Freitag, 25.10.2019

Foto: Sonntag CF

Erfolgreicher Abschluss: Mit der gefundenen Regelung für die Nachfolge von Fritz Dethlefsen können am Ende alle Beteiligten gut leben.

Personal
Spedition Braase

„Die Nachfolge regeln heißt auch: das Lebenswerk loslassen“

Die Trennung vom eigenen Betrieb fällt vielen Unternehmern schwer. Sie sollten deshalb rechtzeitig überlegen, wem sie Verantwortung übertragen wollen. Dabei können auch Mischlösungen aus Gesellschaftern und Kindern bei der Unternehmensnachfolge interessant sein.

Es liegt so gut wie nie am Verkaufspreis. Das größte Risiko für den erfolgreichen Verkauf eines Unternehmens im Rahmen der Unternehmensnachfolge ist der Verkäufer selbst. Gerade im Mittelstand tut sich der Noch-Inhaber oft schwer damit, sein Lebenswerk loszulassen. Dann besteht die Gefahr, dass der Verkauf scheitert oder sich unnötig verzögert.

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Fritz Dethlefsen ist in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Der ehemalige Eigentümer der Spedition Braase aus Fockbek, knapp 100 Kilometer vor der dänischen Grenze gelegen, hat für sein Unternehmen mit 75 Mitarbeitern binnen eines Jahres geeignete Käufer gefunden: Neben der Haspa Beteiligungsgesellschaft für den Mittelstand (Haspa BGM), die 49,9 Prozent der Anteile erwarb holte der Unternehmer auch noch seine beiden Söhne (zusammen 35 Prozent) und seinen langjährigen Co-Geschäftsführer (15,1 Prozent) als Gesellschafter in das Fuhrunternehmen.

Foto: Sonntag CF

Fritz Dethlefsen

Doch von vorne: Ende 2016 stirbt der Vater des Unternehmers mit 84 Jahren. Der Tod des Vaters ist für Fritz Dethlefsen ein einschneidendes Ereignis. Nicht nur der Tod des Vaters selbst schmerzt, gleichzeitig wird er mit der Tatsache konfrontiert, dass auch sein eigene Existenz begrenzt ist. „Davor habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht und auch keinerlei Vorsorge getroffen. Vielmehr fühlte ich mich immer jung und agil“, sagt Dethlefsen selbstkritisch. Nun, mit Ende fünfzig, realisiert er, dass er die Zukunft seines Unternehmens sichern muss.

Was Fritz Dethlefsen erlebt, ist ganz typisch für seine Zunft. „Es gibt häufig ein Lebensereignis, das den Unternehmer dazu veranlasst, sich mit der Zeit nach ihm auseinander zu setzen. Das kann ein Todesfall in der Familie sein, ein Streit mit den Kindern, die die Firma übernehmen sollten, oder das Nachlassen der physischen und geistigen Kräfte“, sagt Tom Rüsen, Direktor des Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) an der Universität Witten/Herdecke.

Dethlefsen investiert in Lkw-Flotte und neuen Standort

Wer der „richtige“ Käufer sein kann, hängt immer vom Einzelfall ab. Es sei ein Unterschied, ob das Unternehmen langfristig erhalten bleiben soll oder ob der Inhaber einen Ausgleich für entgangene Lebensfreude sucht, erklärt der Wissenschaftler. „Im ersten Fall ist der beste Käufer derjenige, der wertekonform mit den Vorstellungen des Verkäufers ist, dann spielt der Preis eine untergeordnete Rolle. Im zweiten Fall steht hingegen ein hoher Kaufpreis im Vordergrund. Ob Arbeitsplätze abgebaut werden oder der Firmennamen verschwindet, ist für den Verkäufer nebensächlich“, erklärt Rüsen die die mentalen Modelle.

Fritz Dethlefsen sieht sich seit jeher in der Verantwortung für seine Mitarbeiter. Deshalb ist ihm eine seriöse Nachfolgelösung wichtig. Seit seinem Management-Buy-in im Jahr 2006 hat sich das auf den Transport von Wohnwagen, Nutzfahrzeugen, Fahrgestellen und Kleintransportern spezialisierte Unternehmen gut entwickelt. Unter seiner Ägide investiert die Spedition Braase massiv in ihre Lkw-Flotte, zieht an einen besseren Standort und trimmt die internen Prozesse auf Effizienz.

Berater spricht 200 ausgewählte Adressen an

Bei der Suche nach einem geeigneten Käufer holt sich Dethlefsen Hilfe bei Sonntag Corporate Finance (CF). Thomas Sonntag, Gründer und Geschäftsführer der M&A-Beratung sowie ausgebildeter Psychotherapeut, weiß, worauf es beim Verkauf von mittelständischen Unternehmen ankommt: „Die besten Chancen haben Käufer, die dem Verkäufer Wertschätzung entgegenbringen.“

Gerade wenn es um mittelständische Unternehmen geht, ist etwas zweites ebenfalls unverzichtbar: Diskretion. Schließlich sollen weder Mitarbeiter verunsichert werden noch Konkurrenten oder aggressive Investoren aufgeschreckt werden. Sonntag CF-Projektmanager Andreas Schuster geht entsprechend dezent vor. Insgesamt rund 200 Adressen die Sonntag CF angesprochen hat – vor allem Familiy Offices und Private Equity (PE)-Häuser – erhalten ein anonymisiertes Exposé mit ersten Kennzahlen über den Kaufkandidaten. Schuster sorgt dafür, dass eine genaue Identifikation des zum Verkauf stehenden Unternehmens nicht möglich ist.

Nicht Bittsteller, sondern selbstbewusster Verkäufer

Rund 50 geben letztlich ein indikatives Angebote ab. „Das Gebot wird zwar für 100 Prozent Unternehmensanteile abgegeben“, sagt Fritz Dethlefsen, „das heißt aber nicht, dass man dann auch den kompletten Betrieb verkaufen muss.“ Mit anderen Worten: Jetzt erst beginnen die eigentlichen Verhandlungen. Von Anfang ist dem Unternehmer klar, dass er seinen langjährigen Co-Geschäftsführer zum Gesellschafter machen will. Einerseits aus Dankbarkeit für sein Engagement, andererseits auch, weil die „Braut“ mit einem erfahrenen Manager für Käufer attraktiver ist.

Ungewohnt für die dealerprobten Investoren: Fritz Dethlefsen tritt ihnen nicht als Bittsteller gegenüber, sondern als sehr selbstbewusster Verkäufer, der klare Vorstellungen hat, wen und was er sich für sein Unternehmen wünscht. 25 verbindliche Angebote bleiben übrig, von denen Dethlefsen und Schuster zehn auswählen. „Ich habe gesehen, dass der Markt mehr hergibt als angenommen. Deshalb bot sich Gelegenheit, neben der Unternehmensnachfolge auch gleich noch die Frage der Erbschaft zu regeln“, erklärt Dethlefsen. Nun müssen nur noch die Investoren überzeugt werden, auf eine Mehrheit an der Spedition Braase zu verzichten.

Die Nachfolge des Nachfolgers geregelt

In den Verhandlungen gibt es nun auch hitzige Diskussionen: „Jetzt ist es auch mal gut, Herr Dethlefsen“, wird einer der Investoren deutlich: „Man kann nicht immer wieder mehr und noch mehr wollen.“ Doch Dethlefsen sieht sich am längeren Hebel und kann ein „harter Hund“ sein, wenn es sein muss. Mit Erfolg: Er kann sich mit seinem Plan durchsetzen. Für die Haspa Beteiligungskapitel spricht am Ende neben der regionalen Nähe, dass sie nicht exitgetrieben in die Verhandlungen geht und sich sehr flexibel zeigt.

Der Verkauf geht im April 2019 über die Bühne und kennt am Ende nur Gewinner: Fritz Dethlefsen gibt die Geschäftsführung an seinen ehemaligen Kompagnon und neuen Gesellschafter ab. Er selbst sitzt weiterhin im sogenannten Leitungskreis, einer Art Gesellschafterversammlung, die sich einmal im Monat trifft und über die Strategie entscheidet. Zudem ist er – neben seinem Sohn – einer der Geschäftsführer einer Verwaltungsgesellschaft, in der die Familienanteile liegen.

Der Jüngere seiner beiden Söhne kann sich vorstellen, das Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt selbst zu lenken. Die nötige Qualifikation als Diplom-Kaufmann hat er seit kurzem. Damit ist Fritz Dethlefsen am Ende sogar das Meisterstück gelungen, dass er nicht nur seine eigene Nachfolge geregelt hat, sondern auch die Nachfolge seines Nachfolgers.