Mittwoch, 06.09.2017
Mit den Start-ups neue, unbekannte Wege zu gehen, kann sich für mutige Mittelständler aus vielerlei Branchen lohnen.

Foto: DmitriiGuzhanin/Thinkstock/GettyImages

Mit den Start-ups neue, unbekannte Wege zu gehen, kann sich für mutige Mittelständler aus vielerlei Branchen lohnen.

Die Chancen der Kooperation

„Ähnliche Strukturen bei Start-ups und Mittelständlern“

Kooperationen mit jungen, energiegeladenen, innovativen Gründern bringen neue Technologien in den etablierten Mittelstand – zumindest in der Theorie. Die Chancen sind auf jeden Fall vorhanden

Basierend auf Interviews mit Unternehmensvertretern haben Wissenschaftler des Instituts für Mittelstandforschung (IfM) Bonn und der Universität Siegen die Motive sowie die Herausforderungen und Erfolgsfaktoren verschiedener Kooperationsformen analysiert und zusammengefasst. Der dabei gewählte explorative Ansatz setzt sich laut IfM weniger mit quantitativen Befragungen als vielmehr mit einem inhaltlichen Überblick über Modelle und Charakteristika solcher Kooperationen auseinander. Einer der Autoren und Forscher am IfM, Jonas Löher, äußert sich im Interview zu den Chancen der Zusammenarbeit.

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<b>Jonas Löher</b> ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im IfM Bonn, wo er unter anderem zu innovativen Gründungsformen forscht.

Foto: IfM Bonn

Jonas Löher ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im IfM Bonn, wo er unter anderem zu innovativen Gründungsformen forscht.

Immer mehr Mittelständler kooperieren mit kleinen und innovativen Start-ups. Sie haben zu diesem Thema eine Studie verfasst. Was ist Ihre Einschätzung: Sollten Mittelständler mitmachen oder die Kooperationsarbeit lieber den „Großen“ überlassen?
Etablierte mittelständische Unternehmen können eindeutig von einer Zusammenarbeit mit einer innovativen Gründung profitieren. Aus diesem Grund sollten sie solche Kooperationen nicht den großen Unternehmen überlassen. Schließlich gibt es für sie nicht nur eine Vielzahl möglicher Kooperationsformen, sondern die Mittelständler haben auch einen ganz klaren Vorteil gegenüber den großen Unternehmen: Durch die Einheit von Eigentum und Leitung sind sich die innerbetrieblichen Strukturen bei Start-ups und Mittelständlern per se sehr ähnlich. Daher sind kleinere Firmen auch in der Lage, schneller als große Unternehmen Entscheidungen zu treffen und die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen zu bewältigen.

Was genau versprechen sich die Partner auf beiden Seiten eigentlich von der Zusammenarbeit?
Vor allem geht es den mittelständischen Unternehmen sicherlich darum, mit Hilfe modernster Technologien und dem Wissen von hochqualifizierten, jungen Fachkräften die Digitalisierung ihres eigenen Geschäftsmodells weiterentwickeln und dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die Start-ups versprechen sich hingegen branchenspezifisches Know-how sowie Zugang zu Ressourcen und einem großen Netzwerk. So können sie die eigenen Entwicklungs- und Wachstumsprozesse beschleunigen.

Gilt das für alle Unternehmen?
Die Anwendungsmöglichkeiten sind aufgrund der unterschiedlichen Zielsetzungen sehr breitgefächert. Im Prinzip kann sich eine Kooperation für alle etablierten mittelständischen Unternehmen eignen, die bestimmte, oft technologische Probleme nicht eigenständig lösen können oder neue Impulse und Märkte suchen.

Wie sieht es mit den Branchen aus? Gibt es da Unterschiede?
Prinzipiell nicht. Gleichwohl sind aktuell besonders innovative Gründungen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik als Kooperationspartner für mittelständische Unternehmen interessant. Schließlich stehen diese vor der Herausforderung, das eigene Geschäftsmodell im Zuge der digitalen Transformation zukunftsfähig und wettbewerbsfähig zu machen.

Wie wird sich dieser Markt Ihrer Meinung nach weiterentwickeln?
Das lässt sich auch auf Basis unserer Studie nicht genau vorhersagen. Im Jahr 2016 ging jedes dritte kleine oder mittlere Unternehmen eine Kooperation mit einem Start-up ein. Die nötige Einstellung ist hierzulande offenbar noch längst nicht so weitverbreitet wie beispielsweise in den USA, wo die Zusammenarbeit von Unternehmen mit innovativen Gründungen doppelt so hoch ist.