Donnerstag, 25.07.2019
International erfolgreich: Bei Fassspannringen für Industriefässer ist Ringmetall Weltmarktführer.

Foto: Vladimir1965/ iStock / Getty Images Plus

International erfolgreich: Bei Fassspannringen für Industriefässer ist Ringmetall Weltmarktführer.

Zukunftsmärkte
Exportweltmeister

Wie Übernahmen bei der Expansion ins Ausland helfen

Der Hidden Champion Ringmetall produziert auf drei Kontinenten Spezialverpackungen für verschiedene Branchen wie die chemische Industrie. Bei der Erschließung neuer Märkte setzt der Mittelständler auf den Kauf ausländischer Unternehmen.

In den vergangen fünf Jahren hat der Weltmarktführer und Exportweltmeister für Fassspannringe, Ringmetall, seinen Umsatz nahezu verdoppelt. Dies gelang dem Mittelständler nicht zuletzt dadurch, dass er konsequent auf die Internationalisierung des Unternehmens durch Zukäufe setzte. „Mit der Übernahme des führenden Spannringherstellers auf dem US-Markt haben wir uns den nordamerikanischen Markt erschlossen“, sagt Christoph Petri, Geschäftsführer von Ringmetall. 

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Der Vorteil für den Hidden Champion: Er konnte die vorhandenen Strukturen und Kundenkontakte der neuen Tochtergesellschaft nutzen. Mit dem Kauf weiterer Unternehmen in der Türkei, Italien, China und auch in Deutschland, baute das Unternehmen seine Marktposition weiter aus. Bei Fassspannringen hat Ringmetall inzwischen einen Weltmarktanteil von 70 Prozent. „Bei all unseren Zukäufen war uns wichtig, dass es Wachstumsunternehmen sind, die uns bei der Expansion helfen, oder unser technologisches Know-how erweitern“, sagt Petri über seine Rolle als Investor.

Christoph Petri ist Geschäftsführer von Ringmetall.

Foto: Ringmetall AG

Christoph Petri ist Geschäftsführer von Ringmetall.

Doch die Übernahmen haben nicht nur Vorteile mit sich gebracht, sondern auch viel Arbeit verursacht. „Die Übernahmegespräche für den chinesischen Spannringproduzenten haben sich über 18 Monate gezogen“, erinnert sich der Geschäftsführer. Immer wenn der Mittelständler glaubte, die Verhandlungen seien abgeschlossen, schob die Gegenseite eine Forderung hinterher. Nicht untypisch für Geschäftsgespräche mit chinesischen Unternehmen. So beobachten auch M&A-Berater häufig, dass man in Ländern wie China, der Türkei oder im arabischen Raum bei Verhandlungen seine Meinungen – vor allem Kritik – weniger offen mitteilt, als dies in Deutschland der Fall ist. Für deutsche Mittelständler ist es dann schwer einzuschätzen, wie nah ein erfolgreicher Abschluss der Gespräche wirklich ist.

Die Identität bewahren

Auch nach den abgeschlossenen Übernahmen gab es für Ringmetall einiges zu tun. Jedes Unternehmen war auf den bisherigen Eigentümer zugeschnitten und hatte seine individuelle Firmenkultur. Diese musste es auch nach der Übergabe nicht aufgeben. „Die Unternehmen sollten weitgehend so arbeiten wie bisher, um an ihrem Erfolg anzuknüpfen“. Deshalb behielt Ringmetall nicht nur die Markennamen bei, sondern übernahm jeweils auch zahlreiche Führungskräfte der neuen Töchter. Die gekauften Unternehmen dürfen zudem vieles autark entscheiden. Doch es gibt auch klare Grenzen. Die Finanzierung der einzelnen Einheiten steuert Ringmetall zentral aus Deutschland. Auch der Einkauf und Vertrieb wurden zentralisiert, um Synergien zu schaffen. „Es war teilweise eine Sisyphusarbeit alle Unternehmensidentitäten unter einem Hut zu bringen“, sagt Petri.

Info

Das Magazin „ExportManager“, das wie „Markt und Mittelstand“ zu Frankfurt Business Media – Der F.A.Z.-Fachverlag gehört, veranstaltet am 22. Oktober in Mannheim den „Tag der Exportweltmeister“. Zugelassen sind nur Vertreter exportierender Unternehmen – das garantiert effizientes Networking und praxisnahe Diskussion. Weitere Infos und Anmeldung auf der Veranstaltungswebseite.

Doch die Arbeit hat sich für den Mittelständler am Ende ausgezahlt. Nicht nur bei der Expansion ins Ausland helfen die hinzugewonnen Tochtergesellschaften, sondern auch bei der Suche nach Fachkräften. „Der Fachkräftemangel ist mittlerweile weltweit ein Problem“, beobachtet Petri. „Aber in Deutschland ist es am schlimmsten.“ Als das Unternehmen hierzulande keinen geeigneten Controller fand, stellte es eben einen in Italien ein. Der kümmert sich nun um die Finanzen der gesamten Unternehmensgruppe.