Montag, 21.01.2019
Besser zu früh als zu spät: Wer sich zeitig um die Unternehmensnachfolge kümmert, kann dem Junior viel mit auf den Weg geben.

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Besser zu früh als zu spät: Wer sich zeitig um die Unternehmensnachfolge kümmert, kann dem Junior viel mit auf den Weg geben.

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Unternehmensnachfolge: So sichern Mittelständler ihre Zukunft

Nachfolger gesucht: Wer einmal in ihre Fußstapfen tritt, ist für viele Unternehmer eine schwierige Frage. Gründer und Chefs sollten sich dennoch frühzeitig Gedanken darüber machen. Denn nur durch rechtzeitige Planung können sie die für den Fortbestand der Firma richtige Nachfolgeoption finden.

Jeder muss einmal sterben, sogar mittelständische Unternehmer. Spätestens zu ihrem Tod sollten Firmengründer und -besitzer die Unternehmensnachfolge geregelt haben. Es sollte klar sein, wer in ihre Fußstapfen tritt: der Sohn, die Tochter oder eine Gemeinschaft von Erben? Ein Investor, eine Stiftung oder ein langgedienter Mitarbeiter? Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge, doch nicht jede passt für jede Firma. Eines haben sie aber gemeinsam: Sie sollten gut vorbereitet sein. Denn vielleicht ist es auch ganz schön, im Alter etwas kürzer zu treten und den oder die Nachfolger machen zu lassen – und bei Bedarf mit Tipps zur Seite stehen. 

Die Suche: Wann sollte man sich mit der Unternehmensnachfolge beschäftigen?

Sich um die Unternehmensnachfolge zu früh zu kümmern ist praktisch unmöglich. Denn die Suche nach einem oder mehreren Menschen, die die Firma einmal weiterführen können und wollen, gehört zu den komplexesten und schwierigsten Aufgaben eines Unternehmerlebens. Trotzdem (oder gerade deshalb) schieben viele Unternehmer das Thema vor sich her. Das kann für das Unternehmen fatal sein. Denn eine passende, funktionierende und langfristig tragfähige Nachfolgelösung ist nicht von heute auf morgen gefunden.  

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Experten empfehlen für die Suche und Sicherung einer Unternehmensnachfolge einen Zeithorizont von mindestens zwei bis fünf Jahren. Es schadet aber auch nicht, schon zehn oder noch mehr Jahre vor diesem Schritt an die Nachfolge zu denken – zumal ein Unfall oder eine Krankheit eine plötzliche Übergabe nötig machen kann. 

Ein weiterer Vorteil, wenn die Unternehmensnachfolge früh geklärt ist: Der Nachfolger – ob Sohn, Tochter oder ein Externer – kann in die Rolle hineinwachsen. Und bei frühzeitiger Herangehensweise lässt sich auch eine komplizierte Gesellschafterkonstellation ohne böses Blut und zum Wohlgefallen aller lösen.

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Es bleibt in der Familie: Unternehmensnachfolge durch die eigenen Kinder

Vielen Mittelständlern erscheint der eigene Sohn oder die eigene Tochter als naturgegebene Lösung. Etwa die Hälfte der Mittelständler plant laut einer Umfrage die Übergabe an ein Familienmitglied. Kein Wunder, hat die Lösung auf den ersten Blick doch vor allem Vorteile: Es muss kein Käufer gesucht werden, das Unternehmen „bleibt in der Familie“, und die eigenen Kinder arbeiten häufig ohnehin im Unternehmen mit und haben die Abläufe verinnerlicht. 

Doch nicht jeder Unternehmer hat eigene Kinder – und nicht jedes Unternehmerkind ist willens (oder dafür geeignet), das Familienunternehmen zu führen. Dazu können juristische Fallstricke bei der Erbfolge und Erbschaftssteuer kommen. Gibt es mehrere Erben, besteht ein hohes Konfliktpotential. 

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In jedem Falle sollten die Kinder nicht von den Eltern zu etwas gedrängt werden, was sie selbst nicht wollen. Und: Wenn die Nachfahren nicht über ausreichende wirtschaftliche Fachkenntnisse verfügen, können sie falsche strategische Entscheidungen treffen und im schlimmsten Fall das Lebenswerk des Gründers ruinieren. Allerdings ist es mitunter schwierig, einen anderen Erben einzusetzen als die eigene Tochter oder den eigenen Sohn. Das zeigt der Fall des Hamburger Familienunternehmens J.J. Darboven. Der Patriarch des Kaffeerösters, Albert Darboven, traut seinem Sohn Arthur die Übernahme und Führung nicht zu. Deshalb wollte der Seniorchef den Milliardär Andreas Jacobs adoptieren. Ein Gericht hat dies allerdings abgelehnt.

Käufer gesucht: Unternehmensnachfolge durch Familienfremde

Sind die Inhaber kinderlos oder steht der Nachwuchs nicht zur Verfügung, können weitere Gesellschafter, die an dem Unternehmen beteiligt sind, einspringen. Zu den Mitinhabern besteht in vielen Fällen ein vertrauensvolles Verhältnis, das über einen längeren Zeitraum hinweg gewachsen ist. Zudem kennen sie das Unternehmen gut und haben die Strategie mitentwickelt. Nicht selten haben andere Gesellschafter ohnehin ein Vorkaufsrecht.

In manchem Familienunternehmen gehören langjährige Mitarbeiter oder Führungskräfte fast schon zur Familie. Und auch wenn das Verhältnis zumeist rein professioneller Natur war: Wer schon lange beim Unternehmen arbeitet, kennt Betrieb und Ziele. Die Chance, dass er das Unternehmen im Sinne des Unternehmers weiterführt und sich dadurch für die Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner wenig ändert, ist relativ groß.

Eine spezielle Form der Unternehmensnachfolge ist der Verkauf an das Management, zum Beispiel an einen Geschäftsführer – ein sogenannter Management-Buy-out. Auch der Verkauf an einen externen Manager, der bisher noch nicht im Unternehmen tätig war, ist natürlich möglich (Management-Buy-in). Dieser Weg kann insbesondere sinnvoll sein, wenn es sich um einen fachlich oder durch seine Persönlichkeit besonders qualifizierten Geschäftsmann handelt, der die Visionen des bisherigen Inhabers teilt und das Unternehmen in dessen Sinn weiterentwickeln will.

Ist kein Erbe in Sicht und kein Mitarbeiter willens oder fähig, das Unternehmen zu übernehmen, gibt es noch die Möglichkeit des Verkaufs an einen Investor. Hier liegt die Schwierigkeit vor allem darin, dass ein Unternehmer häufig nicht nur finanziell an seiner Firma hängt, sondern auch eine starke emotionale Bindung spürt und nicht loslassen kann – schließlich geht es um sein Lebenswerk. Gehört die Firma aber erst einmal einem Investor oder jemand anderem, ist der unternehmerische Einfluss stark begrenzt. 

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Dazu kommt: Die wenigsten Unternehmer wissen überhaupt, was ihr Unternehmen wert ist – und wie sie geeignete Käufer finden. Zumindest bei der Suche helfen Onlineportale.

Eine Stiftung ist dann eine attraktive Option für die Nachfolgeregelung, wenn der Unternehmer zum einen sicherstellen will, dass die Firma in seinem persönlichen Sinn weitergeführt wird, und zum anderen, dass diese über einen sehr langen Zeitraum – das heißt: über mehrere Generationen hinweg – so und nicht anders bestehen bleibt. Der Clou: Die Rechtsform ist unsterblich.

Zahlen und Fakten zur Unternehmensnachfolge

  • Anfang 2018 planten 842.000 Unternehmensinhaber laut einer KfW-Studie, innerhalb der kommenden fünf Jahre ihre Tätigkeit aufzugeben. 61 Prozent davon, also gut eine halbe Million Besitzer, wollen den Betrieb an einen Nachfolger übergeben. Gut 300.000 rechnen damit, die Firma schließen zu müssen.
Geplante Unternehmerrückzüge bis 2023 (Stand: Januar 2018)

Quelle: KfW

Checkliste: Was Unternehmer vor der Regelung der Nachfolge prüfen sollten

Geschäftsleute, die sich mit dem Thema Unternehmensnachfolge beschäftigen, müssen sich zahlreiche Fragen stellen. An erster Stelle steht, wer als Nachfolger überhaupt geeignet ist. Aber auch, wann und zu welchen Konditionen das Unternehmen übergeben werden soll und kann, muss entschieden werden. Dazu kommt, dass nicht für jedes Unternehmen jede Nachfolgeregelung überhaupt in Frage kommt. Um übernahmewürdig zu sein, sollte ein Unternehmen zum Beispiel 58.000 Euro Mindestgewinn pro Jahr abwerfen. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn schätzt, dass von den insgesamt 3,4 Millionen Familienunternehmen in Deutschland lediglich 700.000 übernahmewürdig sind. Für Investoren werden Unternehmen in der Regel erst ab einem Jahresumsatz von 15 Millionen Euro interessant. In Fällen einer hohen Wertschöpfung machen Private-Equity-Investoren aber auch Ausnahmen.

Bei einem Verkauf fordern die aussichtsreichsten Bieter mit den besten Angeboten irgendwann einen vertieften Einblick in die Bücher (engl. Due Diligence). Das Erstellen der Due Diligence sollte unbedingt ein externer Berater übernehmen, da auch im Mittelstand schnell ein paar 100 Seiten zusammenkommen können. Schluderei und ungenaue Angaben können später im schlimmsten Fall zu Schadensersatzklagen führen. Das Geld für einen externen Profi ist also gut angelegt.

Bewährt hat sich auch ein Notfallkoffer für den Fall, dass dem Firmeninhaber unerwartet etwas zustößt. Darin sollten die wichtigsten Dokumente und Informationen zum Unternehmen sowie wesentliche Arbeitsmittel enthalten sein. Dieser Notfallkoffer muss dem potentiellen Nachfolger auch zugänglich sein.

Checkliste: Das muss in den Notfallkoffer für die Unternehmensnachfolge

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