Montag, 08.04.2019
Ein ständiges Kommen und Gehen: Mittelständler sollten einen Überblick über die aktuellen Bestände in ihrem Lager haben.

Foto: industryview/ iStock / Getty Images Plus

Ein ständiges Kommen und Gehen: Mittelständler sollten einen Überblick über die aktuellen Bestände in ihrem Lager haben.

Technologie
Logistik und Lagerlogistik

Was eine effiziente Logistik im Mittelstand auszeichnet

Unternehmen sollten einen Überblick über ihre Lagerbestände, ihre Lieferanten und ihren Vertrieb haben. Das führt zu einer besseren Liefertreue und damit zu zufriedeneren Kunden. Wie Mittelständler ihre Logistik steuern können.

Nicht selten verarbeiten Mittelständler insgesamt zehntausende oder gar hunderttausende verschiedene Komponenten in ihren Produkten. Eine zentrale Frage für den Einkauf, aber auch für die Lagerlogistik ist, wie viele dieser unterschiedlichen Bauteile und Rohstoffe das Unternehmen im Lager vorrätig haben sollte, um seine Auftrage rechtzeitig erfüllen zu können. Ist das Lager zu leer, können nicht alle Kunden rechtzeitig beliefert werden, die Liefertreue leidet. Ist das Lager aber zu voll, verursacht dies nicht nur unnötige Lagerhaltungskosten sondern auch Chaos im Betrieb, da viele Flächen vollgestellt sind

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Bei der Wahl der richtigen Menge helfen Absatzprognosen. Dafür sollten Firmen nicht auf ERP-Systeme setzten, da diese häufig verzerrte Ergebnisse ausspucken. Spezielle Programme wie Diskover, Dispo-Cockpit oder MPD errechnen zuverlässigere Prognosen. Die Vorhersagen helfen dem Supply-Chain-Management bei der Planung.

Eine effektive Logistik muss allerdings noch mehr Aspekte berücksichtigen als nur die Anzahl der Lagerbestände. Nach der Definition „seven rights“ des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Grosvenor Plowman bestehen die Ziele und Aufgaben der Logistik in der Sicherstellung

 

  • der Verfügbarkeit der richtigen Ware
  • der richtigen Menge
  • des richtigen Zustands des Guts
  • der Lieferung am richtigen Ort
  • der Zustellung zur richtigen Zeit
  • der Lieferung an den richtigen Kunden
  • der Lieferung zu den richtigen Kosten

Bessere Lagerverwaltung dank Software

Um diese Ziele zu erreichen, ist unter anderem eine funktionierende Lagerverwaltung unerlässlich. Den Überblick darüber zu behalten, was wo im Lager liegt und wann wofür gebraucht wird, ist gar nicht so einfach. Dabei können technische Lösungen wie Software, Roboter oder Drohnen helfen. Dafür eigens programmierte Lagerverwaltungssysteme erfassen welche Materialien sich in welcher Stückzahl im Lager befinden und wo diese ableget sind. Die Software schafft Ordnung und erlaubt eine bessere Auslastung von Räumen, Maschinen und Mitarbeitern. Zudem unterstützt das Programm die Kommissionierung, also das Zusammenstellen von einzelnen Teilen zu einer vollständigen Lieferung.

Vereinzelt setzten Mittelständler auch bereits Augmented Reality im Lager ein. Datenbrillen zeigen den Mitarbeitern aktuelle Informationen zu den Aufträgen und führen sie in sinnvoller Reihenfolge zu den einzelnen Lagerplätzen.

Wie Augmented Realtiy den Arbeitsalltag in der Logistik verändert, zeigt das Beispiel des Werkzeugherstellers Stahlwille, der bereits seit einigen Jahren Datenbrillen im Lager nutzt.

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Auch der Einsatz von Förderbändern und automatischen Lagern kann die Intralogistik verbessern. Wie das gelingt, zeigt das Beispiel eines Maschinenbauunternehmens. 

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Exportlogistik ist oft Handarbeit

Auch wenn in der Logistik der Trend zu mehr digitalen und automatisierten Arbeitsabläufen geht, wickelt der Mittelstand in der Exportlogistik vieles noch manuell ab. Das liegt daran, dass vor allem Branchen wie der Maschinen- Komponenten- und Anlagenbau oft Spezialanfertigungen in geringer Stückzahl ins Ausland verkaufen. Entsprechend komplex ist die Logistikabwicklung, weil es keine standardisierten Abläufe gibt. 

Da kaum eine Lieferung der anderen ähnelt, brauchen die Unternehmen für fast jeden Export eine individuell angefertigte Verpackung. Für die Auslieferung setzen die Firmen oft auf die Dienste einer Spedition. Ob der Luft- See- oder Landweg der günstigste ist, muss dann von Fall zu Fall neu entschieden werden. Der größte Aufwand ist die Zusammenstellung der nötigen Dokumente für die Ausfuhr. 

Zusätzlich zum Lieferschein mit Bestim­mungsadresse und zu vollständigen Informationen zu Versender und Empfänger müssen Industrieher­steller der Sendung Ursprungszeugnisse beilegen. Denn je nachdem, woher Rohstoffe oder Vorpro­dukte stammen, gelten andere Zollvorschriften im Zielland. Ebenfalls beizulegen sind die vollständi­gen Akkreditivdokumente, falls Kunde und Herstel­ler diese Zahlungsart vereinbart haben.

Möglicherweise unterliegt die Sendung auch einer Exportkontrolle, etwa weil sie für militärische Zwecke eingesetzt werden könnte. Hierfür müssen zusätzliche Dokumente in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkont­rolle (Bafa) vorbereitet werden. Zudem muss jeder Industriehersteller dem Zoll ermöglichen, eine Sen­dung zu begutachten, bevor sie verpackt wird und in den Export geht.

Kritik an der Infrastruktur

Eine wichtige Rolle in der Logistik spielt natürlich die Infrastruktur. Laut einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft aus dem Jahr 2018 sehen rund zwei Drittel der befragten Unternehmen ihre Geschäfte durch den schlechten Zustand der Infrastruktur in Deutschland beeinträchtigt. Die größten Schwierigkeiten bereiten den Firmen kaputte Straßen und gesperrte Brücken, die zu Staus und damit zu längeren Transportzeiten führen.

Die Wahl des richtigen Transportmittels

Viele der LKW, die in Deutschland Waren durchs Land transportieren sind Dieselfahrzeuge. Dementsprechend gebannt verfolgen viele Speditionen und Unternehmen die Debatte um mögliche Dieselfahrverbote, die auch den Gütertransport per LKW betreffen könnten. Einer Umfrage der Unternehmensberatung Kloepfel Consulting unter Geschäftsführern ergab, dass gut die Hälfte der Befragten Umsatzeinbußen von bis zu 5 Millionen Euro durch Fahrverbote befürchtet. Zwei Drittel gehen von Lieferengpässen aus. Viele Unternehmen würden daher gerne verstärkt auf Batterie- oder Hybridantriebe setzten. Noch gibt es allerdings kaum geeignete Fahrzeuge dafür. Wegen der geringen Reichweite der Elektrofahrzeuge von meistens zwischen 120 und 200 Kilometern, kommen diese vor allem im innerstädtischen Verkehr zum Einsatz. Viele Mittelständler und ihre Zulieferer und Kunden sitzen aber in der Provinz.

Daher haben Mittelständler vor allem Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren in ihrem Fuhrpark. Diese müssen die Fahrer natürlich regelmäßig betanken. Hierbei können Unternehmen Tankkarten einsetzen. Das hat gleich mehrere Vorteile. Die Fahrer können mit der Karte automatisch die Kraftstoffkosten mit dem Arbeitgeber abrechnen und die Buchhaltung des Unternehmens hat weniger Aufwand beim Controlling der Fuhrparkkosten.

Es gibt aber auch Mittelständler, die erfolgreich Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb in ihrer Logistik einsetzen oder ihren Fuhrpark mit flüssiggasbetriebenen Lastwagen bestücken. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der Fall der Spedition Meyer Logistik.

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Gehälter in der Logistik

Der Fachkräftemangel macht auch vor der Logistikbranche nicht Halt. Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt davor, dass bis 2020 rund 10.000 Fahrzeugführer, vor allem LKW-Fahrer, auf dem Arbeitsmarkt fehlen werden. Davon sind in erster Linie Speditionen betroffen, doch der Mittelstand dürfte die indirekten Folgen der unbesetzten Jobs zu spüren bekommen. 

Ein Grund dafür, weshalb es in der Branche Nachwuchsprobleme gibt, dürften auch die Gehälter sein. Im Schnitt verdienen Berufsanfänger in der Logistik mit 42.000 Euro brutto deutlich weniger als etwa Berufsanfänger im Fahrzeugbau oder der chemie- und erdölverarbeitenden Industrie mit durchschnittlich jeweils über 50.0000 Euro brutto. Fahrzeugführer zählen zudem innerhalb der Logistikbranche zu den Geringverdienern. Wie hoch die Gehälter der einzelnen Berufsgruppen, etwa für Fachlageristen, in der Logistik sind, zeigt der große Gehaltsvergleich von Markt und Mittelstand.