Mittwoch, 16.11.2016
Design oder Nichtsein? Eine funktionale Gestaltung ist für Mittelständler eine Möglichkeit, sich zu differenzieren.

Fotoquelle: Ugde/Thinkstock/Getty Images

Design oder Nichtsein? Eine funktionale Gestaltung ist für Mittelständler eine Möglichkeit, sich zu differenzieren.

Interview mit Frank Georg Zebner

„Design zeigt, dass ein Unternehmen lebt"

Mit gutem Design können Mittelständler leicht und schnell wachsen, sagt Design-Professor Frank Georg Zebner von der HfG Offenbach. Das gilt auch für den B2B-Bereich und den Export.

Markt und Mittelstand: Was macht gutes Produktdesign aus?
Frank Georg Zebner: Design bedeutet nicht nur, dass ein Gegenstand eine schöne, ästhetisch ansprechende Form hat. Produktdesign muss dem Benutzer auch einen praktischen Mehrwert bieten. Gutes Design ist, wenn Praktikabilität und Funktionalität zusammenkommen. In gutem Design liegt der Schlüssel zur Kundenzufriedenheit.

MuM: Ist diese Erkenntnis schon im Mittelstand angekommen?
Zebner: Zumindest ist das Bewusstsein dafür in der Breite angekommen. Ingenieure und Kaufleute fragen immer häufiger bei Designern an, wie man das Potential einer Marke oder eines Produktes besser kanalisieren kann.

Frank Georg Zebner ist Professor für Technische Produkte und Produktsysteme an der HfG Offenbach.

Fotoquelle: HfG Offenbach

Frank Georg Zebner ist Professor für Technische Produkte und Produktsysteme an der HfG Offenbach.

MuM: Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?
Zebner: Häufig werden Designer erst in der Entwicklungs- und Konstruktionsphase dazu gezogen, aber das ist viel zu spät – dann entsteht oft nur Murks! Der Designprozess beginnt bei der Produktdefinition. Je früher die Wege und Ziele strategisch definiert werden und in das Design miteinfließen können, desto kostengünstiger und treffgenauer sind die Entwicklung, die Produktion und das Marketing.

MuM: Woran liegt es, dass sich viele Unternehmen nicht so richtig an Veränderungen herantrauen?
Zebner: Das hat viele Gründe. Manche Unternehmen wollen ihr Logo oder Produkt nicht verändern, weil das der Firmengründer mal vor 100 Jahren selbst entworfen hat. Aber das ist Unsinn. Ein Unternehmen zeigt doch erst durch seinen Change, dass es lebt. Wir haben heute andere Bedingungen als vor 50 oder 100 Jahren. Daran muss man sich anpassen.

MuM: Passen sich die Unternehmen nicht auch jetzt schon jeden Tag an?
Zebner: Vielleicht, aber oft bekommt das der Kunde gar nicht mit. Design liefert neue Potentiale für Unternehmen. Wenn man es richtig macht, kann man damit auch ziemlich leicht und schnell wachsen. Wer dabei nicht mitmacht, ist selber schuld.

MuM: Was antworten Sie einem Mittelständler, wenn er sie nach dem „Return of Investment“ fragt? Wann bekommt er das Geld wieder rein, das er in ein neues Design investiert?
Zebner: Nun, das kann man eigentlich nicht beantworten. Aber genauso kann man auch nicht vorhersagen, wie lange eine Firma ohne Design überleben wird. Design ist das Momentum, das zeigt: Wir tun was.

MuM:
Design-Ikonen kommen meist von großen Herstellern wie Apple, Porsche oder Braun. Kann gutes Design auch mit kleinem Budget ein Erfolg werden?
Zebner: Absolut. Nehmen Sie den schwedischen Skihelm-Hersteller POC. Die Produkte haben eine starke Ästhetik und hohe Funktionalität, weil sich das Design auf das Wesentliche konzentriert. Dieser einfache „Stil“ war vor zwölf Jahren noch eine Nische. Mittlerweile ist POC mehr als 65 Millionen US-Dollar wert. Auch die Leuchten-Manufaktur Serien aus Rodgau ist mit Design sehr erfolgreich unterwegs. Vor 30 Jahren gegründet, ist es heute eines der erfolgreichsten Leuchtenhersteller.

MuM: Das alles sind B2C-Produkte. Welche Bedeutung hat das Thema bei B2B-Produkten?
Zebner: Auch im Business-to-Business ist Design ein Unterscheidungsmerkmal. Wenn 20 Zulieferer Produkte herstellen, die alle gleich aussehen und identisch funktionieren, fragt sich der Kunde irgendwann auch, ob die nicht alle von einem Hersteller kommen. Das Besondere können zum Beispiel neue Funktionen für die Maintenance im Produktlebenszyklus sein...

MuM:
…bitte, was?
Zebner: Design for Maintenance bedeutet, dass Produkte nicht mehr nur aus Käufersicht entwickelt werden, sondern eben auch aus der Perspektive der Produktion. Dazu gehört auch, dass sich ein Monteur nicht an einem Zulieferteil verletzt oder es falsch einbaut.

MuM:
Haben Sie ein Beispiel?
Zebner: In den Großspülmaschinen von Meiko aus Offenburg sind diejenigen Aggregate und Teile gekennzeichnet, die bei einer Reparatur berührt werden dürfen. Das macht Sinn, denn Spülmaschinen werden oft nur von angelernten Mitarbeitern repariert. Hat man also davon Kenntnis, kann man darauf mit Design reagieren. Allerdings thematisieren das bisher nur wenige Firmen konsequent. Dabei könnte das die Attraktivität und die Kaufentscheidung im B2B-Bereich erheblich beeinflussen.

MuM:
Kann davon auch der Export profitieren?
Zebner: Unbedingt. Gerade als Exporteur weiß man nie, wer die Maschinen im Ausland bedienen wird. Den dortigen Mitarbeiter muss man ein Kommunikationsangebot machen. Das geht nur über Design.

Info

Zur Person:
Frank Georg Zebner ist seit 2008 Professor für Technische Produkte und Produktsysteme an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Er leitet das Design Innovation Institute Offenbach (DIIO), das in einem globalen Netzwerk über Design forscht. Zebner hat bereits für viele namhafte Unternehmen wie Apple, Audi, BMW oder Siemens gearbeitet. Sein Atelier befindet sich in München.

Die IHK Offenbach veranstaltet die Jahreskonferenz 2016 „Design to business“ am 21. November in Offenbach. Mehr Informationen gibt es unter: http://www.design-to-business.de/events/jahreskonferenz-2016/ http://www.design-to-business.de/events/jahreskonferenz-2016/