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Finanzierung > Benko gibt Verantwortung ab

Wunderwuzzis gibt es immer wieder

René Benko übergibt den Vorsitz der angeschlagenen Immobiliengruppe Signa an den Sanierungsexperten Arndt Geiwitz. Die Bankenaufseher haben vor der Schieflage schon seit Monaten gewusst und die Banken gewarnt.

Es stockt am Bau: Die Alte Akademie in Münchens Fußgängerzone gehört zu René Benkos Signa Immobiliengruppe.

"Wunder gibt es immer wieder" sang Katja Ebstein 1970. Und in der Wirtschafts gibt es auch "Wunderwuzzis" wie René Benko immer mal wieder. So wird der Selfmade-Mann in der österreichischen Heimat gern genannt. Nun musste René Benko dem hohen Druck von genervten Banken und Investoren nachgeben: Sanierer Arndt Geiwitz übernimmt bei der Holding Signa das Zepter.

Der Schritt sei „die beste Lösung für das Unternehmen, seine Partner, Investoren sowie die Mitarbeiter“, lässt der gestürzte Milliardär verlauten. „Es gilt nun, Vertrauen wiederherzustellen, dazu will ich meinen Beitrag leisten“, so Benko weiter. „Das Immobilienportfolio von Signa ist und bleibt einzigartig. Ich bin absolut sicher, dass das Unternehmen eine sehr gute Zukunft haben kann.“ Zudem verlangt der 46-Jährige von allen anderen Beteiligten, seine Signa zu unterstützen: „Ich bin dazu bereit.“

Lange hat sich Benko gegen den Niedergang seines Imperiums gestemmt. Seit gut einem Jahr mehren sich die Zeichen, dass die in Innsbruck beheimatete Signa Holding bis in die Grundfesten wackelt. In dem kaum durchschaubaren Konglomerat hat Benko in den vergangenen zwei Jahrzehnten Kaufhäuser, Prachtimmobilien, Hotels, Sportbeteiligungen und andere Aktivitäten zusammengefasst.

Die Schwierigkeiten von Kaufhauskönig René Benko setzen nun auch Banken unter Druck: Nach Informationen des Schweizer Banken-Magazins „Inside Paradeplatz“ muss eine der weltweit größten Vermögensberater-Banken um mehr als eine halbe Milliarde Euro bangen, die sie in Benkos Firmen investiert hat. Die Bank Julius Bär sitze auf der „Benko-Bombe“, heißt es bei den Schweizer Insidern. Der Kurs der mittlerweile zweitgrößten Bank des Landes ist nicht zuletzt deswegen in den vergangenen vier Wochen um mehr als zehn Prozent gesunken.

Damit tritt genau das ein, wovor die Aufseher der Europäische Zentralbank seit Monaten gewarnt hatten. Die sorgten sich bereits im Frühjahr um die Risiken aus Krediten an Benkos Finanzholding Signa. Die Notenbank ist alarmiert, weil möglicherweise die Schulden von Benkos Finanzgruppe mehrere europäische Banken besonders belasten könnten. Bei der EZB in Frankfurt „kommentiert man den Sachverhalt nicht“, was immerhin heißt, dass es hierzu tatsächlich einen Vorgang gibt. Neben der Schweizer Bank soll Signa auch bei der österreichischen Raiffeisenbank heftig in der Kreide stehen. In Wien musste deswegen Finanzminister Markus Brunner im Parlament Stellung beziehen, ob eine Schieflage von Benkos Gruppe den gesamten Finanzplatz Wien in den Abgrund reißen könnte.

Benkos Unternehmen befinden sich im Sinkflug, seit die Wende an den Finanzmärkten, die Refinanzierung von Immobilienkrediten merklich teurer gemacht hat, während gleichzeitig der Wert von teuren Innenstadtgebäuden abnimmt. Den Kreditgebern blüht, dass sie ihre Sicherheiten neu berechnen und möglicherweise hohe Beträge abschreiben müssen. Das könnte so manches Geldhaus in die Bredouille bringen. Deshalb wollte die EZB offenbar Klarheit über Benkos Finanz- und Immobilienimperium schaffen und die Banken zu einer höheren Risikovorsorge auffordern. Es bestehe das Risiko, dass am deutschen und europäischen Markt für Gewerbeimmobilien der Druck steigt, warnte jüngst auch die Vizepräsidenten der Deutschen Bundesbank Claudia Buch.

Benko ist in Deutschland vor allem wegen seines Engagements in Luxuskaufhäusern wie dem KaDeWe in Berlin und dem Alsterhaus im Hamburg bekannt. Seine Firmenholding Signa ist Eigentümer bei Galeria Kaufhof. Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern hatte Ende vergangenen Jahres erneut Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Inzwischen hat der Konzern das Insolvenzverfahren abgeschlossen. Der Sanierungsprozess dauert aber an. Der rechtskräftig gewordene Sanierungsplan sieht die Schließung von rund einem Drittel der zuletzt noch 129 Filialen vor.

Vor vier Jahren war Benko auch mit der Immobilientochter der Commerzbank, der Commerz Real handelseinig geworden, die sich damals mit 20 Prozent an einem Portfolio aus zehn Kaufhof-Warenhäusern beteiligt hatte, um dieses gemeinsam mit Signa weiterzuentwickeln. Die Rede war von einer „strategischen Partnerschaft“. Heute geht auch die Commerzbank auf Abstand.

Kurz vor Beginn der Hochbauarbeiten des Hochhauses „Mynd" am Berliner Alexanderplatz hat Commerzbank Real dem Projektentwickler Signa Real Estate gekündigt,
Zu dem Bauvorhaben gehört neben einem 134 Meter hohen Turm ein mit ihm verbundenes Galeria-Warenhaus am Berliner Alexanderplatz. Die Commerzbank-Immobilientochter will das Projekt jetzt ohne das Benko-Unternehmen fortführen.

Eine der vielen Benko-Firma, die Signa Development, wurde soeben von einer Ratingagentur auf „Ramschlevel“ gesetzt, das heißt, dass Kredite an sie extrem unsicher sind. Wichtige Investoren, die benk bisher die Treue gehalten haben, darunter der deutsche Unternehmer und  Milliardär Klaus-Michael Kühne sowie der ehemalige österreichische Strabag Chef Hans Peter Haselsteiner gehen auf Abstand zu dem „Ösigarchen“, wie Benko in der Finanzszene  genannt wird. Sie fordern seinen Rückzug von der Signa-Spitze. Weder die Bank Julius Bär noch die Signa-Gruppe wollen zum aktuellen Fall Stellung nehmen.

Es wird viel zu tun geben, um aus den Trümmern die Signa-Gruppe Gutes hervorzubringen. Zahlreiche Baustellen stehen gerade still. Bei Katja Ebstein heißt es: "Wunder gibt es immer wieder. Wenn sie dir begegnen musst du sie auch sehen." Das gilt genauso für Schieflagen von Immobilienkonzernen.

 

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