Mittwoch, 29.06.2022
Zukunftsmärkte
Energiekrise

Kein Standort ist bei Energie so verletzlich wie Deutschland

Eine Studie der Familienunternehmen zeigt: Die Energiekrise bei Strom und Gas trifft deutsche Unternehmen am härtesten. Kleinere Länder sind im Vorteil.
Die Energiekrise bei Strom und Gas trifft deutsche Unternehmen am härtesten

Die Energiekrise trifft deutsche Unternehmen: Arbeiter in der Papierfabrik

Bild: Shutterstock

Deutschland wird beim Strom zu einer Hochpreisinsel. Wegen dieser Preisnachteile und hoher Importrisiken bei Energie verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Gerade für energieintensive Branchen wird der Standort unattraktiv. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Preis- und Risiko-Analyse der Stiftung Familienunternehmen. Angefertigt wurde sie vom Leibniz Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim. „Einige Forscher haben seit Kriegsausbruch in der Ukraine versucht, die Folgen eines Embargos oder eines russischen Lieferstopps abzuschätzen. Unsere Studie zeigt nun, wie verletzlich Deutschland schon vor Beginn des Krieges war. Die Wettbewerber in Übersee haben kein Problem. Und die Wettbewerber in Europa können angesichts geringerer Verbrauchsmengen rascher umschichten“, kommentiert Rainer Kirchdörfer, Professor und Vorstand der Stiftung Familienunternehmen das Ergebnis.

Die Studie „Die Energiekrise im Standortvergleich: Preiseffekte und Importrisiken“ nimmt 16 EU-Länder in den Blick, sowie die USA, Kanada, Japan, Großbritannien und die Schweiz. Sie untersucht zum einen die Preiseffekte bei Strom, die bis zum ersten Quartal 2022 bereits messbar waren. Zum anderen misst sie für die Jahre 2018 bis 2020 die Abhängigkeit von Energieimporten aus unzuverlässigen Lieferländern – insbesondere aus dem russischen Einflussgebiet. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis: „Die Preiseffekte der Energiekrise bei Strom und Gas sind weitgehend auf europäische Standorte beschränkt. Innerhalb Europas gibt es markante Unterschiede. Deutschland wird zusammen mit den Niederlanden immer stärker zu einer Hochpreisinsel.“


Der zweite Teil der Studie betrachtet die Importabhängigkeiten bei den Energieträgern Gas, Öl und Steinkohle und berechnet daraus ein Gesamt-Importrisiko. Dabei zeigt sich Deutschland als besonders anfällig, weil der Risikofaktor beim Gas besonders hoch ist und der im Risiko stehende Anteil beim Gas 40 Prozent des gesamten Bruttoinlandsverbrauchs ausmacht. Kleinere Länder in Osteuropa weisen zwar teils noch höhere Risikowerte aus, können die überschaubaren Mengen aber leichter anderswo am Weltmarkt beschaffen. Demgegenüber erscheint das Risiko in den USA, Japan und Kanada trotz ihres hohes Energieverbrauchs als nicht existent, weil sie zuverlässige Lieferanten haben.

In einem weiteren Kapitel untersucht die Studie, wie schockanfällig einzelne Branchen in Deutschland beim Thema Energie sind – auch um den Familienunternehmen einen Vergleich zum Durchschnitt zu ermöglichen. Die höchsten Risiken liegen demnach in den Bereichen Metallerzeugung- und Bearbeitung, Chemie sowie Papier und Pappe. Die Autoren schreiben: Die Wirtschafts- und Energiepolitik müsse Antworten auf die Frage finden, wie die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands für energieintensive Unternehmen erhalten werden könne.

MuM

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