Mittwoch, 06.03.2019
Einer von 166: Das Verbindungstechnikunternehmen Ejot in Bad Berleburg gehört zu den vielen Weltmarktführern in Südwestfalen.

Foto: Südwestfalen Agentur GmbH/Dominik Ketz

Einer von 166: Das Verbindungstechnikunternehmen Ejot in Bad Berleburg gehört zu den vielen Weltmarktführern in Südwestfalen.

Zukunftsmärkte
Hidden Champions in Südwestfalen

Sauerländische Weltmarktführer trotzen dem Fachkräftemangel

Alles andere als strukturschwach: Das eher ländliche Südwestfalen ist die Heimat von besonders vielen Weltmarktführern. Die Unternehmen leiden zwar unter dem Fachkräftemangel. IHK-Präsident Andreas Rother ist sich aber sicher, dass die Probleme gelöst werden und die Region erfolgreich bleibt.

In kaum einer Region in Deutschland gibt es so viele Hidden Champions wie in Südwestfalen. In der Region, zu der unter anderem das Sauerland zählt, haben sich 166 Weltmarktführer und Exportweltmeister angesiedelt. Etwa 50 von ihnen kommen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, weitere 30 jeweils aus der Gebäudetechnik und der Automotivebranche.

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Einen Erfolgsfaktor der Unternehmen sieht Andreas Rother vor allem darin, dass fast alle Unternehmen inhabergeführt sind. „Dadurch können sie schnelle Entscheidungen treffen – was gerade im Zeitalter der Digitalisierung wichtig ist“, sagt Rother, der seit Anfang 2018 Präsident der IHK Arnsberg, Hellweg-Sauerland ist. Auch die Nischenstrategie, die die Unternehmen verfolgen, bringe Vorteile mit sich: „Um in Spezialgebieten auf ein vernünftiges Absatzvolumen zu kommen, bleibt den Unternehmen gar nichts anderes übrig, als sich erstens international auszurichten und zweitens den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen.“ 

Info

Das Magazin „ExportManager“, das wie „Markt und Mittelstand“ im FAZ-Fachverlag Frankfurt Business Media erscheint, veranstaltet am 22. Oktober in Mannheim den „Tag der Exportweltmeister“. Zugelassen sind nur Vertreter exportierender Unternehmen – das garantiert effizientes Networking und praxisnahe Diskussion. Weitere Infos und Anmeldung auf der Veranstaltungswebseite.

Industrieller Mittelstand entwickelte sich früh

Wieso das im Sauerland allerdings besser klappt als in anderen Regionen Deutschlands, bleibt schwierig zu erklären. Experten vermuten, dass es unter anderem damit zu tun hat, dass die Böden in der relativ bergigen Region für Landwirtschaft nicht besonders gut geeignet waren und sich deshalb schon recht früh ein industrieller Mittelstand entwickelte. Die zumindest im wiedervereinigten Deutschland zentrale Lage in der Mitte Deutschlands dürfte ebenfalls alles andere als ein Nachteil sein – auch wenn sich Rother und mit ihm viele andere Unternehmen eine bessere Infrastruktur (Straße, Schiene und Breitband) wünschen würden.

Das würde sicherlich auch helfen, den Fachkräftemangel in der Region weiter zu entschärfen. „Es gibt nach wie vor eine starke Bewegung in die Metropolen“, sagt Rother. Der Inhaber des IT-Dienstleisters AHD in Ense im Kreis Soest hat deshalb auch Standorte in Dortmund, Berlin und – aufgrund der dortigen Internetknoten – Frankfurt am Main gegründet.

Doch Rother beobachtet auch schon erste gegenläufige Bewegungen, denn die ländliche Region habe auch Vorteile. Gerade für junge Familien seien die Immobilienpreise in Großstädten mittlerweile so überteuert, dass das Landleben wieder attraktiv werde. Positiv wirke sich zudem aus, dass das Sauerland eine Wintersport- und Urlaubsregion sei, weshalb viele Unternehmen durchaus erfolgreich Fachkräften anwerben würden.

Rother ist deshalb davon überzeugt, dass die Region auch in Zukunft erfolgreich bleiben wird – zumindest wenn die nötige Infrastruktur geschaffen bzw. ausgebaut wird. Die Südwestfalen Agentur, die von den fünf Landkreisen und der in einem Verein organisierten Wirtschaft getragen wird, und die IHKn wollen die „Bewegung in die Fläche“, wie Rother den Trend zum Landleben nennt, jedenfalls forcieren und in Zukunft mehr Angebote für Start-ups schaffen, um anschließend die hellen Köpfe und Unternehmen in der Region zu halten.