Donnerstag, 07.05.2020
Unternehmerin Jeannine Budelmann: Mittelständler sollten während der Corona-Krise offener miteinander sprechen.

Foto: WJD/Pia Jennert

Unternehmerin Jeannine Budelmann: Mittelständler sollten während der Corona-Krise offener miteinander sprechen.

Zukunftsmärkte
KOLUMNE WIRTSCHAFTSJUNIOREN DEUTSCHLAND

Corona und des Kaisers neue Kleider

In ihrer Kolumne für „Markt und Mittelstand“ berichtet die stellvertretende Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren Deutschland, Jeannine Budelmann, über Themen, die junge Unternehmer bewegen. Diesmal hält sie ein Plädoyer für mehr Kommunikation in der Corona-Krise.

Wenn man sich bei uns in Westfalen trifft, beginnen Gespräche häufig so: „Und?“ „Muss…“. Damit ist oft alles gesagt. Als geschwätzig gelten wir nicht. Im Moment habe ich das Gefühl, die deutsche Unternehmerschaft bestünde mehrheitlich aus Westfalen.

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Denn mit welchem Unternehmer ich mich auch unterhalte – im vertraulichen Gespräch eins zu eins werden die Sorgen und Nöte ganz klar artikuliert: Alle haben teils herbe Verluste zu verkraften. Allen fehlt die Perspektive. Alle machen sich enorme Sorgen um die Zukunft. Aber sobald die (selbstverständlich: virtuelle) Gesprächsrunde aus mehr als zwei Teilnehmern besteht und einer die Frage stellt, wie es den anderen denn so gehe: Schweigen im Walde. Selten nur bricht einer das Eis und erzählt von den Umsatzeinbrüchen, der Kurzarbeit, der Existenzangst (oft bin ich das). Die meisten Gesprächspartner aber trauen sich nicht, die Hosen runterzulassen. Und? Muss... 

Liebe Unternehmer, es ist höchste Zeit, die Hosen herunterzulassen! Die Corona-Krise duldet kein Totschweigen und Verdrängen mehr. Allerorten bringen sich die Lobbyisten in Stellung: Die einen fordern eine massive Erhöhung des Kurzarbeitergelds, die anderen verlangen, Staatshilfen an grüne Auflagen zu koppeln – und was antworten wir, wenn uns jemand fragt, wie es uns geht? Muss.

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Am Freitag, den 8. Mai, erscheint die Maiausgabe von „Markt und Mittelstand. Wegen der Corona-Krise handelt es sich dabei um ein E-Paper. Hier können Sie sich für ein kostenloses Exemplar registrieren, das Sie per E-Mail erhalten.

Unsere Angst vor Gesichtsverlust oder vor einem Konkurrenten, der unsere Notlage ausnutzen könnte – das ist alles nichts gegen die Probleme, die wir bereits haben und die noch kommen werden, wenn unsere Auftragsbücher leerlaufen. Ohne Planungssicherheit wird es keine wirtschaftliche Erholung geben. Ohne ein verlässliches Konzept, wie wir als Gesellschaft in Kürze leben dürfen, wird es keine Investitionen geben. Steht auf, liebe Unternehmerkollegen, und erzählt eure Geschichte! Lasst uns endlich ehrlich sein und die Wahrheit offen aussprechen: Unsere Hosen sind bereits unten – ganz wie beim nackten Kaiser im Märchen. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Kämpfen wir gemeinsam dafür, dass die soziale Marktwirtschaft bestehen bleibt. Hosen runter, lautet das Gebot der Stunde. Muss!