Dienstag, 03.05.2016

Bildquelle: Wago

Gesunde Ernährung, mehr Bewegung, Stressabbau – die Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements sind vielfältig. Doch können Sie auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken?

Best Practice: Betriebliches Gesundheitsmanagement

Gesundheitsmanagement wirkt Fachkräftemangel entgegen

Gesunde Mitarbeiter sind zentral für den Unternehmenserfolg. Doch wie geht gutes betriebliches Gesundheitsmanagement – und wie kann es dem Fachkräftemangel entgegenwirken?

Das nordrhein-westfälische Unternehmen Wago fertigt Komponenten für die Verbindungs- und Automatisierungstechnik. Die Mitarbeiter haben überwiegend sitzende Tätigkeiten, am Schreibtisch oder in der Handfertigung. Rückenschmerzen sind deshalb die häufigsten Gesundheitsbeschwerden. 2005 begann Astrid Burschel, die heutige Leiterin des Bereichs Environment, Health and Safety, mit den ersten Planungsschritten für ein betriebliches Gesundheitsmanagement bei Wago.

Neben rechtlichen Aspekten des Arbeitsschutzgesetzes trugen sowohl demographische als auch wirtschaftliche Aspekte zu der Entscheidung bei. „Der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens wird auch durch weiche Kennzahlen, wie Mitarbeitermotivation, Zufriedenheit oder Betriebsklima beeinflusst“, erklärt Burschel. „Auf solche Kennzahlen zahlt das betriebliche Gesundheitsmanagement besonders ein.“

Im Angebot des Unternehmens aus Minden befinden sich sowohl verhaltens- als auch verhältnisbezogene Maßnahmen. Zu Ersteren zählen beispielsweise die Rückenschule, Schulungen zu gesunder Ernährung oder auch zum gesunden Sitzen. Verhältnisbezogene Maßnahmen sind unter anderem das Angebot eines eigenen Arbeitsmediziners oder auch eine flexible Pausengestaltung. „Wir verfolgen ein kontinuierliches und langfristiges Konzept“, erläutert Burschel. 

Gesundheitsmanagement muss verankert werden

Wago denkt mit diesem Ansatz des betrieblichen Gesundheitsmanagements voraus. „Es ist wichtig, nicht nur an Defiziten zu arbeiten, sondern präventiv und planbar Maßnahmen zur Gesundheit im Unternehmen einzuführen“, sagt Dominique Bialasinski vom TÜV Rheinland. Die Managerin berät Unternehmen rund um das Thema betriebliches Gesundheitsmanagement.

Bevor entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden, ist es wichtig, erst einmal zu analysieren, mit welchen Belastungen die Mitarbeiter in den jeweiligen Unternehmen konfrontiert sind und welche Ziele mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement erreicht werden sollen. Bialasinski plädiert neben der langfristigen Gestaltung solcher Angebote auch für eine gute Kommunikation. „Führungskräfte sollten die Aktionen unterstützen und den Mitarbeitern entsprechend kommunizieren.“ 

Steuerliche Vorteile für Mittelstand

Die Unternehmen können bei Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagement sogar steuerliche Vorteile geltend machen. Bis zu 500 Euro sind pro Mitarbeiter pro Jahr steuerfrei für Maßnahmen nach Paragraph 20 SGB V zur primären Prävention und Gesundheitsförderung. Zusätzlich können Sachbezüge von bis zu 44 Euro pro Monat und Mitarbeiter geltend gemacht werden.

 

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Wichtig ist: Unternehmer sollten die Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter nicht unbedingt an Dritte abgeben. „Die Unternehmen sollten Anreize für Mitarbeiter setzen und die Ziele der Maßnahmen kommunizieren“, erläutert Beraterin Bialasinski. „Wichtig ist auch, dass Aktionen entsprechend nachbereitet werden und die Mitarbeiter Feedback geben können.“ 

Team-Building durch Gesundheitsmanagement

Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements fördern nicht nur die Gesundheit der Angestellten, sondern können auch den Zusammenhalt untereinander stärken – gerade für Mittelständler mit abgelegenen Standorten bietet sich hier ein Mehrwert.

Eine solche Maßnahme zählt auch bei der Firma Sto zum betrieblichen Gesundheitsmanagement. Der Hersteller von Farben, Putzen und Lacken hat seinen Hauptsitz im südbadischen Stühlingen, etwa eine Autostunde von Freiburg entfernt. Für die Mitarbeiter gibt es bei Sto sogar einen eigenen Sportverein. „Unser Sportverein wird sehr gut angenommen. Neue Mitarbeiter, die nicht aus der Region kommen, können hier sehr gut integriert werden“, erzählt Personalchef Thade Bredtmann. 

Gesundheitsmanagement gegen Fachkräftemangel

Kann ein betriebliches Gesundheitsmanagement auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken? Die Antworten auf diese Frage schwanken – je nach Perspektive. „Wir kommunizieren im Recruiting aktiv unser Konzept zum betrieblichen Gesundheitsmanagement“, erzählt Gesundheitsmanagerin Burschel. „Oftmals wird von den Bewerbern auch direkt danach gefragt.“ Dabei ist jedoch zwischen Maßnahmen, die zum betrieblichen Gesundheitsmanagement zählen, und denen, die zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance beitragen, zu unterscheiden.

„Bewerber fragen selten gezielt nach dem betrieblichen Gesundheitsmanagement“, schildert Personalchef Bredtmann seinen Eindruck. „Stark nachgefragt sind allerdings Aspekte der Work-Life-Balance, wie flexible Arbeitszeiten.“ Die Vertreter der Generation Y, die aktuell in den Markt dringen, erwarten von ihren Arbeitgebern gewisse Standards hinsichtlich ihres Arbeitsplatzes. Dazu kann gesundes Kantinenessen ebenso zählen wie der höhenverstellbare, ergonomische Arbeitsplatz, weiß Klaus Becker, Partner der Personalberatung Becker + Partner. „Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass nur mit diesen Maßnahmen noch Personal gelockt werden kann“, sagt er.