Montag, 31.10.2022
Zukunftsmärkte
Marken Gala

Tatendrang sticht Trübsal

Die Marken Gala in Frankfurt am Main bleibt ein kommunikatives Großereignis. Zur 17. Ausgabe trafen sich erneut zahlreiche Unternehmenslenker, Spitzenpolitiker und Showstars zum exklusiven Austausch in der Alten Oper. Der Tenor des Abends: Den Blick trotz aller Krisen nach vorne richten. Für SPD-Chef Lars Klingbeil und ZDF-Moderator Markus Lanz gab es Preise.

Volle Oper: Die Marken Gala 2022 lockte mehr als 700 Gäste in die Alte Oper nach Frankfurt.

Bild: LIQUID Kommunikationsdesign

Es ist ein regelrechter Tsunami an Krisen, der da gerade über den Planeten fegt. Die Coronapandemie noch nicht ausgestanden, schwingt sich Xi Jinping in China zur Alleinherrschaft auf und verwandelt die Volksrepublik in eine Diktatur. Wladimir Putin führt derweil weiter unnachgiebig seinen zerstörerischen Krieg gegen die Ukraine und im Iran unterdrückt das Mullah-Regime gewaltsam das eigene Volk. Im Westen, in Europa, in Deutschland, äußern sich diese Krisen in rasant steigenden Energiepreisen, in zweistelligen Inflationsraten und bald wohl auch in einer Rezession. Leicht ließe sich da Trübsal blasen, in Lethargie verfallen, vielleicht sogar aufgeben, alles einfach hinnehmen.

„Die Markengala ist eine Demonstration für Freiheit und Lebensfreude“

Christiane Goetz-Weimer (WEIMER MEDIA GROUP), die die 17. Ausgabe der Markengala in der Alten Oper Frankfurt gemeinsam mit Claudio Montanini (Marketing Club Frankfurt) eröffnete, entschied sich dagegen. „Die Markengala ist heuer mehr denn je auch eine Demonstration für Freiheit und Lebensfreude“, sagte Goetz-Weimer. In einer Zeit wie dieser werde „der eigentliche Kern der Markengala besonders sichtbar und wichtig“, fuhr die Journalistin und Unternehmerin fort. „Miteinander reden, sich vernetzen, Brücken bauen, andere Perspektiven einnehmen und denjenigen Respekt erweisen, die die Welt ein Stückchen friedlicher und besser machen - das ist gelebte Demokratie und in diesem Jahr geradezu eine Demonstration gegen Autokraten und Diktatoren, die die Welt dieser Tage einschüchtern wollen.“

Goetz-Weimer gab damit die Richtung für einen in der Folge gewohnt glamourösen Abend vor. Der Blick nach vorn, Tatendrang und Innovationsgeist, Mut und Zukunftslust sollten bei dieser Marken Gala im Mittelpunkt stehen. Schließlich ist es das, was auch starke und erfolgreiche Marken auszeichnet. Trotz des essentiellen Wiedererkennungswerts bedarf es stets auch der kreativen Veränderung. Mehr als irgendwo sonst gilt im Marketing wohl der berühmte Satz: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Lars Klingbeil für „politische Markenleistung des Jahres“ geehrt

Einer, der mit der Zeit gegangen ist, ist Lars Klingbeil. Inzwischen Vorsitzender der Sozialdemokraten hatte Klingbeil, damals noch als Generalsekretär, maßgeblich Anteil am Überraschungserfolg der SPD bei der Bundestagswahl 2021. Dafür bekam er auf der Marken Gala den Signs Award in der Kategorie „Politik“ verliehen. „Die von Klingbeil systematisch betriebene Fokussierung auf die politische Mitte und das Erbe Angela Merkels reanimierte die verblassende Volksparteien-Aura der Sozialdemokratie neu und ließ die SPD als Kanzler-, Vertrauens- und Respektmarke wieder auferstehen “, begründete die Jury. „Die Marke SPD derart geschickt und erfolgreich neu zu positionieren, sei „die politische Markenleistung des Jahres“.
Markus Lanz ist die diesjährige „Living Brand“

Für seine journalistischen Leistungen wurde Moderator und ZDF-Talkmaster Markus Lanz mit dem „Living Brand“-Award ausgezeichnet. Die Auszeichnung wurde von der WEIMER MEDIA GROUP, die die Markengala gemeinsam mit dem Marketing Club Frankfurt veranstaltet, im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Sie ehrt Menschen, die es durch außergewöhnliche Leistungen geschafft haben, selbst zur Marke zu werden. „Markus Lanz erreicht mit seiner Talkshow im ZDF Quotenrekorde – und zwar zu einer außergewöhnlichen, miserablen Uhrzeit“, lobte Gastgeber Wolfram Weimer den Südtiroler in seiner Laudatio. Das ZDF bat er sodann die Sendung „endlich auf Primetime“ zu setzen. Dies würde Millionen politisch Interessierte vor Schlafbeschwerden bewahren, so Weimer. Lanz nehme seine Berufung von Grund auf ernst, recherchiere Nächte lang und bereite sich stets akkurat auf seine Sendung vor – und er ließe „Politikern Tatsachenverdrehungen nicht durchgehen, weil er es in der Regel besser weiß“. Besonders hob Weimer auch die „ernsthafte Offenheit“ von Lanz in einer Republik die „Meinungskorridore sehr eng macht“ hervor. „Lanz“, schloss Weimer, fühle sich manchmal an wie „eine Lichtung der Freiheit“. Lanz selbst war kurzfristig erkrankt und deshalb per Video in die Alte Oper zugeschaltet. Um seine offenbar stark in Mitleidenschaft gezogenen Stimmbänder zu schonen, antwortete dieser gut aufgelegt mit beschriebenen Kärtchen. Es spricht wohl auch für Lanz, dass sein krankheitsbedingter Ausfall zur ersten Absage seiner Sendung nach zuvor rund 1700 Folgen am Stück führte.


Start Up Neggst und Mittelständler Sixt gewinnen Frankfurt Sprungfeder und Goldenes Brandeisen

Fleiß und Durchhaltevermögen braucht es derweil auch im Start Up-Bereich. Traditionell wird auf der Markengala deshalb die Frankfurter Sprungfeder verliehen. Nach insgesamt 88 Bewerbungen, von denen es fünf in die Endauswahl schafften, blieb am Ende Neggst übrig. „Bei Neggst stimmte die Mischung aus nachhaltiger Geschäftsidee, Marktpotenzial, Markenaufbau und Pitchpräsentation einfach am besten“, urteilte die Jury. Zudem habe auch das Produkt selbst mit einem authentischen Geschmack überzeugen können. Neggst hat ein veganes Ei mit Schale entwickelt. Diese Ei-Alternative gleicht vom Eigelb bis zur Schale einem Hühnerei, besteht aber aus rein pflanzlichen Inhaltsstoffen. Die Sprungfeder wird  vom Marketing Club Frankfurt vergeben und gilt als einer der höchstdotierten in der Branche. VYTAL Global, gewann den Preis im vergangenen Jahr mit einem revolutionärem Mehrwegsystem für die Liefergastronomie. In der Folge sicherte sich VYTAL dann sogar eine Finanzierung in Höhe von zehn Millionen Euro.

Der zweite große Unternehmens-Preis, den es auf der Markengala Jahr für Jahr zu gewinnen gibt, ist das Goldene Brandeisen. Es prämiert Firmen, die einen nachhaltigen Markenerfolg generieren oder eine angestaubte Marke ansprechend aufpolieren. In diesem Jahr ging er an den Autovermieter Sixt.  „Allein in den letzten fünf Jahren hat sich dessen Markenwert fast vervierfacht“, schreibt die Jury. Sixt folgt damit auf Strauss, Stihl, Edeka, DM, Bahlsen und Kärcher, die zuletzt mit dem „Goldenen Brandeisen“ prämiert worden sind.

Wieder ein Besucherrekord, viele prominente Persönlichkeiten – und vor allem: viel Frohsinn trotz Krisen

Neben diesen inhaltlichen Höhepunkten, erwies sich auch die 17. Marken Gala wieder als Fest des Beisammenseins und Zusammenkommens. Zu den fast 700 Gästen, womit der Gala ein neuer Besucherrekord gelang, zählten einmal mehr viele prominente Persönlichkeiten, darunter Manager Christian Seifert, Unternehmerin Elisabeth Gürtler-Mauthner und TV-Star Annemarie Carpendale. Zum Kreis der mehrjährigen Kooperationspartner gehören Unternehmen wie SAP, Deutsche Vermögensberatung, Lotto Hessen, Bucherer Fine Jewellery, Metzler, Genesis, Melitta, Fraport Wirtschaftsförderung Frankfurt, Eckes-Granini, pwc, Procter & Gamble, Lufthansa und Nest.

Je länger der Abend fortdauerte, durch den der Musical-Star Uwe Kröger führte, desto mehr gerieten dann auch die vielen eingangs erwähnte Krisen in der Hintergrund. Spätestens bei der Bekanntgabe der Gewinner des legendären Markenquiz, bei dem die Gäste rätselhafte Beschreibungen einer Marke zuordnen müssen, durfte dann auch ausgelassen gejubelt werden. Es sei ein tolles Zeichen, dass „wir es geschafft haben diesen Saal in Zeiten der Unsicherheit voll zu bekommen“, urteilte Claudio Montanini, Präsident des Marketing Club Frankfurt.

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