Dienstag, 03.01.2023
Zukunftsmärkte

Prämie sinkt: Was passiert auf dem E-Auto-Markt?

Die deutlich zurückgegangene Förderung für Elektroautos kann zwei Folgen haben: Entweder der Markt bricht ein, oder die Hersteller gewähren deutliche Rabatte. Für den zweiten Weg gibt es erste Anzeichen. Selbst Premium-Hersteller Tesla kann sich dem Trend zum Rabatt nicht völlig entziehen.
Drei weiße Elektroautos sind an die Ladestation angeschlossen

Foto: Petair/Stocksy/stock.adobe.com

Elektroautos an der Ladestation

Die Preise für Elektroautos geraten unter Druck. Die extrem teuren Fahrzeuge sind seit der Kürzung der staatlichen Förderung deutlich schwerer an die Frau oder den Mann zu bringen. Die Folge sind Rabatte auf Neuwagen und purzelnde Preise für gebrauchte Elektroautos. Sogar Luxusmarken wie Tesla erreicht der Trend inzwischen.

 

Der Markt wird bereits seit Wochen durchgeschüttelt.

 

Anfang Dezember veröffentlichte Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöfer eine Prognose, die für Aufsehen sorgte. Darin rechnet er im Jahr 2024 mit dem Verkauf von nur noch 362.000 E-Autos nach einem Absatz von rund 750.000 Elektroautos im Jahr 2022. Damit würde sich der Marktanteil der mit Strom betriebenen Automobile am Neuwagenverkauf von 27,8 Prozent auf 14 Prozent nahezu halbieren. Wichtigster Grund für den Niedergang sind laut Dudenhöfer die Kappung der staatlichen Fördermittel (Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge, Stand: 01.01.2023) sowie die aktuell hohen Strompreise, die einen Einstieg in die vor Ort emissionsfreie Technologie zunehmend unattraktiver machten. Für das Jahr 2023 erwartet das Dudenhöfer Center Automotive Research (CAR) noch 484.000 verkaufte Elektroautos, was einem Marktanteil am Neuwagenverkauf von 21,3 Prozent entsprechen würde.

Nach den Vorgaben der Bundesregierung werden Plug-in-Hybride seit diesem Jahr überhaupt nicht mehr gefördert.

 

Für voll-elektrische Batteriefahrzeuge sind die Kaufprämien pro Fahrzeug je nach Netto-Listenpreis auf eine Spanne zwischen 4500 und 6750 Euro (bislang 7500 bis 9000 Euro) gesunken. Zudem ist der Fördertopf gedeckelt und wird nach CAR-Einschätzung Ende 2023 erschöpft sein.

Bereits ab September 2023 entfällt die Prämie bei gewerblichen Zulassungen. Dazu kommen im Vergleich zum Jahresbeginn 2022 nahezu verdreifachte Strompreise und steigende Produktionskosten für Batterien, warnt Dudenhöfer. Auf der anderen Seite bleibt es allerdings dabei, dass Dienstwagen subventioniert werden, was dem Absatz hilft: Dienstwagen machen zwei Drittel der Erstzulassungen aus, bei Plugin-Hybriden sogar 75 Prozent, die weiterhin von der 0,5 Prozentregel profitieren. Das heißt, dass Fahrerinnen und Fahrer von Elektro-Dienstwagen diesen Vorteil weniger hoch versteuern müssen, als wenn sie ein Dienstauto mit Verbrennungsmotor fahren würden.

 

Dennoch sinkt die Gesamtförderung unterm Strich stark, was den Absatz schwierig macht und die Hersteller unter Druck setzt.

 

Stefan Möller vom Leipziger Elektroautovermieter Nextmove beobachtet seit Jahren die Märkte, hat gute Kontakte zu etlichen Herstellern und betreibt einen Youtube-Kanal zum Thema. Er sagt im MDR: „Für den Privatkunden wird das Elektro-Auto deutlich unattraktiver, weil es 4.500 Euro teurer wird.“ Richtig pessimistisch ist Möller im Gegensatz zu Dudenhöfer allerdings nicht, weil die Auftragsbücher der Hersteller noch aus dem vergangenen Jahr voll sind und diese Bestellungen erstmal abgearbeitet werden müssen. Dazu kommt, dass sich die Lieferengpässe bei Zulieferteilen langsam entspannen. Die Materialknappheit in der Industrie habe sich merklich entspannt, berichtet das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo in dieser Woche. Nur noch die Hälfte der befragten Firmen litten im Dezember und Engpässen, nach 59,3 Prozent im November war das der dritte Rückgang in Folge.

Bei den Autokäufern herrscht dennoch Unsicherheit. So zitiert der MDR den Geschäftsführer eines Dresdner Opel-Autohauses mit mehreren Standorten. Er schildert, wie groß die Unsicherheit für sein Unternehmen und dessen Kunden ist: „Also das wird eine schwierige Kiste, wenn der Strompreis jetzt weiter durch die Decke geht. Wenn ich jetzt weniger Förderung habe und dann an den Ladesäulen auch noch mehr bezahlen soll, ist die große Frage, ob der grüne Gedanke so bleibt, oder ob die Hersteller in irgendeiner Form nachsteuern, um den Preis auf einem gewissen Niveau zu halten."

 

Und genau das zeichnet sich ab: „Wir sehen fallende Preise“, sagt Möller von Nextmove.

 

Aktuell seien sie in den letzten drei Monaten für gebrauchte Elektroautos um gut zehn Prozent gefallen, bei manchen Marken noch mehr. Noch mehr bewegt sich bei den Neuwagen. Portale wie beispielsweise carwow oder MeinAuto.de bieten satte Rabatte an. So ist der Smart EQ fortwo Cabrio derzeit um 37 Prozent unterm Listepreis zu haben, den Renault Zoe gibt es 28 Prozent billiger, und der beliebte Fiat 500 ist mit 24 Prozent auf dem Markt knapp ein Viertel billiger als er in den offiziellen Preislisten des Herstellers steht. Möller rechnet sogar damit, dass Premiummarken Rabatte gewähren werden. „Am direktesten passiert das bei Tesla, dort gibt es die klare Maßgabe, die Produktion muss zu 100 Prozent ausgelastet werden, und wenn die Nachfrage nicht passt, dann senkt Tesla die Preise. Sinkende Nachfrage müsste sich eigentlich darin äußern, dass Rabatte wieder kommen."

Entsprechend äußerte sich Tesla-Chef Elon Musk im Oktober. Damals wurde er auf einer Analysten-Konferenz nach einer ungewohnt hohen Differenz zwischen verkauften und produzierten Autos gefragt. Seine Antwort: Er gehe davon aus, auf absehbare Zeit jedes produzierte Elektroauto auch verkaufen zu können. Die Folge dieser Aussage waren erste Rabatte auf neue Teslas, die auch in Europa spürbar wurden. Auf den europäischen Tesla-Seiten im Netz waren die Modelle 3 und Y im Bestand zu finden – und damit ein Hinweis darauf, dass nicht jedes Auto, das die deutsche Gigafactory verlässt, schon vorher verkauft worden war. Und an einzelnen Tagen Ende des Jahres waren dann tatsächlich einzelne Modelle mit bis zu 3000 Euro Rabatt zu finden.

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