Montag, 28.03.2022
Zukunftsmärkte

Anreize für Gas bestehen weiter

Heizen für Putin? Erdgas hat seit dem Krieg in der Ukraine nicht den besten Ruf. Viele Besitzer von Ölheizungen oder neue Bauherren sehen diesen Brennstoff kritisch. Nicht der Staat: Der hat Gas nicht abgeschrieben und fördert diese Technik weiter.

Soll man sich überhaupt noch eine Gasheizung anschaffen?

Die Verunsicherung ist groß: Soll man sich überhaupt noch eine Gasheizung anschaffen? Die Zweifel waren schon gewachsen, nachdem die Preise im vergangenen Sommer immer neue Höhen erklommen hatten. Dann kam der Krieg in der Ukraine, der deutlich macht, dass im Kreml jemand sitzt, der bestimmen kann, ob das traute Heim warm bleibt oder nicht. Inzwischen ist Gas auch aus Sicht der Bundesregierung ein Auslaufmodell. So muss man zumindest Wirtschaftsminister Robert Habeck verstehen, der Gas kürzlich im Bundestag als Brückentechnologie bezeichnet hat: "Und diese Brücke wird immer kürzer.“

 

Das ist wohl buchstäblich so gemeint. So soll nun bereits ab 1. Januar 2024 jede neu installierte Heizung - auch im Modernisierungsfall) – den Energiebedarf zu 65 Prozent aus Erneuerbaren decken. "Das kann eine Gas-Brennwertheizung beispielsweise mit Unterstützung von Solarthermie in der Regel nicht leisten“, erklärt Udo Wirges, Bereichsleiter Technik beim Zentralverband Sanitär, Heizung Klima (ZVSHK). Den Stichtag hat die Bundesregierung um ein Jahr vorgezogen. 

 

 

Staat fördert weiter Gas-Lösungen

Spannend ist aber, dass die alte Technik weiterhin gefördert wird. So kann der Hausbesitzer von der Kreditanstalt für Wiederaufbau weiterhin für eine Gas-Brennwertheizung Zuschüsse von 20 Prozent nach dem Programm KfW 262 erhalten. Für eine so genannte Gas-Hybridheizung – also kombiniert mit einer Wärmepumpe, Solarthermie, Pelletheizung oder Kaminofen – beträgt der Zuschuss 30 Prozent. Ersetzt diese Kombi-Technik einen Öl-Brenner, dann erreicht der Zuschuss 40 Prozent. Die Beispiele zeigen: Für den Staat ist Gas noch lange nicht abgeschrieben. „Dies ist der aktuelle Stand“, versichert Stephan Thies, Projektleiter Marketing beim Hamburger Fördermittelberater Renewa, der eine Übersicht verschiedener Möglichkeiten unter energieheld.de zusammengefasst hat.

 

Das bedeutet, die Förderung solcher eher veralteter Technologien geht weiter, während zum Jahreswechsel die Zuschüsse für die besonders energiefreundlichen KfW-55-Neubauten über Nacht gestoppt wurden und erst wiederaufgelegt wurden, als eine Welle der Entrüstung aufgebrachter Häuslebauer über die Bundesregierung im Allgemeinen und Habecks Ministerium im Besonderen hinwegschwappte. Auch Bauwirtschaft und verschiedene Verbände hatten ihr Entsetzen über die Maßnahme laut vernehmen lassen. Insgesamt fördert der Bund die energetische Sanierung von Gebäuden jetzt mit 14,5 Milliarden Euro. Ob solche Fördermittel auch noch für die betagte Gastechnik sinnvoll sind, könnte die KfW vielleicht beantworten oder zumindest einordnen. Auch, wie viele Anlagen überhaupt noch gefördert werden, müsste man dort wissen. Doch zu einer entsprechenden Anfrage schweigt die Förderbank in Frankfurt.

 

Großes Interesse an Alternativen

Die meisten Verbraucher lassen sich von dieser eigenartigen Förderpraxis ohnehin nicht beirren und setzen von sich aus auf Lösungen mit Zukunft. "Bezüglich der Anfragen ist ein klarer Trend zu weniger fossilen Brennstoffen merkbar“, bestätigt Thies. Seit März sei das Interesse an Wärmepumpen, Photovoltaik und Elektromobilität noch einmal gestiegen. Ob solche Technologien allerdings in einem bestehenden Gebäude überhaupt zum Einsatz kommen können, müsse man immer im Einzelfall klären, erläutert ZVSHK-Experte Wirges. Viele Gebäude, die den Einsatz einer Wärmepumpe so ohne Weiteres gar nicht geeignet wären und Wärmenetze noch nicht so weit ausgebaut sind.

 

Die meisten Spezialisten sehen bei Gebäuden, die vor 2005 errichtet wurden, wenig Einsatzmöglichkeiten für eine Wärmepumpe, eine Energieertzeugungsgsform, die aus Wasser, Erde oder Luft Wärme gewinnt und dafür allerdings Strom benötigt. Nach den Plänen von Klimaschutzminister Habeck sollen bis 2030 an die sechs Millionen Wärmepumpen in Betrieb sein: "Wir wollen einen Roll-out der Wärmepumpen, also stromgetrieben, die dann aber dafür sorgen, dass die Wärmeversorgung erneuerbar ist.“ Bislang heizen in Deutschland etwas mehr als eine Million solcher Anlagen die Gebäude. In modernen Einfamilienhäusern beziehen die Wärmepumpen den Strom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage. Im Winter ist die Lösung an eine E-Heizung gekoppelt.

 

Vorrüstung für Wasserstoff-Betrieb

Bei Bosch Thermotechnik, zu der unter anderem die Marken Buderus und Junkers gehören, sieht man für ältere Gebäude den Einsatz von Gasheizungen als Alternative, die später ohne großen Aufwand für den Betrieb mit Wasserstoff umgerüstet werden können. "Der Aufwand ist überschaubar und ist binnen einer Stunde erledigt“, erklärt ein Firmensprecher in Wetzlar. Bosch habe so eine Umstellung im Rahmen von Pilotprojekten im britischen Worchester und in den Niederlanden bereits in der Praxis umgesetzt.  Hinter dem Ansatz steht der Gedanke, dass Wasserstoff über das bereits bestehende Gasnetz in die Häuser kommen kann. Allerdings müssten dann in einer Region oder Gemeinde alle Anlagen umgestellt sein.

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