vermutlich verzichten – zumal unter minderwertigen Kopien das Image der Originalmarke in Mitleidenschaft gezogen werden kann. 

Aktuelles aus dem Mittelstand: Folgen Sie uns auf Zum Linkedin Profil von Markt und Mittelstand und Zum Linkedin Profil von Markt und Mittelstand


Die Preisträger des Plagiarius 2020

Links Original: Genius GmbH, Limburg, Deutschland
</br>
Rechts Fälschung: Ningbo A-Biao Plastic Industry & Trade Co., Ltd., VR China
</br>
</br>
Ein besonders dreister, weil umfassender Fall von Produktpiraterie: Der chinesische Fälscher kopierte nicht nur das Produkt- und Verpackungsdesign, sondern auch den Firmennamen „Genius“, den Produktnamen „Nicer Dicer Quick“ sowie Text und Abbildungen der englischsprachigen Bedienungsanleitung – lediglich das Firmen-Logo wurde wegretuschiert.Links Original: Kayser Berndorf GmbH, Wien, Österreich
</br>
Rechts Fälschung: Vertrieb: Female Foods BV, Woerden, Niederlande (liquidiert)
</br>
</br>
Gefahr für Leib und Leben: Die Fälschungen aus den Niederlanden erfüllen keinerlei Qualitäts- und Sicherheitsstandards – so explodierte eine gefälschte Kapsel bei normalen Lagerbedingungen und ohne Fremdeinwirkung. Hinzu kommt: Das Material rostet und ist nicht lebensmittelecht. Das Gas in den Kapseln weist Verunreinigungen auf. Links Original: JULIUS-K9 Zrt., Szigetszentmiklós, Ungarn
</br>
Rechts Fälschung: Shenzhen Dog Favors Pet Supplies Co., Ltd., VR China
</br>
</br>
Der Fälscher aus China kopiert das Produkt sowie die Marke „JULIUS-K9“ eins zu eins. Die minderwertigen Materialien und Reflektoren wirken sich negativ auf Tragekomfort, Sichtbarkeit und Langlebigkeit aus.Links Original: Wenger S.A., Delémont, Schweiz
</br>
Rechts Plagiat: Herstellung: VR China / Vertrieb: Swiss Bag, Jerusalem, Israel
</br>
</br>
Obwohl der Markenname selbst durch dieses Plagiat nicht verletzt wird, kopiert der Fälscher das vom Outdoor-Hersteller Wenger geschützte Markenemblem (Kreuz auf einem Quadrat). Die israelische Swiss Bag vertreibt in ihrem Online-Shop Originalprodukte und Plagiate von Wenger gleichermaßen.Links Original: Haaga Kehrsysteme GmbH, Ebersbach, Deutschland
</br>
Rechts Plagiat: Artred Smart Tech Co., Ltd., VR China
</br>
</br>
Das Plagiat wurde auf einer Messe in den USA entdeckt. Versuche von Haaga, über Dritte aus China, den USA und Russland an ein Muster des Plagiats zu kommen, um dagegen vorgehen zu können, blieben bislang erfolglos.Links Original: Nyta UG (haftungsbeschränkt), Karlsruhe, Deutschland
</br>
Rechts Plagiat: Licht-Design Skapetze GmbH & Co. KG, Simbach, Deutschland
</br>
</br>
Das niedrigpreisige Plagiat ist in Bezug auf Materialien und Verarbeitung extrem minderwertig. Skapetze bestreitet, dass es sich um ein Plagiat handelt, und weigert sich, den Vertrieb einzustellen.Links Original: SILIKOMART S.r.l., Mellaredo di Pianiga, Italien
</br>
Rechts Plagiat: Vertrieb: Chinesischer Händler, der auf Messen und über Amazon verkauft
Versand: über einen weiteren chinesischen Händler
</br>
</br>
Backformklau zur Profitmaximierung: Das Plagiat ist teurer als das Original. Der italienische Originalhersteller wurde von einem Endkonsumenten auf das gefälschte Produkt aufmerksam gemacht. Nach der Produkteinführung dauerte es lediglich ein halbes Jahr, bis das erste Plagiat auf den Markt kam.

Ein effizientes Vorgehen gegen die Produktpiraten ist nur dann möglich, wenn die Hersteller ihre Produkte mit Schutzrechten – etwa mit Marken, Patenten oder Designschutz – ausstatten. „Wer darauf verzichtet, ist selbst schuld, wenn er nicht gegen ein Plagiat vorgehen kann“, betont Aliki Busse, die als Fachanwältin für Gewerblichen Rechtsschutz in der Plagiarius-Jury sitzt. 

Dass es bei Produktpiraterie nicht nur um entgangene Gewinne und Imageeinbußen geht, sondern minderwertige Kopien auch gefährlich sein können, zeigt der Fall der kopierten Sahnekapseln des österreichischen Originalherstellers Kayser. Bei einem Produkttest „Original versus Fälschung“ explodierten die Nachahmer-Kapseln, vertrieben durch ein niederländisches Unternehmen, bei einer Temperatur von etwa 60 Grad. Bei der Aktion Plagiarius brachte das die Kopien auf Platz 2.

Aber man kann den dreisten Ideenklau auch positiv sehen: So betonte der ungarische Hersteller von Hundegeschirr, Julius, er ärgere sich nicht über Fälschungen seiner Produkte. Zum einen könne er aufgrund des internationalen Design- und Markenschutzes gegen die Rechtsverletzung vorgehen, und zum anderen zeige die Kopielust, dass in seinem Marktsegment die Nachfrage hoch sei.