Donnerstag, 28.02.2019
Meine Firma, deine Firma: Beim Generationenwechsel im Unternehmen hat die Übergabe an ein Familienmitglied nicht mehr alleine die höchste Priorität.

Foto: Prosot-Photography/Getty Images

Meine Firma, deine Firma: Beim Generationenwechsel im Unternehmen hat die Übergabe an ein Familienmitglied nicht mehr alleine die höchste Priorität.

Personal
KfW-Studie

Unternehmensnachfolge: Verkaufen statt vererben

Lange hat eine Mehrheit der Unternehmer eine familieninterne Nachfolgelösung beim Generationenwechsel dem Verkauf vorgezogen. Das hat sich geändert, wie eine aktuelle KfW-Studie zeigt. Der Verkauf des Unternehmens ist demnach mittlerweile für eben so viele denkbar.

Bis Ende 2020 planen 227.000 deutsche Mittelständler die Übergabe des Unternehmens an einen Nachfolger. Das zeigt eine aktuelle Analyse von KfW Research auf Basis des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels. Im vergangenen Jahr lag die Schätzung der Experten bei 236.000 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die bis Ende 2019 die Unternehmensnachfolge regeln mussten.

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Die Analyse zeigt auch, dass parallel das Bewusstsein der Unternehmenslen­ker wächst, sich den Herausforderungen des bevorstehenden Generationenwech­sels frühzeitig zu stellen. Fast 60 Prozent der betroffenen Unternehmer haben sich mit den möglichen Optionen bei einem altersbedingten Rückzug aus der Firma beschäftigt (2018: 55 Prozent).

Berufliche Vorstellungen der Kinder haben sich verändert

Auch die Zahl der bereits gesicherten Übergaben steigt: Fast zwei Drittel der Mittelständler, die bis 2020 eine Über­gabe anstreben, haben die Nachfolge entweder bereits unter Dach und Fach gebracht oder führen konkrete Verhand­lungen mit dem Nachfolger. Damit ist für etwa 141.000 KMU absehbar, wer die Firma nach dem Rückzug des aktuellen Inhabers weiterführen wird.

Wurde in den vergangenen Jahren stets eine familieninterne Nachfolgelösung bevorzugt, so liegt diese nun mit einem Anteil von 45 Prozent genau gleichauf mit der Option, das Unternehmen zu verkaufen, etwa an einen Private-Equity-Investor. Als Grund dafür nennt die Analyse zum einen veränderte berufliche Vorstellungen der Kinder und zum zwei­ten, dass häufiger als früher gar keine Kinder mehr vorhanden sind.

Nachfolgevarianten, die in Betracht gezogen werden

Quelle: KfW

Als externe Käufer kommen ein Finanzinvestor, ein anderes Unterneh­men oder ein Existenzgründer in Frage. Doch gerade die Gründerzahlen sinken seit mehreren Jahren aufgrund der guten Lage am Arbeitsmarkt. 2017 machten sich 557.000 Menschen selb­ständig. Insbesondere die Übernahme­gründer werden aber deutlich seltener; ihre Zahl lag zuletzt bei nur noch 57.500 im Jahr. Das gilt unter Experten als viel zu wenig.

Die bis 2020 zur Übergabe anste­henden 227.000 Mittelständler haben fast zwei Millionen Erwerbstätige sowie 76.000 Auszubildende und investieren mit 9,3 Milliarden Euro etwa 2,4 Prozent aller Unternehmensinvestitionen hierzu­lande. Darüber hinaus zeichnen sie mit 283 Milliarden Euro für sechs Prozent der jährlichen Gesamtumsätze des Mittelstands verantwortlich.