Donnerstag, 09.03.2017
Gute Idee: Die Zahl der Patentanmeldungen durch deutsche Unternehmen ist seit zwei Jahren wieder leicht gestiegen

Foto: Zinkevych/Thinkstock/Getty Images

Gute Idee: Die Zahl der Patentanmeldungen durch deutsche Unternehmen ist seit zwei Jahren wieder leicht gestiegen

EPA-Anmeldezahlen 2016

Deutschland liegt bei Patenten weltweit auf zweitem Platz

Die Zahl der beim Europäischen Patentamt angemeldeten Patente lag 2016 nur leicht unter der des Rekordjahres 2015. In Europa hatten deutsche Unternehmen die Nase vorn, auch weltweit müssen sie nicht den Vergleich scheuen.

Mit knapp 160.000 erreichte die Zahl der europäischen Patentanmeldungen im vergangenen Jahr in etwa das Niveau des Rekordjahres 2015. Das zeigt der Jahresbericht des Europäischen Patentamtes (EPA).

Zahl der Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt

Quelle: EPA


Auch die Anmeldungen deutscher Unternehmen haben sich leicht um 1,1 Prozent erhöht, nachdem in den drei Vorjahren noch ein Rückgang zu verzeichnen war. Mit rund 25.100 europäischen Patentanmeldungen konnte die Bundesrepublik ihre Spitzenposition in Europa vor Frankreich (–2,5 Prozent), der Schweiz (+2,5 Prozent) sowie den Niederlanden (–3,6 Prozent) festigen. Unter den Anmeldeländern aus aller Welt, die beim EPA Patente anmelden können, lag Deutschland hinter den USA (–5,9 Prozent) auf Platz zwei.

25 Prozent mehr Anmeldungen aus China

Weltweit am meisten Patente erteilte das EPA 2016 an den Technologiekonzern Robert Bosch (1.482 Anmeldungen). Mit Bosch und Siemens (1.046) kommen allerdings nur zwei deutsche Unternehmen unter die Top 10 der innovativsten Unternehmen. Insgesamt stammte im vergangenen Jahr rund die Hälfte aller Anmeldungen beim EPA aus den 38 EPA-Mitgliedsstaaten, wobei in der Riege der größeren europäischen Volkswirtschaften Belgien (+7 Prozent) und Italien (+4,5 Prozent) die stärksten Anmeldezuwächse verzeichneten. In der Gruppe der außereuropäischen Länder nahm das Anmeldeaufkommen aus China (+24,8 Prozent) und Südkorea (+6,5 Prozent) stark zu. Im Länderranking platzierte sich China damit erstmals vor Südkorea.

Europäische Unternehmen waren 2016 in neun der zehn stärksten Technologiefelder führend. Gegenüber 2015 schoben sie sich in der Medizintechnik an den US-Unternehmen vorbei. Mit knapp 60 Prozent verzeichneten Unternehmen aus Europa 2016 bei Transporttechnologien (Fahrzeuge) den größten Anteil an Patentanmeldungen. Dabei war die Bundesrepublik im Transportsektor mit einem Anteil von 24 Prozent führend.

Grafik: EPA

Starkes Wachstum im digitalen Bereich

Zudem waren deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich in den Kategorien Elektrische Maschinen, Geräte und Energie, Messtechnik, Organische Feinchemie und – trotz eines Rückgangs der Patentanmeldungen – Medizintechnik besonders anmeldestark. Mit einem Plus von 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten deutsche Unternehmen 2016 das stärkste Wachstum im Bereich Digitale Kommunikation.

Info

Warum Patente anmelden?

Die Anmeldung eines Patents kostet – je nachdem, ob der Schutz deutschlandweit, europaweit oder weltweit gilt – zwischen 500 und 100.000 Euro. Die Erteilung durch die Behörden kann je nach Komplexität zwischen wenigen Wochen und mehreren Jahren dauern. Trotz mitunter hoher Kosten und Wartezeiten lohnt sich die Patentanmeldung. Zum einen bleiben die technischen Details bis 18 Monate nach der Patenterteilung geheim, erst dann werden sie veröffentlicht. Zum anderen sichert sich der Erfinder mit einem Patent die Verwertungsrechte für 20 Jahre. In dieser Zeit kann der Hersteller auch wirkungsvoll gegen Plagiate vorgehen und etwa Fälschungen im Ausland beschlagnahmen lassen. Bei vielen Mittelständlern ist trotzdem immer noch der Irrglaube verbreitet, dass es nicht notwendig ist, ein Patent anzumelden. Sie setzen stattdessen auf eine Geheimhaltung. Werden Konkurrenten allerdings dennoch auf das Produkt aufmerksam und plagiieren oder fälschen sie es sogar, kann der Hersteller nicht dagegen vorgehen.

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag „Wider den Ideenklau“ in der aktuellen Ausgabe von „Markt und Mittelstand“. Hier können Sie das Heft bestellen und abonnieren.