Mittwoch, 19.08.2020
Der Mittelstand hinkt bei der bAV hinter: die betriebliche Altersversorgung ist noch nicht bei allen KMU gang und gäbe.

Foto: blende40/iStock/Getty Images

Der Mittelstand hinkt bei der bAV hinter: die betriebliche Altersversorgung ist noch nicht bei allen KMU gang und gäbe.

Personal
Betriebliche Altersvorsorge

Mit bAV Mitarbeitersorgen in Krisenzeiten mildern

Mitarbeiter mit bedarfsgerecht gestalteter bAV sind motivierter und identifizieren sich stärker mit ihrem Arbeitgeber, wie eine repräsentative Studie zeigt. Dieses Erfolgsrezept gilt auch für mittelständische Unternehmen – gerade in unsicheren Zeiten. Ein Gastbeitrag.

Laut der repräsentativen Studie „Global Benefits Attitudes“ von Willis Towers Watson sagen rund zwei Drittel der Arbeitnehmer, dass sie sich mit einem Arbeitgeber, der ihnen eine bedarfsgerechte betriebliche Altersversorgung (bAV) anbietet, stark identifizieren. Diese Aussage gilt gleichermaßen für Mitarbeiter mittelständischer Unternehmen wie großer Arbeitgeber. Macht die bAV tatsächlich den Unterschied? Es sieht so aus, denn wenn sie nicht bedarfsgerecht gestaltet ist, liegt das Commitment zum Arbeitgeber unter 25 Prozent. Und auch die Bereitschaft, die berühmte letzte Meile mehr zu gehen, ist bei Mitarbeitern mit bedarfsgerechter bAV deutlich stärker vorhanden (77 gegenüber 46 Prozent).

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Was aber ist überhaupt eine bedarfsgerecht gestaltete bAV? Das hängt von den Präferenzen der jeweiligen Mitarbeitergruppen im Unternehmen ab. Flexibilität in der Auszahlung und Mitnahmemöglichkeiten beim Arbeitgeberwechsel stehen ganz vorne. Es zeigen sich aber auch immer wieder Veränderungen: Derzeit nehmen Risikoleistungen für die Arbeitnehmer an Bedeutung zu. Waren Mitte der 2010er Jahre rund 30 Prozent bereit, zugunsten erhöhter Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit und Tod auf höhere Altersleistungen zu verzichten, sind dies heute 52 Prozent. Die sich wandelnden Präferenzen heißt es zu verstehen und in eine intelligente Plangestaltung so zu überführen, dass sie den Mitarbeitern eine bedarfsorientierte Flexibilität und dem Unternehmen eine beherrschbare Verwaltung ermöglichen. 

Altersvorsorge-Sparziele: im Mittelstand häufiger nicht erreicht

Heiko Gradehandt gestaltet und betreut betriebliche Versorgungswerke für mittelständische und internationale Unternehmen bei der Unternehmensberatung Willis Towers Watson.

Foto: Baxter & Baxter Werbeagentur GmbH

Heiko Gradehandt gestaltet und betreut betriebliche Versorgungswerke für mittelständische und internationale Unternehmen bei der Unternehmensberatung Willis Towers Watson.

Zentrales Element der bedarfsorientierten Gestaltung ist aber die Kommunikation. Einfach und verständlich möchten Mitarbeiter nicht nur zum Angebot informiert werden, sondern zunächst einmal den eigenen Bedarf erkennen. So stehen Tools, die das voraussichtliche Rentenalter (50 Prozent) und die voraussichtliche Ausgabenlast im Alter (49 Prozent) ermitteln, hoch im Kurs. Das Bewusstsein, für das Alter etwas tun zu müssen, ist grundsätzlich vorhanden: 44 Prozent wären bereit, für die Altersvorsorge mehr auszugeben als bisher.

 

Mit der konkreten Umsetzung sind viele Mitarbeiter aber überfordert. Somit bleiben persönliche Sparziele für 58 Prozent unerfüllt. Und leider zeigt sich hier eine der beiden deutlichen Abweichungen bei Arbeitnehmern insbesondere kleinerer mittelständischer Unternehmen: Hier sehen sogar 65 Prozent ihr Sparziel als verfehlt an. Bestehende und zunehmende Unsicherheiten in der aktuellen Situation werden die Lage nicht verbessern. Mit verständlichen Tools können Arbeitgeber ohne großen Aufwand Unterstützung leisten und Unsicherheiten mildern. Bewährt haben sich zum Beispiel eine einfache Erläuterung des Versorgungsbedarfs und der betrieblichen Angebote im Intranet, auch als unterhaltsamer Clip gestaltet, sowie Rechner zur Ermittlung des Versorgungsbedarfs.

 

Die zweite wesentliche Abweichung: Nicht überraschend bleibt der Verbreitungsgrad der bAV in mittelständischen Unternehmen noch hinter den Erwartungen zurück. Während 74 Prozent der Arbeitnehmer aus Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern eine bAV haben, sind es bei Unternehmen mit 200 bis 999 Mitarbeitern nur 51 Prozent. 

bAV durch Entgeltumwandlung – aktiv kommuniziert …

Hier bietet sich mittelständischen Unternehmen – mit überschaubarem Aufwand – die Chance, ihre Mitarbeiter beim Sparen fürs Alter, aber auch für Risikofälle zu unterstützen. 72 Prozent wünschen sich diese aktive Rolle ihres Arbeitgebers bei der bAV. Denn diese wird hochgeschätzt und mit Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis von 52 Prozent der Befragten einer privaten Vorsorge vorgezogen. Aktiv zu bestehenden Entgeltumwandlungsmöglichkeiten zu informieren und dabei die oben angesprochenen Tools zu nutzen sind entscheidende Schritte zu einer erfolgreichen bAV. Über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehende Zuschüsse des Arbeitgebers steigern die Attraktivität darüber hinaus.

… gerade in Krisenzeiten

Ist das alles ein Thema in diesen Zeiten? Selbstverständlich! Eine klare Kommunikation zur Vorsorgesituation allgemein und zur bAV im Besonderen kann helfen, Unsicherheiten zu vermeiden und die richtigen Entscheidungen zu treffen, vielleicht auch ein Stück weit Sorgen zu nehmen. Flexibilität in der Betragsgestaltung ermöglicht Pausen, wenn es mal schwierig wird. Langfristig ausgelegt, kann die bAV diese kurzfristigen „Einbrüche“ verkraften. Dort, wo zusätzliches Engagement in der Krise belohnt werden soll, bietet die Aufstockung der bAV attraktive Alternativen zur Prämienauszahlung mit Blick auf die Zukunft: Zwei Drittel glauben, dass die eigene Generation im Ruhestand wesentlich schlechter stehen wird als die Elterngeneration – jede Investition in die bAV sollte ein Baustein dafür sein, dass es so weit nicht kommt.