Donnerstag, 14.11.2019
Virtueller Durchblick: Über einen verschiebbaren Bildschirm ermöglichen Aussteller – wie hier der Automobilzulieferer Bosch – Messebesuchern den Blick ins Innere ihrer Exponate.

Foto: Holger Steffentorweihen

Virtueller Durchblick: Über einen verschiebbaren Bildschirm ermöglichen Aussteller – wie hier der

Automobilzulieferer Bosch – Messebesuchern den Blick ins Innere ihrer Exponate.

Zukunftsmärkte
Produktpräsentationen

Digitalisierung des Messeauftritts: Diese drei Technologien sollten Sie kennen

Digitale Technik kann weder den analogen Kontakt zu Anbietern und Kunden noch das handfeste Erleben derer Produkte ersetzen. Aber die Digitalisierung kann Prozesse rund um die Messe vereinfachen – und Ausstellern viel Zeit sparen.

Das Hauptpfund von Industriemessen ist auch in Zeiten der Digitalisierung der persönliche Kontakt zu Bestands- und Neukunden. Auch die Möglichkeit, Maschinen und Geräte der Aussteller live erleben und im wahrsten Sinne des Wortes begreifen zu können, schätzen Messebesucher. Können digitale Präsentationsformate Messen trotzdem bereichern? 

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Ja, sagt Holger Steffentorweihen, der im Digital Competence Center Ruhr (DCC Ruhr) mit 40 Mitarbeitern Kommunikations- und Medienkonzepte für Produktpräsentationen entwickelt: Drei Ansatzpunkte eröffnet digitale Technik auf Messen.

Erstens: technische Details von Produkten besser visualisieren

Die digital erweiterte Präsentation sei vor allem von Vorteil für Hersteller erklärungsbedürftiger Produkte, findet Holger Steffentorweihen. Über Bild­schirmdarstellungen könne ein Besucher erken­nen, was im Inneren der Maschinen und Anlagen ablaufe und wie sie funktionierten.

Auch bei Groß­geräten und Motoren könne man Teile und Prozesse im Inneren sichtbar machen. Indem sie beispiels­weise den installierten Bildschirm verschieben wie eine Lupe, könnten Kunden an allen Stellen in die Maschine hineinschauen. „Dadurch erhalten Ver­triebsmitarbeiter eine ganz neue Erklärungstiefe“, ist Steffentorweihen begeistert.

Zweitens: Informationen für Kunden personalisierter zugänglich machen

Bereits jetzt erhalten Besucher bei einigen Mes­sen Eintrittskarten mit integriertem Chip, der den Besuch personalisieren soll. Diesen könnte man nutzen, um Besuchern das Schleppen von Informa­tionsmaterial zu ersparen, findet Steffentorweihen. „Aussteller können einzelne Stationen ihres Stan­des mit Lesegeräten ausstatten, an denen Besucher mit ihren Chipkarten digital interagieren können.“

Noch am selben Tag erhielten sie dann einen Link zur Webseite des Anbieters an ihre im Chip hinter­legten Kontaktdaten geschickt, wo sie nähere Infor­mationen und spezielle Ansprechpartner zu denje­nigen Stationen finden, die sie auf der Messe ange­sehen hatten.

Drittens: Besucherdaten als Aussteller zeiteffizienter aufbereiten

Der Ausstel­ler wiederum kann später auslesen, an welchen Sta­tionen der Besucher wie lang verweilt und welche Informationen er sich online angeschaut hat. „Da der Besucher beim Erhalt des Chipkartenausweises die Datenverwendung autorisiert hat, gibt es auch vor dem Hintergrund der Datenschutzgrundver­ordnung keine Probleme“, ist sich Steffentorweihen sicher.

Nach der Messe könnten sich Aussteller eine Liste erstellen lassen mit Namen, Unternehmen, Kontaktdaten und Interessengebieten all derjeni­gen Besucher, die am Stand waren. „Das würde Ausstellern einiges an Zeit sparen“, glaubt Steffentorweihen. Momentan tippten viele ihre Messeberichte noch händisch.

Die Anfangsinvestition für die Einbindung dieser digitalen Erweiterungen liege zwischen 15.000 und 100.000 Euro und sei auch für kleinere Mittelständ­ler zu stemmen, meint Steffentorweihen. „Noch vor einigen Jahren waren digitale Messetechnologien dieser Art den ganz Großen vorbehalten; mittler­weile haben wir auch Kunden mit einem Jahresum­satz unter 100 Millionen Euro.“