Montag, 07.01.2019
Bewerber Fehlanzeige: Gerade für Unternehmen in der Provinz wird es immer schwieriger, passendes Personal zu finden.

Foto: fizkes/iStock/Getty Images

Bewerber Fehlanzeige: Gerade für Unternehmen in der Provinz wird es immer schwieriger, passendes Personal zu finden.

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Fachkräftemangel in Deutschland: Was Unternehmen tun können

Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für den deutschen Mittelstand – auf dem platten Land genauso wie in den Industrieregionen in Süddeutschland. Was hat es mit dem Begriff auf sich? Und wie können Mittelständler trotzdem qualifizierte Mitarbeiter finden?

Gerade Mittelständler klagen über den Fachkräftemangel. Sie haben es häufig besonders schwer, das passende Personal zu finden. Denn die Unternehmen sind oft unbekannt und nicht selten in der Provinz angesiedelt. Dort ist der Fachkräftebedarf aufgrund der boomenden Gesamtwirtschaft, der oft besonders erfolgreichen Industriebetriebe („Hidden Champions“) und der Präferenz junger Generationen, vom Land in die großen Städte zu ziehen, groß. Entsprechend schwierig ist es, junge Ingenieure oder zum Beispiel Fachkräfte in IT und Chemie zu finden.

Fachkräftemangel: Versuch einer Definition

Ab wann man von einem – möglicherweise sogar flächendeckenden – Fachkräftemangel sprechen kann, lässt sich schwer definieren. Grob gesagt existiert Fachkräftemangel dann, wenn „eine bedeutende Anzahl von Arbeitsplätzen für Mitarbeiter mit bestimmten Fähigkeiten nicht besetzt werden kann, weil auf dem Arbeitsmarkt keine entsprechend qualifizierten Mitarbeiter (Fachkräfte) zur Verfügung stehen“, wie die Onlineenzyklopädie Wikipedia schreibt. Aber was heißt in diesem Fall „bedeutend“? Und besteht Fachkräftemangel schon dann, wenn die Besetzung einer vakanten Stelle länger dauert als in der Vergangenheit?

 

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Viele Experten – zum Beispiel die Bundesagentur für Arbeit – sprechen daher nicht von einem „generellen Fachkräftemangel in Deutschland“. Manche Kritiker Kritiker nehmen sogar das Wort „Lüge“ in den Mund – schließlich gebe es angesichts weiterhin existierender Arbeitslosigkeit genügend potentielle Arbeitskräfte auf dem Markt. Man müsse sie nur finden und ausbilden.

Ist das Problem also nur ein Mythos – oder ist der Mangel Realität? Fakt ist: Viele Unternehmen tun sich schwer, passende Mitarbeiter – ob ausgebildet oder ausbildungswillig – zu finden. Teilweise liegt es an der Branche oder der Berufsgruppe – bei Ingenieuren wird der Fachkräftemangel von kaum jemandem bezweifelt –, teilweise aber auch an anderen Faktoren. So kann Firma A sehr lange nach einem passenden Bewerber suchen, während Firma B aus zahlreichen Aspiranten für denselben Job auswählen kann. Neben einem möglicherweise unterschiedlichen Gehalt kann das an vielen weiteren Dingen liegen: Vielleicht liegt Firma A in der Provinz und hat deshalb Probleme, junge qualifizierte Menschen anzulocken. Vielleicht ist Firma B einfach bekannter und fällt fast jedem Bewerber als erstes ein. Vielleicht hat Firma C – gerechtfertigt oder ungerechtfertigt – einen schlechten Ruf.

„Flächendeckenden Fachkräftemangel sehe ich nicht. Noch nicht.“

Die Bundesregierung gefährde das Wachstum der deutschen Wirtschaft, findet der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. In welchen Bereichen die Politik dringend handeln müsse, erklärt er im Interview. [weiterlesen]

Fachkräftemangel: Maßnahmen zur Personalgewinnung und Fachkräftesicherung

Zahlreiche Mittelständler versuchen jedenfalls mit mitunter kreativen Methoden, Fachkräfte zu finden. Wir stellen einige Ansätze von Ihnen – und ihre Ansätze vor:

Mit Fahrradfreundlichkeit zu motivierten und gesunden Mitarbeitern

Sogar einen Dienstrad-Fuhrpark gibt es: Das badische Unternehmen FSM motiviert seine Mitarbeiter, von vier auf zwei Räder umzusteigen. Geschäftsführer Konrad Molz erhofft sich motiviertere und gesündere Arbeitskräfte – und fährt mit gutem Beispiel voran. [weiterlesen]

Fachkräfte und Innovation: zwei Fliegen mit einer Klappe

Mit Hilfe eines Innovation-Labs mit ständig wechselnden Werkstudenten will ein Softwarehaus mittelfristig neue Mitarbeiter gewinnen – und kurzfristig mit neuen Ideen die eigenen Produkte verbessern. Bei der Steuerung des Projektes hält sich das Unternehmen zurück. [weiterlesen]

Mit Sport und Kooperation zu jungen Fachkräften

„Wir können es uns nicht leisten, ein Hidden Champion zu sein“, sagt Bernd Kußmaul, Geschäftsführer des gleichnamigen Spezialisten für Oberflächenbearbeitung im Raum Stuttgart. Um Nachwuchs-Fachkräfte an sein Unternehmen und die Region zu binden, kooperiert er mit anderen Unternehmen – und den örtlichen Fußballclubs. [weiterlesen]

Drei Zielgruppen, drei Events: Bewerbersuche bei Dvelop

Für Unternehmen auf dem platten Land ist es mitunter besonders schwierig, Fachkräfte auf dem Land zu finden. Ein münsterländisches IT-Unternehmen bewirbt sich deshalb bei den Bewerben – und das schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt. [weiterlesen]

Aus dem Archiv: Wie mittelständische Unternehmen Mitarbeiter aufs Land locken

Auch andere Unternehmen im ländlichen Raum versuchen, Fachkräfte in die Provinz zu locken – oder zu verhindern, dass diese nach der Schule wegziehen. In diesem Artikel aus dem „Markt und Mittelstand“-Archiv stellen wir einige von ihnen vor. [weiterlesen]

Viele Mittelständler nutzen auch Online-Jobbörsen, um dem Fachkräftemangel zu trotzen und Mitarbeiter zu finden. Wir haben uns einige der Angebote im Internet angeschaut.

„Der Mittelstand lässt Potential bei der Fachkräftesuche im Internet liegen“

Gerade jüngere Arbeitnehmer informieren sich hauptsächlich im Internet über mögliche Stellenangebote. Unternehmen sollten daher im Netz auf sich aufmerksam machen. Wie das geht, verrät Social-Media-Experte Christoph von Külmer im Interview. [weiterlesen]

Fachkräfte aus dem Ausland: Sind Zuwanderer die Lösung des Fachkräftemangels?

Nachdem spätestens ab 2015 zahlreiche Flüchtlinge nach Deutschland kamen, wurde immer wieder diskutiert, ob durch sie der Fachkräftemangel zumindest entschärft würde. Experten und Wirtschaftsvertreter sind uneins: Zwar haben viele nach Deutschland geflüchtete Menschen mittlerweile einen Job oder einen Ausbildungsplatz, mancherorts ist aber auch Ernüchterung eingekehrt. Viele Unternehmer zeigen sich von Verwaltung und Politik alleingelassen. Und manche von ihnen sind einfach unsicher über die rechtlichen Lage.

Themenschwerpunkt: Flüchtlinge und der Arbeitsmarkt

Was zu beachten ist, wenn man Flüchtlinge einstellen möchte, treibt derzeit viele Unternehmer um. Wir haben die wichtigsten Infos gesammelt - und berichten, wie sich Theorie und Praxis unterscheiden. [weiterlesen]

Spricht man mit Mittelständlern, die Flüchtlinge eingestellt haben, hört man häufig, dass die Behörden keine große Hilfe waren – ganz im Gegenteil.

Warum eine kleine Edelstahlgießerei auf Flüchtlinge setzt

Können Flüchtlinge dabei helfen, den Fachkräftemangel zu lindern? Das Beispiel einer Edelstahlgießerei in Nordrhein-Westfalen zeigt, wie es geht – aber auch, wie Bürokratie und Behörden den Beteiligten das Leben schwer machen. [weiterlesen]

Zumindest für Zuwanderer, die nicht als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, sollen die Hürden, hierzulande zu arbeiten, sinken. Das zumindest ist das erklärte Ziel der Bundesregierung und dem von ihr auf den Weg gebrachten Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Doch Kritiker befürchten neue bürokratische Hürden.

Fachkräftemangel: Statistiken und Studien

Auch wenn es schwierig ist, den Fachkräftemangel mit Daten und Zahlen zu fassen, geben einige Statistiken und Studien darüber Auskunft, wie sich die Situation in Deutschland in den vergangenen Jahren geändert hat.

Gründe für den Fachkräftemangel

Für den Fachkräftemangel gibt es mehrere Gründe: Erstens scheint der mittlerweile langanhaltende Konjunkturboom insbesondere der produzierenden Industrie in Deutschland für einen erhöhten Fachkräftebedarf und damit langfristig auch einen Personalmangel zu sorgen. Zudem sind in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche neue Jobprofile entstanden, für die es bislang kaum geeignete Fachkräfte gibt. Zweitens sind gerade im Handwerk und in der produzierenden Industrie einige Berufsbilder und Jobs in den vergangenen Jahren unpopulär geworden – nicht zuletzt aufgrund erhöhter Abiturs- und Studienraten in der gesamten Gesellschaft. So gibt es in einigen Berufen, für die ein Universitätsabschluss nötig ist, nach wie vor einen Kandidaten-Überschuss, während in zahlreichen Jobs mit niedrigerem Anforderungsprofil die Bewerber fehlen.

Als wichtiger Grund kommt der demografische Wandel hinzu: Deutschland wird immer älter, viele Mitarbeiter gehen in Rente, nur wenige kommen nach. Zwar gibt es auch immer mehr Ruheständler, die ihre Rente aufbessern und in ihrem Job – meist in Teilzeit – weiterarbeiten. Aber das kann das grundsätzliche Problem nur abmildern. 

Fachkräftemangel: Auch international zunehmend ein Problem

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Mittelständler aus Deutschland bei der Fachkräftesuche auch in die umliegenden Staaten geschaut – die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU und verschiedene Regelungen wie etwa die „Blue Card“ machen es möglich.

Trainingszentrum für ausländische Monteure: „Ohne Vorbereitung geht es nicht“

Weil Solarunternehmer Konstantin Strasser in Deutschland keine Monteure fand, holt er sie sich aus dem Ausland – und coacht sie in einem eigenen Trainings- und Ausbildungszentrum. Wie es dazu kam, erzählt der MEP-Werke-Chef im Interview. [weiterlesen]

Doch mittlerweile greift der Fachkräftemangel auch auf andere Staaten über. Gerade in Westeuropa aus ähnlichen Gründen wie in Deutschland – also unter anderem dem demografischen Wandel. In Ost- und Mitteleuropa hingegen spielt auch die nationalistische und populistische Politik der regierenden Parteien und Politiker eine entscheidende Rolle.

Fachkräftemangel lähmt deutsche Mittelständler in Ungarn

Längst spüren deutsche Unternehmen den Fachkräftemangel auch an ihren osteuropäischen Standorten. Gerade gut ausgebildete junge Leute ziehen ins Ausland. Der Strickwarenhersteller Maerz Muenchen sucht für sein Werk in Ungarn nun international nach Mitarbeitern. [weiterlesen]

Fachkräftemangel: Die positive Seite

Aus Sicht der Bewerber hat der Fachkräftemangel sein Gutes: Unternehmen sind mehr und mehr gezwungen, sich auch um solche potentiellen Mitarbeiter zu kümmern, die es auf dem Arbeitsmarkt traditionell schwer hatten. Die so fast zwangsläufig höhere Diversity in der Belegschaft kann den Unternehmen an anderer Stelle aber auch zugutekommen. Denn Studien weisen darauf hin, dass vielfältige Teams viele Probleme besser lösen können.